Beinahe hätten die Oetwiler mit einem um 12 Prozentpunkte höheren Steuerfuss ins neue Jahr starten müssen. Denn die Primarschule Oetwil-Geroldswil plante eine Erhöhung ihres Steuerfusses um 7 Prozentpunkte, während die politische Gemeinde noch 5 dazugeben wollte. Gemeindepräsident Paul Studer (FDP) argumentierte vor allem mit den stark steigenden Kosten in den Bereichen Gesundheit und Soziales. Doch Oetwil machte nicht mit: Die Gemeindeversammlung lehnte Ende November die Steuerfusserhöhung der politischen Gemeinde mit grosser Mehrheit ab. Auch die Rechnungsprüfungskommission hatte sich dagegen ausgesprochen: Die Erhöhung sei noch nicht nötig und nicht sinnvoll, war ihre Haltung. Dem Gemeinderat gehe es in erster Linie darum, flüssige Mittel zu besorgen.

Rauf für Geroldswil und Oetwil, runter für Dietikon: So haben sich die Steuerfüsse der Gemeinden im Bezirk Dietikon verändert.

Rauf für Geroldswil und Oetwil, runter für Dietikon: So haben sich die Steuerfüsse der Gemeinden im Bezirk Dietikon verändert.

Der Oetwiler Steuerfuss wird aber trotzdem die 100er-Marke knacken: Aufgrund der Steuerfusserhöhung der Primarschule steigt er von 94 auf 101 Prozent. Auch dieser Anstieg war nicht unumstritten: Er wurde an der Primarschule-Versammlung nur knapp angenommen. Es ist bereits das zweite Mal innerhalb von drei Jahren, dass der Steuerfuss der Primarschulgemeinde Oetwil-Geroldswil einen grösseren Sprung nach oben macht: Schon auf 2015 hin wurde er um 5 Prozentpunkte angehoben, hauptsächlich, weil die Schule stark wuchs. Auch jetzt sollen die erwarteten zusätzlichen 1,7 Millionen Franken das durch die rasant steigenden Schülerzahlen arg strapazierte Budget wieder entlasten. Zumindest vorläufig, denn das Wachstum geht weiter. Während im letzten Jahr fast 100 zusätzliche Schülerinnen und Schüler dazukamen, sollen es bis 2021 nochmals knapp 100 weitere sein.

Mit dem höheren Steuerfuss der Primarschulgemeinde steigt auch der Gesamtsteuerfuss Geroldswils über 100 Prozent: Er klettert von 97 auf 104 Prozent und befindet sich nun statt im unteren Drittel im Mittelfeld des Bezirks Dietikon. Die Gemeinde will nun sparen und den Steuerfuss halten – bis dereinst hoffentlich die Überbauung auf dem Baufeld Ost der Gemeinde Geld in die Kasse spülen wird.

Bemerkenswert: Dietikon

In die andere Richtung bewegt sich dafür der Steuerfuss der Stadt Dietikon: Er sinkt von 129 auf 126 Prozent. Das ist gleich in zweifacher Sicht bemerkenswert: Es ist einerseits das erste Mal seit vier Jahren, als Schlieren seinen Steuerfuss um 5 Punkte auf 114 Prozent senkte, dass eine Limmattaler Gemeinde mit den Steuern runtergeht. Andererseits ist es das erste Mal in 14 Jahren, dass Dietikon die Steuern senkt – zumindest aus freien Stücken. Denn im Jahr 2010 sank das Kantonsmittel, weshalb der Kanton den Maximalsteuerfuss von 123 auf 122 Prozent herabsetzte. Dietikon war gezwungen, mitzuziehen. Zuvor muss man bis ins Jahr 2003 zurückgehen, bis man auf die letzte freiwillige Steuersenkung in Dietikon stösst.

Geht es nach dem Dietiker Finanzvorstand Rolf Schaeren (CVP), wird man in Zukunft jedoch wieder öfter eine Abwärtsbewegung sehen: Er will den Steuerfuss in den nächsten Jahren schrittweise reduzieren. Das nächste Ziel: 124 Prozent. Auch damit wäre Dietikon jedoch noch immer einsamer Spitzenreiter im Bezirk.

Im dritten Anlauf klappte es

Gar nicht bewegt hat sich in den letzten zehn Jahren der Urdorfer Steuerfuss. Scheinbar unverrückbar verharrt er auf 118 Prozent. Doch ganz so ruhig wie es scheint, ist es nicht: Letztes Jahr wollte die Schulgemeinde den Steuerfuss um 3 Prozentpunkte erhöhen, weil der Schulbetrieb sonst nicht mehr zu finanzieren sei, wie es hiess. Doch die Gemeindeversammlung erteilte dem propagierten Steuerfussabtausch mit der Gemeinde eine Absage. Schon im Jahr zuvor war eine Steuerfusserhöhung der Schule gescheitert. Dieses Jahr klappt es dann im dritten Anlauf: Der Steuerfussabtausch mit der politischen Gemeinde wurde genehmigt.

Auf dem Vorjahresniveau bleiben auch die Steuerfüsse in den Gemeinden Schlieren, Oberengstringen, Birmensdorf, Weiningen, Unterengstringen, Aesch und Uitikon. Obwohl sich Letztere nach wie vor über den mit 83 Prozent tiefsten Steuerfuss des Bezirks freuen kann, malte Finanzvorsteher Markus Hoppler an der Gemeindeversammlung ein eher düsteres Bild: Prognostizierte 6 Prozent weniger Steuererträge werden nächstes Jahr in die Gemeindekassen fliessen. Es sei vor allem das Bevölkerungswachstum, welches einen negativen Effekt auf die Steuerkraft habe.