Unterengstringen

Im Bunker schlägt das Herz für Hip-Hop

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Mit den Bands Mahagooni und Bunkerteam haben Fabio Menzi und Nick Hofstetter in der Hip-Hop-Szene Fuss gefasst. Nun wollen sie sich und anderen Künstlern eine Plattform bieten.

Aufsässige Verteidiger werden im Fussballjargon als Wadenbeisser bezeichnet. Auch der Unterengstringer Fabio Menzi sagt von sich, er sei ein solcher – nicht im Umgang mit gegnerischen Stürmern, aber mit Konzertveranstaltern. «An grossen Open Airs, wie in Frauenfeld, gibt es nur wenige Plätze für einheimische Bands. Entsprechend hartnäckig muss man als Booker sein, um seine Band dort unterzubringen», sagt Menzi. Immer wieder anrufen, auch wenn man dem Veranstalter auf die Nerven gehe. Nur so komme man ans Ziel.

Ein anderes , grösseres Ziel, hat Menzi unlängst erreicht. Er hat sich seinen lange gehegten Traum erfüllt und sich selbstständig gemacht. Zusammen mit seinem Kollegen Nick Hofstetter hat er die FM Music Group mit Sitz in Unterengstringen gegründet und im Februar ins Handelsregister eintragen lassen. Mit ihrer GmbH erbringen die beiden Geschäftsführer eine Reihe von Dienstleistungen für Musiker, vornehmlich aus dem Hip-Hop-Bereich. Neben einer Booking- und Management Agentur führen sie ein Label, einen Verlag, organisieren Events und vertreiben Merchandise-Artikel.

Bei der Verwirklichung dieses Traums sind dem bald 30-jährigen Menzi seine Hartnäckigkeit und Ausdauer zugutegekommen. «Es braucht unglaublich viel Vorarbeit, um eine eigene Firma zu gründen und zu führen. Ich arbeite jeden Tag, auch am Wochenende.» Zudem habe er sein Pensum als Kadermitarbeiter in einem Industriebetrieb auf 50 Prozent reduziert – auch dank der Ermutigung seines Chefs. «Er findet cool, was ich auf die Beine gestellt habe. Er sagte mir, dass ich die Chance unbedingt packen soll, weil ich es später vielleicht bereuen würde», sagt der studierte Betriebswirt.

Eine Chance , die eine lange Vorgeschichte hat und ihren Ursprung in einem Bunker in Unterengstringen nahm. In der Unterführung zwischen Gemeindehaus und Post wurde vor rund 12 Jahren aus der ehemaligen Asylunterkunft das Hauptquartier der Hip-Hop-Band Mahagooni. Später benannte sie sich in Anlehnung an ihren Proberaum in Bunkerteam um. Schon damals waren Menzi und Hofstetter mit von der Partie. «Wir sind die Einzigen, die übrig geblieben sind. Die anderen haben inzwischen Familie oder sind beruflich neue Wege gegangen», sagt Menzi.

Bereits, als Bunkerteam noch aktiv waren, haben die Musiker Kontakte mit anderen Künstlern geknüpft und sich auf ihre jeweiligen Stärken konzentriert. «Ich war damals schon vornehmlich für das Management verantwortlich. Nick war unser Tontechniker», so Menzi. Weil es schwierig gewesen sei, ein Label zu finden, habe das Team selber eines gegründet. Damit war der Grundstein für die spätere FM Music Group gelegt.

Noch heute stellt Menzi fest, sei es für Schweizer Künstler schwierig, im eigenen Land Fuss zu fassen. «Wir Schweizer finden gut, was andere auch gut finden», sagt er. Zu den Boom-Zeiten des Hip-Hops um das Jahr 2000 seien viele Schweizer – mit Ausnahme jener, die auf Mundart rappen – zuerst im Ausland erfolgreich gewesen, ehe sie in ihrer Heimat wahrgenommen worden seien. «Daran hat sich nicht viel geändert, obwohl eine neue, hervorragende Generation an Hip-Hop-Bands am Start ist», hält Menzi fest. Vor allem im Luzernischen seien viele interessante Künstler am Werk.

Durch die Verwurzelung in der Szene konnten Menzi und Hofstetter bereits einige Bands unter Vertrag nehmen (LDDC, Loco Escrito, Mimiks, Fratelli-B). Mit ihrer Vermarktungsfirma wollen sie erreichen, dass diese Künstler in ihrer Heimat wahrgenommen werden. «Wir wollen unseren Bands aber nicht reinreden. Sie sind völlig frei in dem, was sie tun», hält Menzi fest.

Auch das Geld soll nicht im Vordergrund stehen, sei aber wichtiger Bestandteil, um die FM Music Group auch künftig richtig im Markt zu positionieren. «Gegründet haben wir die Firma aber in erster Linie, weil Hip-Hop unsere Leidenschaft ist», sagt Menzi. Aber auch Bands aus anderen Genres seien willkommen. «Mein Geschmack hat sich weiterentwickelt. Ich höre heute viel Latin Music.»

Damit der Traum nicht an den Finanzen scheitert, habe man sich bewusst auf mehrere Dienstleistungen konzentriert. «Klassische Labels verdienen heute kaum noch Geld, weil die meisten Leute sich Musik herunterladen. Deshalb bieten wir auch Bookings sowie den Merchandising-Vertrieb an und organisieren Events. Dadurch erschliessen wir uns unterschiedliche Einnahmequellen.»

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