Ausstellung
In Dietikon tummeln sich Comic-Figuren – wir erklären warum

Vom 26. April bis 16. Mai lädt die Trickfilmausstellung in die faszinierende und kreative Welt des Animationsfilms ein. Für die Ausstellung im «Gleis 21» haben die Organisatoren Rolf Brönnimann und Rita Bachofen sich viel vorgenommen.

Florian Schmitz
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Die wunderliche Konstruktion von Basil Vogt bewegt Bilder.
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Im Dokumentarfilm «Chris the Swiss» begibt Anja Kofmehl sich auf die Spuren ihres im Jugoslawienkrieg getöteten Cousins. Die melancholische Stimmung der animierten Sequenzen zeigt, wie persönlich das Werk für Kofmehl ist.
Rafael Sommerhalder zeigt Objekte aus seinem Film.
Vom Atelier in die Ausstellung: Claudius Gentinetta zeigt eine Auswahl der rund 600 Selfies, die er für seinen neuen Film «Selfies» bearbeitet hat.
Trickfilmausstellung Dietikon

Die wunderliche Konstruktion von Basil Vogt bewegt Bilder.

Michel Lüthi

Jetzt läuft der Teil, den ich am liebsten mache», sagt Rita Bachofen, Co-Präsidentin des Vereins Trickfilmausstellung. Alle grossen Hürden sind überwunden. Seit Mittwoch sind Bachofen und Rolf Brönnimann, der die Ausstellung zusammen mit Bachofen organisiert, damit beschäftigt, die vielen Exponate zu platzieren und aufzuhängen. Am kommenden Freitag ist es soweit: Mit einer Begrüssung von Stadtpräsident Roger Bachmann und einer Laudatio von alt Stadtpräsident Markus Notter beginnt die dreiwöchige Trickfilmausstellung in Dietikon.

Sie besteht aus zwei Teilen. Die nationale Wanderausstellung «bewegt!», die Brönnimann und Bachofen gemeinsam zum 50-Jahr-Jubiläum der Schweizer Trickfilmgruppe konzipierten, machte unter anderem bereits Halt am Fantoche in Baden und an den Filmtagen in Solothurn. Präsentiert wird alles, was es für einen Trickfilm braucht: Ideen, Zeichnungen, Fotos, Objekte und natürlich die fertigen Filme. Mit dabei sind bekannte Namen der Szene wie Georges Schwitzgebel und Claude Barras, der ein Set und eine Figur aus seinem Oscar-nominierten Film «Ma Vie de Courgette» ausstellt. Anja Kofmehls «Chris the Swiss», Gewinner des Schweizer Filmpreises in der Kategorie Dokumentarfilm, demonstriert die beeindruckende Bandbreite von Animationsfilmen: Auf der Suche nach den Umständen ihres im Jugoslawienkrieg gestorbenen Cousins verbindet sie dokumentarisches Filmmaterial mit handgezeichneten Animationen.

