Angelo Umberg trat seine Stelle als Gemeindeschreiber in Birmensdorf in einer turbulenten Phase an: Aufgrund der umstrittenen Äusserungen des Gemeindepräsidenten Werner Steiner zur sogenannten «Asylantengasse» war Anfang Oktober Feuer im Dach der Gemeindebehörden. Danach sollte das Thema Asylunterkunft Birmensdorf in den Medien immer wieder für Aufruhr sorgen.

Der Gemeindeschreiber blieb angesichts dieser Situation erstaunlich ruhig, und versuchte die Wogen zu glätten.«Ich habe diese Zeit nicht als Sturm erlebt. Das konnte mich nicht erschüttern», sagt Angelo Umberg rückblickend.

Wütend gemacht habe ihn einzig, als die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus ein Communiqué zu den Äusserungen Steiners zur «Asylantengasse» veröffentlichte, welches alleine auf dem Inhalt eines Artikels im «Tages-Anzeiger» gründete, sagt Umberg: «Das fand ich schlicht unseriös: Ein Eidgenössisches Amt kommentiert die Aussagen eines Gemeindepräsidenten, ohne sich über den Wahrheitsgehalt des betreffenden Artikels zu versichern.»

Der Gemeindeschreiber ist davon überzeugt, dass ihm in dieser Situation auch seine eigenen journalistischen Erfahrungen als ehemaliger Sportreporter zugutekamen: «Damals, Mitte der Achtzigerjahre, habe ich gelernt unter Druck zu arbeiten und mich durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen.» Allgemein glaube er, dass ihm der Journalismus eine gute Lebensschule gewesen sei, sagt Umberg.

Richterswil – Maur – Birmensdorf

Seine Anstellung als Gemeindeschreiber in Birmensdorf füge sich in verschiedener Hinsicht in seinen bisherigen Werdegang ein, erklärt Umberg. Einerseits hat dies mit der Ebene der Verantwortung zu tun: Nach der Anstellung als Leiter der Abteilung Hochbau in Richterswil leitete er in Maur das gesamte Bauamt.

«Nachdem ich 2007 mein Diplom in Verwaltungs-Management erhalten hatte, reizte mich natürlich die Herausforderung, eine ganze Verwaltung zu leiten», sagt Umberg. Die Möglichkeit, eine solche Stelle anzutreten, hat sich schliesslich in Birmensdorf geboten.

Auf einer zweiten Ebene, passe Birmensdorf auch charakterlich zu den zwei anderen Gemeinden, erklärt Umberg: «Das passt ins Schema: Richterswil und Maur sind ebenfalls eher ländlich geprägt. Ich mag Orte, wo man sich auf der Strasse noch Grüezi sagt.»

Seinen Wohnsitz belässt Umberg vorerst noch in Nidfurn im Kanton Glarus. «Als Glarner ist man sehr mit seiner Heimat verwurzelt, das gibt man nicht gerne auf», erklärt er. Seine beiden Söhne leben bereits im Raum Zürich. Der jüngere studiert an der Universität Zürich Mathematik und wohnt in Birmensdorf. «Unter der Woche teile ich deshalb mit ihm eine WG», sagt Umberg und lacht.

Das Ende des «Gärtlidenkens»

Für seine Tätigkeit als Gemeindeschreiber hat sich Umberg ein klares Ziel gesetzt. «Ich möchte, dass wir als eine Art Drehscheibe funktionieren, bei der die Anliegen der Bürger in einer abteilungsübergreifenden Zusammenarbeit behandelt werden. Ich bin kein Freund des Gärtlidenkens.»

Wichtig sei deshalb auch eine intensive Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Gemeinderat. Dabei werde er selbst in erster Linie als Ansprechperson für die Öffentlichkeit dienen, sagt Umberg. Je nach Thematik der Anfrage ziehe er den entsprechenden Ressortvorsteher hinzu.

«Das System des Vieraugen- oder Ohrenprinzips ermöglicht es, sich gegenseitig inhaltlich zu ergänzen und gegebenenfalls korrigierend einzugreifen. Primär soll dieses Vorgehen zur objektiven Berichterstattung dienen.» Auf diesem Weg sollen in Zukunft auch kommunikative Probleme mit den Medien, wie sie im Zusammenhang mit der «Asylantengasse» entstanden, umgangen werden.