Die Bieridee kam Michael Jones in seiner ersten Zürcher Bar, die er vor ein paar Jahren im umgebauten Bahnviadukt lancierte. Sie hat rund 40 Biere im Angebot, vor allem aus seiner Heimat Grossbritannien. Jones stellte fest: «Die Schweizer wissen nicht viel über Bier. Meistens bestellen sie einfach eine Stange.» Das wollte er ändern.

Zusammen mit Christian Langenegger und Gavin Pell hat Jones daher kürzlich im Langstrassenquartier eine Bar eröffnet, die ganz auf Biervielfalt setzt: «The International Beer Bar», gleich neben dem Kino «Riffraff», hat rund 140 Gebräue auf der Basis von Hopfen und Malz im Angebot, darunter über 50 Schweizer Biere.

Die Namen grosser Brauereien sind auf der riesigen Bierkarte über dem Tresen die Ausnahme: Das wöchentlich wechselnde Angebot umfasst vor allem Produkte aus kleinen und Kleinst-Brauereien. Von den Schweizer Bieren, deren Namen auf der Magnettafel angeheftet sind, zählen jene der Appenzeller Brauerei Locher zu den bekannteren. Daneben fliessen auch Raritäten wie das Doppel Indian Pale Ale der Effretiker Brauerei Brüll oder das Pale Ale «Rappigold» aus einem der acht Zapfhähne.

«Champagner unter den Bieren»

«Indian Pale Ale ist der Champagner unter den Bieren», schwärmt Jones – und erzählt gleich die Geschichte dazu: Ursprünglich um 1850 für den Export von Grossbritannien nach Indien entwickelt, erhielt das Indian Pale Ale zwecks besserer Haltbarkeit einen höheren Gehalt an Hopfen, Malz und Alkohol als «normales» Bier.

Das bernsteinfarbene Gebräu kam gut an. So gut, dass es sich längst ungeachtet der Haltbarkeitszeit allein aufgrund seines Geschmacks bei Bierliebhabern weltweit etabliert hat. Nun setzen vermehrt auch Schweizer Kleinbrauereien auf die Bierspezialität mit der exotischen Historie.

Es sind nicht nur Geschichten wie diese, mit denen Langenegger und Jones ihre Gäste verführen. Sie veranstalten auch Carausflüge zu kleinen Brauereien. Und alle paar Wochen kommt künftig ein Brauer in die Bar, um über Braukunst und sein Bier zu reden – erstmals am 10. Februar. Für Gäste, die meinen, bei ihnen sei Hopfen und Malz ohnehin verloren, haben Langenegger und Jones auch ungewöhnliche Geschmacksrichtungen kaltgestellt: zum Beispiel Biere mit Schokoladen-, Apfel-, Himbeer- oder Ingwerzusätzen.

Ein Bier wie geeister Espresso

«Bierbrauen ist eine Wissenschaft», sagt Christian Langenegger, der früher unter anderem als Weinhändler arbeitete. Gerade kleinere Brauereien seien experimentierfreudig und würden die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten spielerisch ausloten: Je nach Wasserqualität, Hopfen- und Malzart, Luftfeuchtigkeit und anderen Zutaten liessen sich so Biere kreieren, die auch Wein-Liebhaber überzeugen.

Auf die Frage, was er etwa einem Amarone-Connaisseur anbieten würde, holt Michael Jones eine Flasche «Russian Imperial Stout» aus dem Kühlschrank. Das schottische Schwarzbier sei einst als Exportprodukt für die russische Zarenfamilie entwickelt worden, erzählt er. Mit neun Prozent Alkoholgehalt ist es beim vormittäglichen Besuch des Journalisten allerdings für die Tageszeit zu stark, um die Probe aufs Exempel zu machen.

«Es schmeckt wie geeister Espresso», versichert Jones, der Missionar in Sachen Bierkultur. Seine Mission scheint gut anzukommen: In den Wochen nach der Eröffnung Anfang Dezember war die Bar, die ganz auf Biervielfalt setzt, laut Langenegger oft gerammelt voll.

Sein Geschäftspartner Michael Jones träumt bereits davon, mehr Bars dieser Art zu eröffnen – um den Schweizern noch mehr Bierkultur zu vermitteln.

The International Beer Bar, Luisenstrasse 7, 8005 Zürich, Mo-Sa 12-24 Uhr.