Vor kurzem teilten der Gemeinderat und die Schulpflege Urdorf mit, dass sie auf eine gemeinsame Immobilien-Strategie verzichten. Durch die Zusammenarbeit hätten die finanzielle Gesamtsituation optimiert und die Immobilienkosten gesenkt werden sollen. Da die beiden Behörden die von ihnen favorisierte Variante, die unter anderem den Abbruch des Hallenbads zur Folge gehabt hätte, als nicht mehrheitsfähig einstuften, gaben sie die Pläne auf.

Nun meldet sich eine private Planungsgruppe zu Wort, die auf eigene Faust ein Liegenschaften-Konzept für die Schule und die Gemeinde entworfen hat. «Wir bedauern sehr, dass die Schule und die Politische Gemeinde nicht mehr zusammenarbeiten», sagt Christian Brandenberger. Während eines Jahres feilten er, Nella Casella, Pia Simmendinger und Günter Schröder an Ideen. Die ausgearbeitete Strategie präsentierten sie der Schulpflege, dem Gemeinderat, den Ortsparteien und dem Urdorfer Gewerbeverein.

«Wir dachten, dass wir damit eine Diskussion zugunsten der Dorfentwicklung entfachen können», sagt Günter Schröder. Doch der Entscheid des Gemeinderats und der Schulpflege, die Kollaboration einzustellen, wirke sich kontraproduktiv aus. «Die Diskussion ist zu Ende, bevor sie überhaupt anfangen konnte», sagt Nella Casella. Dabei sei die Debatte extrem wichtig. «Uns liegt eine gesunde und zukunftsweisende Dorfentwicklung am Herzen. Es gibt mehrere Projekte, die anstehen und es ist essenziell, dass das Geld richtig eingesetzt wird.» Ihnen habe ein roter Faden bezüglich Immobilien in Urdorf gefehlt.

Auf externes Fachwissen waren die vier Urdorfer bei der Erarbeitung des Konzepts nicht angewiesen. Casella und Schröder sind Architekten. Letzterer war etwa für den Umbau des Urdorfer Gemeindehauses, des Hallen- und des Freibads zuständig. Auch Simmendinger, die als promovierte ETH-Architektin im Unterricht und in der Forschung tätig ist, kennt sich mit der Materie bestens aus. Brandenberger bringt als ehemaliger Gemeinderat seine Erfahrung in der Exekutive mit ein.

Konkret umfasst das Konzept der Planungsgruppe folgende Ideen in den Gebieten Zentrum, Bahnhofstrasse und Weihermatt: den Rückbau des Zentrums Spitzacker und damit verbunden der Abbruch des Hallenbads, die Erstellung einer Dreifachturnhalle, eines Feuerwehrgebäudes und eines neuen Hallenbads sowie Landverkäufe und der Neubau eines Schulhauses mit Kindergarten und Mittagstisch.

Hallenbad neben Badi

«Die Dreifachturnhalle soll auf dem Areal der Zentrumsanlage zu stehen kommen. Dort könnte auch die Feuerwehr einziehen», sagt Brandenberger. Über dem neuen Feuerwehrgebäude bestehe die Möglichkeit, Wohnungen zu bauen. «Die Wohnfläche dazu müsste man externen Bauherren verkaufen oder zumindest müsste man sie im Baurecht abgeben», sagt Brandenberger. Das habe den positiven Effekt, dass Geld generiert werde, um die Investitionen zu tätigen. Das Konzept der Planungsgruppe beinhaltet weitere Grundstückverkäufe oder Abgaben im Baurecht. Dies trifft etwa auf das Land des Kinderhauses an der Schulstrasse zu. «Die Idee ist, dass man eine Auflage machen könnte, die die künftigen Investoren dazu verpflichtet, einen Hort oder eine Kita im Neubau zu integrieren», sagt Brandenberger. Ebenso will sich die Planungsgruppe vom Grundstück des Kindergartens Krummacker trennen. «Der Verkauf würde die Schulkasse entlasten, weil im maroden Kindergarten Sanierungen anstehen.» Das neue Hallenbad soll neben dem Freibad zu liegen kommen. «Es könnte dort, wo sich jetzt die Hauswartswohnung befindet, errichtet werden», sagt Brandenberger.

Umgebung einbeziehen

Ein wichtiger Aspekt im Konzept bilden aber nicht nur die Gebäude, sondern die Wege und Plätze, die die einzelnen Gebiete verbinden. «Es ist wichtig, die Umgebung miteinzubeziehen. Die Gemeinde und die Schule können damit konkret Einfluss auf das Dorfleben nehmen», sagt Casella. Auch Energie-Ideen bringt die Planungsgruppe ein. «Man könnte einen Wärmeverbund im ganzen Schulhaus Zentrum realisieren, eine Schnitzelheizung oder Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern installieren», sagt Schröder.

Die Planungsgruppe rechnet für all diese möglichen Bauprojekte mit Kosten von rund 23,9 Millionen Franken. Miteinberechnet sind da bereits die Grundstückveräusserungen. «Der Gemeinderat und die Schulpflege sehen nach dem Verzicht auf die gemeinsame Strategie in den kommenden Jahren aber Investitionen von rund 33 Millionen Franken vor», sagt Brandenberger. Dies hätten die Behörden ihrer Gruppe und den Ortsparteien Ende Mai mitgeteilt. «Mit unserem Konzept könnten die geplanten Investitionskosten von Schule und Gemeinde für die nächsten zehn Jahre um fast 9 Millionen Franken gesenkt werden», sagt Brandenberger. Wenn jede Behörde ihren eigenen Weg gehe, komme es teurer.

Nicht nachvollziehen kann die Planungsgruppe, dass die Schule und die Gemeinde den Verzicht auf die gemeinsame Strategie unter anderem damit begründeten, dass die Ideen ihrer Planungsgruppe völlig konträr und viel teurer als die von den Behörden favorisierte Variante ausfallen würden.

Bis 2030 sollen laut dem Konzept die Bauvorhaben realisiert sein. Die Verantwortlichen betonen jedoch: «Nichts ist in Stein gemeisselt, wir wollen niemandem vor den Kopf stossen. Mit unserem Konzept wollen wir lediglich eine Basis schaffen, worauf man aufbauen kann», sagt Casella. Zusätzlich bereiten der Planungsgruppe — wie bereits der Gemeinde und der Schule — die Absicht des kantonalen Denkmalschutzes, diverse Gebäude in Urdorf in die Inventarliste aufzunehmen, Schwierigkeiten. Dazu gehören beispielsweise die Zentrumsanlage samt Hallenbad, Turnhalle, Liegewiese und Hardplatz sowie das Feuerwehrdepot und die Schulanlage Moosmatt. «Unsere Ideen funktionieren, wenn die Gebäude oder Teile davon nicht unter Schutz gestellt werden», sagt Brandenberger. Um auf eine Inventarisierung vorbereitet zu sein, sei man derzeit daran, die Ideen weiterzudenken und die Gesamtstrategie für die Entwicklung der Immobilien der Gemeinde und der Schule in Urdorf zu überarbeiten.