Dietikon

In 90. Jubiläumsjahr: Verein für Pilzkunde gibt Auflösung bekannt

Grund für die Auflösung ist der Mangel an Mitgliedern, die sich zum Pilzkontrolleur ausbilden lassen oder dem Vorstand beitreten wollen. Präsident Andreas Wolf ist enttäuscht, ein Ende hat sich aber schon länger angekündigt.

Statt nach 90 Jahren ein grosses Jubiläum zu feiern, löst sich der Verein für Pilzkunde Dietikon und Umgebung per Ende Jahr 2020 auf. Dies haben die Vereinsmitglieder laut einer Mitteilung an ihrer Generalversammlung beschlossen. Grund dafür sei der fehlende Nachwuchs an Fachpersonen und Vorstandsmitgliedern. «Bestehende Mitglieder haben kein Interesse, sich zum Pilzkontrolleur weiterzubilden, und junge Neumitglieder haben keine Zeit dafür», sagt Andreas Wolf, der den Verein seit 2013 präsidiert. «Zudem sind die vier aktuellen Vorstandsmitglieder schon seit vielen Jahren dabei und wollen seit Längerem kürzer treten», fügt er hinzu.

Ein wichtiger Bestandteil der Vereinsaktivitäten waren lange die Bestimmungsabende, an denen Mitglieder ihre gesammelten Pilze gemeinsam untersuchten und bestimmten. «Wir konnten unseren Mitgliedern immer weniger bieten, da seit zwei Jahren ein Pilzexperte für die Pilzkontrolle und für Vorträge fehlte», sagt Wolf, der in Dietikon für die Grünen im Gemeinderat politisiert. «Neue Mitglieder sind auf einen Mentor angewiesen, den wir nicht bieten konnten.»

Ein Schlussstrich hat sich abgezeichnet

Vor ein paar Jahren habe zwar ein Interessensschub an der Pilzwelt stattgefunden, sagt Wolf. «Doch die Anzahl Neumitglieder hielt sich in Grenzen und häufig wollen sich die Leute nicht gross im Verein engagieren.» Das Problem seien nicht primär fehlende Mitglieder, schliesslich zählt der Verein deren 60, sondern die zu tiefe Bereitschaft, Verpflichtungen einzugehen.

Da der Mangel an Fachpersonal und Vorstandsmitgliedern schon länger Thema sei, habe sich ein Schlussstrich bereits abgezeichnet, sagt Wolf. Die Hoffnung auf ein bis zwei Neumitglieder, die sich zum Pilzkontrolleur ausbilden lassen, sei lange noch dagewesen, wurde aber nicht zur Realität. «Vor allem langjährige Mitglieder waren natürlich enttäuscht. Auch ich finde die Auflösung ­extrem schade», sagt er. «Da die Mitglieder aber vorbereitet waren, gab es an der Generalversammlung keinen Widerstand.»

2020 hätte eigentlich ein Festjahr für den vor 90 Jahren gegründeten Verein werden sollen. «Unsere Generalversammlung wäre bereits anfangs Jahr geplant gewesen», sagt Wolf. Dann sei aber die Coronakrise dazwischengekommen. «Deshalb und auch weil uns die internen Ressourcen fehlen, haben wir keine Jubiläumsfeierlichkeiten geplant», sagt er. Das nun geplante Schlussessen für die Vereinsmitglieder falle aufgrund der Pandemie ebenfalls ins Wasser, werde aber sicher nachgeholt.

Der Herbstmarkt war das Highlight im Vereinsjahr

«Ich habe gehofft, dem Verein als Präsident einen Schub verpassen zu können», sagt Wolf. Gerade mal ein Jahr sei er Mitglied gewesen, bevor er das Amt übernahm. Schon damals habe sich ein Mangel an engagierten Mitgliedern abgezeichnet: «Die Vorstandsmitglieder wollten ihre Ämter abgeben. Es waren Mitglieder, welche die Arbeit schon einmal gemacht hatten und eingesprungen waren, weil sie niemand anderes gefunden hatten.» Beim Pilzverein ist Wolf gelandet, weil er nach seinen herbstlichen Waldspaziergängen auch selbst einmal Pilze mit nach Hause nehmen wollte und deshalb einige Male bei der Pilzkon­trolle vorbeiging. Dort sei er auf den Verein angesprochen worden.

«Das Highlight im Vereinsjahr war jeweils der Dietiker Herbstmarkt, wo wir Pilzrisotto kochten und eine Pilzausstellung organisierten», sagt Wolf. Den bestehenden Vereinsmitgliedern legt er ans Herz, einem benachbarten Pilzverein oder dem Natur- und Vogelschutzverein Dietikon beizutreten. Dies hätten einige ehemalige Mitglieder des Vereins für Pilzkunde Dietikon und Umgebung bereits im Laufe der letzten paar Jahre getan. Ob dies bei ihm selber auch zeitlich drinliegen wird, weiss Wolf noch nicht. «Für die Vorstandsarbeit wird es aber sicher nicht mehr reichen.»

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