Zwei Schulen, zwei Kulturen – Rhode Island und Luzern: In einer Gegenüberstellung werden Abschlussfilme von der Hochschule Luzern und der Rhode Island School of Design an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gezeigt. Dabei stehen sich sehr unterschiedliche Mentalitäten gegenüber – auf der einen Seite die experimentellen und offenen Filme aus den USA, auf der anderen Seite die professionellen Werke aus Luzern. Organisator Rolf Brönnimann, der von 1981 bis 1983 in Rhode Island studierte, fädelte diesen spannenden Vergleich ein. «Ich freue mich extrem auf die beiden Filmabende», sagt Brönnimann.
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Regionale Filmemacher präsentieren ihr Schaffen: An der Trickfilmausstellung werden viele Filmschaffende aus der Region ihre Arbeiten an speziellen Filmabenden präsentieren. Claudius Gentinetta hat sein vielfach prämiertes Werk «Selfies» und einen alten Projektor im Gepäck, um seine ersten Filme zu zeigen. Basil Vogt präsentiert neues Material aus seinem noch unveröffentlichten Film «Duodrom» und das Team Tumult führt durch eine kreative Werkschau.
Vernissage und Finissage: Die Amateure präsentieren sich: An der Vernissage der Trickfilmausstellung wird nicht nur Roger Bachmann die Gäste begrüssen und Markus Notter eine Laudatio halten. Auch Amateurfilmer haben ihren grossen Auftritt. Das Eröffnungsprogramm zeigt Werke von Laien, die im Vorfeld entstanden sind. In Urdorf und Dietikon lernten Kinder, wie sie mit einfachen Mitteln kreative Geschichten auf Film bannen können. Nach einem Halbtages-Workshop machten sich interessierte Trickfilmfreunde daran, verschiedene Animationstechniken zu lernen und in die Tat umzusetzen.
Trickfilmkurse für Kinder und Erwachsene: An der Trickfilmausstellung gibt es nicht nur viel zu entdecken. Interessierte können auch gleich selbst Hand anlegen. Für Schülerinnen und Schüler führt Filmemacher Basil Vogt auf der Freizeitanlage Chrüzacher an zwei Tagen jeweils einen Animationskurs durch. Aber auch Erwachsene kommen auf ihre Kosten. Sie können von Filmemacher Dustin Rees in einem Kurs das Handwerk erlernen und selbst erste Gehversuche unternehmen. Für die Teilnahme an den Trickfilmkursen ist eine Anmeldung obligatorisch (info@trickfilm19.ch).
Live-Musik der Musikschüler und Kindertrickfilme im «Potztuusig»: Nicht alle Programmhöhepunkte finden im «Gleis 21» statt. Für zwei Kindervorstellungen besuchen die Trickfilmer das beliebte Theater Potztuusig von Monika Schmucki. In zwei unterschiedlichen Programmen «für Kinder von 5 bis 99 Jahren», wie es im Programmheft heisst, wird der Nachwuchs in die vielfältige Welt animierter Filme abseits von Disney und Dreamworks eingeführt. Zudem werden Gitarrenschüler der Musikschule Dietikon im «Gleis 21» an einer speziellen Matinee fünf kurze Trickfilme live vertonen. Für ihren Auftritt üben sie bereits seit Monaten.
«Öises Dietike» mit Rolf Brönnimann und Florian Walser: Die beliebte Veranstaltung «Öises Dietike» verlässt für die Trickfilmausstellung das Ortsmuseum. Statt um die Geschichte des alten Dietikon dreht sich das Gespräch mit den Dietikern Rolf Brönnimann und Florian Walser um eine Geschichte, die beide auf der Leinwand erzählen. Über zehn Jahre arbeitete Brönimann an seinem neusten Film «Bolero Station». Dafür fertigte er von Hand tausende Zeichnungen an. Die Musik zum Film hat Berufsmusiker Walser geschrieben. Moderiert wird das Gespräch von Helene Arnet. Das Trio Tello sorgt für die musikalische Umrahmung.

Zwei Schulen, zwei Kulturen – Rhode Island und Luzern: In einer Gegenüberstellung werden Abschlussfilme von der Hochschule Luzern und der Rhode Island School of Design an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gezeigt. Dabei stehen sich sehr unterschiedliche Mentalitäten gegenüber – auf der einen Seite die experimentellen und offenen Filme aus den USA, auf der anderen Seite die professionellen Werke aus Luzern. Organisator Rolf Brönnimann, der von 1981 bis 1983 in Rhode Island studierte, fädelte diesen spannenden Vergleich ein. «Ich freue mich extrem auf die beiden Filmabende», sagt Brönnimann.

Michelle Lüthi

In ihrer Heimat wollen Bachofen und Brönnimann aber viel mehr bieten als eine Wanderausstellung. In Dietikon laden regionale Filmschaffende zum Blick hinter die Kulissen ein und präsentieren an Filmabenden ihr Schaffen. Und Schüler der Musikschule Dietikon bereiten sich seit Monaten darauf vor, fünf Trickfilme live zu vertonen.

Selbst Hand anlegen

Als Zentrale dient das Kulturlokal «Gleis 21» direkt am Bahnhof, aber die Trickfilmer besucht auch das Theater Potztuusig mit einem Kinderprogramm und auf der Freizeitanlage Chrüzacher können die Kleinen gleich selbst lernen, wie man einzelne Bilder in Bewegung bringt. Auch für Erwachsene wird ein Eintageskurs durchgeführt. Nicht zuletzt macht das beliebte Dietiker Diskussionsformat «Öises Dietike» für einmal statt im Ortsmuseum im «Gleis 21» halt.

«Es ist schön, dass die Ausstellung so viel Bezug zu Dietikon bietet», sagt Brönnimann. Überall seien sie bei der Suche nach lokalen Kooperationen auf offene Türen gestossen und hätten positives Echo erhalten. Auch die Sponsorensuche seit gut verlaufen. Bald können Brönnimann und Bachofen die Früchte ihrer Arbeit ernten und die Limmattaler Besucher mit auf eine Reise in die Welt der Trickfilme nehmen. Die Limmattaler Zeitung hat einige Programmhöhepunkte herausgepickt, die sie nicht verpassen sollten.

Trickfilmausstellung

27. April bis 16. Mai, Dienstag bis Freitag: 14 bis 18 Uhr, Samstag: 10 bis 17 Uhr, Sonntag: 10 bis 16 Uhr, «Gleis 21», Buchsackerstrasse 21, Dietikon

Weitere Informationen: www.trickfilm19.ch