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«Ich muss da wirklich hin»: Rapper Siga reist für Dokumentarfilm nach Sri Lanka

«Wo bin ich zu Hause?»: Rapper Siga sucht nach seinen Wurzeln in Sri Lanka.

«Wo bin ich zu Hause?»: Rapper Siga sucht nach seinen Wurzeln in Sri Lanka.

Trotz der blutigen Terroranschläge in Sri Lanka reist Rapper Siva «Siga» Ganesu für einen Dokumentarfilm über sein Leben in sein Herkunftsland.

Am Ostersonntag erschütterten Terroranschläge den Frieden in Sri Lanka. Über 250 Menschen kamen um, Hunderte wurden verletzt. Die Terrormiliz Islamischer Staat bekannte sich zu den Anschlägen, die vor allem auf Kirchen und Luxushotels verübt wurden. Für die kürzlich angelaufene Verfilmung seines Lebens plante der Dietiker Rapper Siva «Siga» Ganesu, in sein Herkunftsland Sri Lanka zu fliegen. An diesem Plan hält er trotz der blutigen Anschläge fest. Mit ein Grund dafür ist sein Sohn.

Was war Ihre erste Reaktion, als Sie die Bilder des Terrors in Sri Lanka sahen?

Als Erstes haben wir die ganze Reise abgeblasen. Ich war down und gleichzeitig aufgewühlt. Es war so lange ruhig in Sri Lanka und ich freute mich auf das Land und die Reise.

Nun werden Sie trotzdem in Kürze losfliegen. Weshalb der haben Sie sich anders entschieden?

Mein Sohn hat gesehen, dass wir uns ständig die News im Internet ansehen. Da fragte der Vierjährige: ‹Papi, musst du da wirklich hin, da sind doch Anschläge.› Das erstaunte mich sehr. Gleichzeitig erinnerte mich mein Sohn in diesem Moment an mich, als ich seinem Alter war. Zu diesem Zeitpunkt flüchteten wir im Krieg von Sri Lanka nach Deutschland. Danach hatte ich lange Zeit eine Abneigung gegen das Land. So sagte ich zu meiner Frau, ich muss da wirklich hin. Ich muss meine Produzentin überreden. Tatsächlich liessen sich der Produzent und das Kamerateam von diesem Unterfangen überzeugen.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten rät vor Reisen nach Sri Lanka ab. Welche Vorsichtsmassnahmen haben Sie für die Zeit getroffen?

Wir sagen das genaue Reisedatum nicht und meiden grössere Menschengruppen. Ab gewissen Uhrzeiten werden wir nicht mehr nach draussen gehen und uns an die gegebenen Vorschriften halten. Aber ansonsten werden wir den Dreh des Dokumentarfilms wie geplant durchführen.

Ich freue mich auf die Reise, doch gleichzeitig habe ich auch Respekt vor der Situation. Unter dem Strich ist die Erwartung, mein Land zu sehen, höher als die belastende Sache mit den Anschlägen.

Sind Sie persönlich von den Terroranschlägen betroffen?

Nein, ich kenne niemanden, der bei den Anschlägen ums Leben kam.

Sie waren seit 30 Jahren nicht mehr in Sri Lanka. Welche Erinnerungen haben sie noch an ihr Geburtsland?

Wir gingen an das hinduistische Tempelfest. Dort erhielt ich meinen ersten Ohrring. Dieses Bild habe ich noch ganz schwach in meinem Kopf. Von der Flucht habe ich nur noch wenige Erinnerungen. Diese stammen vor allem von Erzählungen meiner Mutter.

Wissen Sie ein wenig, was Sie in Sri Lanka antreffen werden?

Nein, ich weiss nicht, was mich erwartet. Viele sind wahrscheinlich traurig wegen des Terrors. Meine Eltern kommen mit.

Sie werden mir alles zeigen. Gemeinsam werden wir auch das Tempelfest besuchen. Als ich ihnen sagte, dass ich trotzdem reisen werde, haben sie sofort eingewilligt.

Sprechen Sie tamilisch?

Ich kann mich unterhalten, doch die älteren Leute lachen meist über meine Worte.

Im Lied ‹Hand in Hand› singen Sie, dass Sie an Frieden und Glück glauben. Haben Sie dieses Lied auch im Blick auf Sri Lanka geschrieben?

Das Thema meiner Lieder ist immer wieder Weltfrieden. Ich denke, das kommt auch aus der Geschichte meiner Eltern mit der Flucht.

Suchen Sie eine Erklärung für das Geschehene?

Die politischen Gründe des Ganzen interessieren mich nicht. Für mich geht es um Menschen, um Kinder, um Babys. Das sollte uns alle bewegen.

Was erwarten Sie sich vom Besuch in Ihrem Geburtsland?

Ich frage mich oft, werde ich mich heimisch fühlen? Sri Lanka ist für mich wie eine fremde Heimat. Ich bin europäisch aufgewachsen. Meiner ursprünglichen Kultur kam ich erst durch meine Hochzeit ein wenig näher. Ich hoffe nun ein Stück Heimat zurückzuerhalten. Ich fühle mich in der Schweiz wohl. Die Schweiz hat mir die Hand gegeben, um etwas aus meinem Leben zu machen. Trotzdem frage ich mich manchmal, wo ich zu Hause bin.

Fehlt Ihnen etwas?

Ich habe das Gefühl, ich habe eine Last auf meinen Schultern. Diese muss ich noch loswerden.

Ist die Reise für Sie so etwas wie eine Last?

Man kann es eher mit einer Aufgabe vergleichen, die sich im Hinterkopf festgesetzt hat. Gerade wenn man sich erholen will, meldet sich diese ungetane Aufgabe.

Was möchten Sie Ihrem Sohn aus dem Herkunftsland mitnehmen?

Was ich genau mitbringen werde, weiss ich noch nicht. Doch ich will ihm auf alle Fälle irgendetwas Schönes schenken und ihn so bald wie möglich selbst mitnehmen.

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