Birmensdorf

«Immer wieder waren kleine tote Fische zu sehen»: Reppisch leidet noch lange unter der Gülle

Beim Absuchen des Gewässers wurde der ein oder andere tote Fisch gefunden.

Beim Absuchen des Gewässers wurde der ein oder andere tote Fisch gefunden.

Entgegen ersten Erkenntnissen kam es doch zu einem Fischsterben, als ein Landwirt am 14. März 80'000 Liter Gülle in den Fluss leitete.

Der Tod kommt manchmal unbemerkt. «Ein Fischsterben konnte bislang nicht festgestellt werden», teilte die Kantonspolizei mit, nachdem vor elf Tagen in Birmensdorf Gülle in das Hintere Steigbächli und von dort in die Reppisch geflossen war. Einzig der Gestank zog sich die ganze Reppisch entlang. Selbst in Dietikon war die Gülle am Unglückswochenende zu riechen. Und jetzt zeigt sich: Zahlreiche Fische sind elend umgekommen.

Am Anfang der Gewässerverschmutzung stand ein Birmensdorfer Landwirt, der über Nacht zu viel Gülle von einer Grube in eine andere pumpen wollte: Die Grube überlief, während der Bauer schlief. Die überlaufende Brühe fand ihren Weg in die Reppisch. 80'000 Liter todbringende Gülle waren es gemäss Angaben der Kantonspolizei.

«Meine Kameraden und ich sind traurig», sagt Ernst Scherrer, dessen Herz für die Reppisch schlägt. Er ist schon seit 1995 Pächter des Gebiets zwischen der Dietiker Grunschen und dem Parkplatz beim Dietiker Schützenhaus, wo der Rummelbach in die Reppisch fliesst. Auch Hans Mair pachtet dieses Reppisch-Gebiet. «Es trifft mich sehr, was hier passiert ist. Es drückte mir das Augenwasser hervor, als ich am 14. März mit Albert Spörri, der das Reppisch-Gebiet oberhalb des Rummelbachs pachtet, im Reppischtal unterwegs war», sagt Mair.

«Immer wieder waren kleine tote Fische zu sehen»

An diesem Vormittag – Mair und Spörri wussten noch nichts davon, was sich in Birmensdorf ereignet hatte –, biss ungewöhnlicherweise kein einziger Fisch an. «Die Reppisch roch stark, führte einen Schaumteppich und immer wieder waren kleine tote Fische zu sehen», erzählt Mair. Da wussten sie: Etwas stimmt nicht. Sie suchten das Gewässer ab und sahen auch den einen oder anderen grossen toten Fisch.

Dann kam der Anruf vom Pachtobmann des Reviers in Birmensdorf, wo sich die Güllen-Katastrophe ereignete. «Wir trafen uns beim Waffenplatz und er informierte uns über alles. Danach liefen wir nochmals das Gewässer ab und fanden noch mehr tote Fische», erzählt Mair. Sie sammelten die grössten toten Fische ein, fotografierten diese und übermittelten die Fotos der Polizei, ehe sie die Fische zur Tierkadaver­sammelstelle brachten.

Mair hält fest: «Es hat sicher viel mehr tote Fische gegeben, die aber bereits in der Nacht, wo die Gülle ins Wasser lief, weggespült wurden. Zudem dürften sich viele ­Fische im Schutz von Höhlen-ähnlichen Stellen respektive Löcher im Bachbett aufgehalten haben, wo sie dann wegen der Gülle erstickt sind. Womöglich stecken sie jetzt noch dort fest.» Auch der Laich dürfte gelitten haben, sagt Mair. Ebenso dürfte die Nahrungsgrundlage der Fische, also die Kleinstlebewesen im Gewässer, durch die Gewässerverschmutzung in Mitleidenschaft gezogen worden sein.

Mair hält aber fest, dass nicht die ganze Reppisch gleich stark betroffen sei. Am schlimmsten sei es wohl im Bereich vom Unfallort bis zur Mitte des Waffenplatzes. Nun hoffen Mair und seine Fischerkollegen auf richtig starke Regenfälle. «Hochwasser würde das Bachbett so richtig durchwaschen. Das brauchen wir jetzt, damit möglichst keine Güllenrückstände mehr im Bachbett übrig bleiben.» Bis sich die Reppisch von dem, was nun passiert ist, erholt habe, dauere es sicher zwei bis drei Jahre, wie Mair sagt.

Und was denkt er über die Ursache der Reppisch-Katastrophe? «So etwas darf heutzutage einfach nicht mehr passieren. Ich kann es nicht verstehen, wie man eine Güllenpumpe über Nacht unkontrolliert laufen lassen kann. Es dünkt mich gelinde gesagt leichtsinnig. Die meisten Landwirte sind sich ihrer Verantwortung bewusst und nehmen ihren Job ernst. Wenn so etwas wie das jetzt passiert, wirft das aber ein schlechtes Licht auf die ganze Landwirtschaft. Das ist schade.»

«Sehr schnell reagiert und einen super Job gemacht»

Mair sieht in der ganzen Sache aber auch das Positive: «Die Polizei, die Feuerwehr, und das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) haben sehr schnell reagiert und einen super Job gemacht.»

Auch für die Feuerwehr Birmensdorf-Aesch handelte es sich um ein sehr grosses Ereignis. «Unser Einsatz dauerte über 13 Stunden. Das ist einer der längsten Einsätze der letzten Jahre», sagt Kommandant Michael Heynen. Ab 05.55 Uhr bis 19.20 Uhr war die Feuerwehr im Einsatz. Sie errichtete zwei Bachsperren, damit sich nicht noch mehr Gülle in die Reppisch ergiesst. Zudem wusch sie – mit Wasser ab Hydrant – das Bachbett des betroffenen Hinteren Steigbächlis aus. Dies auf einer Strecke von rund 800 Metern. Mit 26 Personen war die Feuerwehr im Einsatz, so Heynen.

Der Fall wird bei der Staatsanwaltschaft landen

Die Ermittlungen der Kantonspolizei laufen noch. Der Verursacher der Gewässerverschmutzung wurde am 14. März vor Ort ein erstes Mal befragt, eine weitere Befragung steht noch an. Sobald der Rapport zur Sache fertig ist, wird die Kantonspolizei an die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis rapportieren, wie eine Sprecherin der Kantonspolizei gestern auf Anfrage sagte.

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