In der Luft spürte sie Freiheit und Leichtigkeit

Im Birrfeld war sie die erste Segelflugpilotin. Jetzt ist die Uitiker Flugpionierin Hanni Vögeli im Alter von 87 Jahren verstorben.

Janine Müller
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Hanni Vögeli war Lehrerin und Segelflugpilotin.

Hanni Vögeli war Lehrerin und Segelflugpilotin.

Bild: Severin Bigler (Uitikon Waldegg, 18.Mai 2017)

Die Uitikerin Hanni Vögeli, ­geborene Theodora Johanna Heimgartner, war eine der ­wenigen Frauen auf dem Aargauer Flugplatz Birrfeld. Das kam nicht von ungefähr, war ihr Vater Theodor doch Flugzeugschreiner und Fotograf sowie begeisterter Pilot.

Geboren wurde sie am 6.Oktober 1933 in Zürich. In Wiedikon besuchte sie die Primarschule, 1974 kehrte sie als Lehrerin ins Bühlschulhaus zurück, wo sie bis zu ihrer Pensionierung 1996 die Erst- bis Drittklässler unterrichtete. Hanni Vögeli war aber immer auch eine Abenteurerin. Mit Freundinnen vom Lehrerseminar machte sie 1953 eine Autostopp-Reise nach Neapel und bis in den hohen Norden. Zudem war sie Mitbegründerin des Skiclubs Züri Leu, aus dem zwei Weltmeister ­hervorgingen: Urs Lehmann und Peter Müller.

Ihre grosse Leidenschaft war die Segelfliegerei. Im Jahr 1954 begann sie die Segel­flugschule auf dem Flugplatz Dällikon und trat der akademischen Fluggruppe Zürich bei. 1955 absolvierte sie das Lehrerpatent und das Brevet als Segelflugpilotin im Birrfeld. Hoch in der Luft, da fühlte sich Hanni Vögeli frei. Sie spürte Freiheit und Leichtigkeit, sagte sie einst in einem Interview mit ­dieser Zeitung. In der Zwischenzeit lernte sie auch ihren Mann Ruedi Vögeli kennen. Die beiden heirateten im Jahr 1957. Gemeinsam nahmen sie Segelflugkurse. Im Birrfeld kam es einmal zu einem Crash. Hanni Vögeli krachte mit ihrem Segelflieger auf das Dach des Hangars. «Das ist saublöd ge- laufen», sagte sie im Interview. «Die Helfer am Boden liessen die Flügel des Fliegers zu spät los und dann riss auch noch das Seil.» Hanni Vögeli hatte die Wahl, ob sie mit ihrem ­Flieger auf die Motorflugzeuge am Boden knallen soll oder auf das Dach des Hangars.

Dass eine Frau überhaupt flog, war zwar ungewöhnlich zu dieser Zeit. Probleme hatte Hanni Vögeli deshalb aber nie. Ihr Mann Ruedi liess sie stets ihr Hobby ausüben. «Hätte ich Hanni nicht fliegen lassen, dann wäre sie mir davongeflogen», sagte er einst. 1961 kam die Tochter zur Welt. Nach der Geburt des zweiten Kindes 1968, ein Sohn, gab ­Hanni Vögeli die Fliegerei auf. Im Herzen aber und mit den ­Erinnerungen im Kopf hob sie bis an ihr Lebensende immer wieder gerne ab.

Hanni Vögeli starb am 24.Februar 2020 in Uitikon Waldegg an den Folgen von Darmkrebs. 2019 schrieb sie noch in ihr Tagebuch: «Ich ­komme – weiss nicht von wo. Ich bin  – ich weiss nicht was. Ich gehe – ich weiss nicht wohin. Bin dankbar – mich wundert, dass ich so fröhlich bin.»