Dietikon
Immer wieder anonyme Drohungen gegen Politiker

Der Rücktritt des Spreitenbacher Gemeindeammanns Josef Bütler gibt viel zu reden - und lässt auch bei anderen Politikern ungute Erinnerungen hochkommen. So wurden auch schon im Limmattal anonyme Drohungen am Telefon gegen Politiker ausgesprochen.

Katja Landolt
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Anonyme drohungen am Telefon sind schnell ausgesprochen (Symbolbild)

Anonyme drohungen am Telefon sind schnell ausgesprochen (Symbolbild)

Keystone

So beispielsweise bei Peter M. Wettler, Dietiker SP-Gemeinderat. Nach einem Eklat im Dietiker Gemeinderat im November 2010 hatte Wettler mehr als ein Dutzend Drohungen per Brief, Mail und Telefon erhalten. Wettler hatte sich in seinem provozierenden Votum zu einer dringlichen SVP-Interpellation zur Attacke einer Jugendbande geäussert.

Monatelange, anonyme Beleidigungen

«Was Herrn Bütler passiert ist, stimmt mich traurig», so Wettler. Bütler tritt nach Drohungen gegen seine Familie auf Ende Februar 2012 zurück (verschiedene Berichte in der az Limmattaler Zeitung). Auslöser für den Telefonterror war ein Interview in der Sendung «Schweiz aktuell», in der sich Bütler zum Thema Ausländeranteil in Spreitenbach geäussert hatte. Seine Aussage, es gebe «keinen Schweizer x und Ausländer y, sondern nur Spreitenbacher», habe selbst ernannte «Eidgenossen» auf den Plan gerufen, so Bütler. Diese «Eidgenossen» haben den Gemeindeammann und seine Familie über Monate hinweg per Telefon und mehrheitlich anonym beleidigt.

Hundedreck per Post

«Meide Laternenpfähle. Sie eignen sich vortrefflich, um dich aufzuknüpfen, wie man seit Stalin weiss», zitiert Wettler eine der anonymen Drohungen, die er nach der Sitzung erhalten hatte. «Ausserdem erhielt ich, natürlich ebenfalls anonym, einen Hundedreck per Brief zugeschickt mit den Worten: ‹Das machen wir aus dir, wenn du nicht endlich die Schnauze hältst›», so Wettler. Und ein weiteres anonymes Beispiel: «Bleibe nachts zu Haus. Wenn wir dich im Dunkeln antreffen, brechen wir dir die Knochen.»

Eine Gruppierung, die sich «Kampfgruppe Limmattal» nannte, habe geschrieben: «Sollte Natalie irgendetwas geschehen, werden wir uns an dich halten. Seit dem Vorfall im Einwohnerrat bist du in der ganzen Schweiz bekannt.» Gemeint war SVP-Nationalrätin Natalie Rickli, deren Haus Ziel eines Farbanschlages geworden war. «Es hat mich entsetzt, was für Garstigkeiten auf mich niedergeprasselt sind», sagt Wettler. Er habe merken müssen, dass solche Drohungen einfach zum rüden Stil gewisser Leute dazugehören. «Das stimmt mich traurig.»

«Hilflose Ohnmachtsreaktion»

Wettler hat nach Erhalt der anonymen Drohungen die Situation durch die Polizei einschätzen lassen. «Man hat mir gesagt, wer anonyme Drohungen ausspreche, sei ein Feigling und setze seine Drohung mit grosser Sicherheit nicht in die Tat um.» Anonyme Drohungen seien vielmehr eine hilflose Ohnmachtsreaktion, so Wettler weiter. Mulmig sei ihm die Situation schon gewesen, vor einem tätlichen Angriff gefürchtet habe er sich aber nicht.
Strafanzeigen hat Wettler keine gemacht - obwohl ihm mindestens ein Absender bekannt war; der Absender des anonymen Droh-Mails liess sich problemlos eruieren. «Ich wollte nicht noch mehr schlafende Hunde wecken», sagt er zum Verzicht. Welche Konsequenzen hat Wettler aus diesem Vorfall gezogen? «Es hat mich gelehrt, dass es gewisse Menschen gibt, die kein Unrechtsverständnis besitzen. Es nützt nichts, diesen Menschen einen Spiegel vorzuhalten.»