Interview MissZürich
«Ich bin nicht Miss Politik, sondern Miss Zürich»

Die Dietikerin Nathalie Raguth ist seit dem letzten Freitag die schönste Zürcherin. Welche Chancen sich die 18-Jährige für die Miss-Schweiz- Wahlen ausrechnet, was sie von Politik hält und wie sie sich ihr Leben nach dem Miss-Zürich-Jahr vorstellt, erzählt sie im Interview.

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«Ich bin nicht Miss Politik, sondern Miss Zürich»

«Ich bin nicht Miss Politik, sondern Miss Zürich»

Limmattaler Zeitung

Alex Rudolf

Frau Raguth, ein sehr spezieller Name. Wissen Sie, woher er stammt?

Nathalie Raguth: Es ist ein Bündner Name. Mein Vater ist Bündner und meine Mutter ist Serbin, ich bin aber ohne Vater aufgewachsen, meine Eltern leben schon längst geschieden.

Wie hat sich der Gewinn des Titels der Miss Zürich vom letzten Freitag angefühlt?

Raguth: Es hat sich sehr gut angefühlt, aber ich konnte es gar nicht richtig realisieren. Erst am Montagmorgen, als ich viele Interviews geben musste, wurde mir klar, dass ich nun Miss Zürich bin.

Insgesamt vier von sieben Miss Zürich kommen aus dem Limmattal. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Raguth: Wir sind halt schon die Schönsten (lacht). Nein im Ernst. Ich kann es nicht sagen, vielleicht liegt es an der guten Luft hier im Limmattal.

Warum haben Sie gewonnen?

Raguth: Ich kann es nicht sagen. Vielleicht hat mir meine Modelerfahrung geholfen. Ich weiss, wie ich mich präsentieren muss. Ich bin auf der Bühne sicher super gelaufen, da ich das schon übte. Ausserdem habe ich immer gelächelt. Und die Organisatoren haben gesagt, dass das Vorgespräch, welches man mit der Jury hat, sehr wichtig ist. Ich war während dieses Gespräches sehr entspannt und offen.

Sind Sie auch politisch interessiert?

Raguth: Ich muss ganz klar sagen, dass mich Politik nicht sonderlich interessiert. Es war für mich nie ein Thema. Natürlich sollte man sich über das aktuelle Geschehen auf dem Laufenden halten, jedoch bin ich nicht Miss Politik, sondern Miss Zürich.

Was erwarten Sie von diesem Jahr als Miss Zürich?

Raguth: Ich weiss, dass es sehr stressig werden wird, da ich schulisch sehr viel leisten muss und noch arbeite. Insgesamt ein 100-Prozent-Pensum. Es wird eine sehr strenge Zeit, aber ich kriege das schon unter einen Hut. Ich möchte hauptsächlich ein spannendes und interessantes Jahr erleben. Ein Höhepunkt werden sicherlich die Miss- Schweiz-Wahlen sein. Ich habe schon einige Informationen bekommen und erwarte eine schöne, lehrreiche und anstrengende Zeit.

Welche Chancen rechnen Sie sich für diese Wahlen aus, für die Sie ja nun automatisch qualifiziert sind?

Raguth: Ich habe keine Ahnung. Bis jetzt habe ich nur positive Resonanz erhalten. Man hat mir gesagt, dass ich gute Chancen habe. Jedoch bin ich noch sehr jung, das könnte ein Nachteil sein. Aber ich lasse es auf mich zukommen.

Ihr beruflicher Wunsch für die Zukunft war anhin, ein eigenes Kosmetikinstitut zu haben. Hat sich diese Perspektive seit letztem Wochenende verändert?

Raguth: Ja, das Kosmetikstudio war einmal mein Wunsch. Aber seit ein paar Wochen, also schon vor der Wahl, habe ich mich dazu entschieden, nach der Lehre die Berufsmatura machen zu wollen. Und wenn sich dann die Gelegenheit ergibt, möchte ich studieren und Primarlehrerin werden. Aber mal schauen, was die Zukunft sonst noch bringt.

Das ist ja ein ziemlicher Richtungswechsel.

Raguth: Das Thema Schönheit interessiert mich schon sehr, aber ich wollte schon immer studieren gehen. Das Gymnasium wollte ich nicht machen, da es zu dieser Zeit nicht das Richtige für mich war. Ich wollte die Sek A und dann eine Lehre machen. Aber man weiss ja nie, wie sich meine Wünsche mit dem Miss- Jahr verändern.

Ich habe gelesen, dass Sie sieben Stunden in der Woche ins Fitnessstudio gehen. Haben Sie Spass daran oder schwingt auch grosser Ehrgeiz mit?

Raguth: Das glaubt mir niemand. Aber da ich mich sehr gesund ernähre, ich esse beispielsweise keine Schokolade, hätte ich so viel Fitness gar nicht nötig. Aber wenn ich dort bin, dann kann ich, mit Musik in meinen Ohren, sehr gut abschalten.

In der Jury war mit Sascha Dunst auch ein Schönheitschirurg vertreten. Haben Sie schon mal mit dem Gedanken gespielt, sich einer solchen Operation zu unterziehen?

Raguth: Nein, eigentlich nicht. Aber wenn ich es wagen würde, dann würde ich mir meine Sommersprossen auf den Wangen weglasern lassen. Sie gefallen mir einfach nicht, aber ich kann auch mit ihnen leben.

Was gefällt Ihnen am Besten?

Raguth: Meine Augen. Viele Leute haben mir gesagt, dass sie das Schönste an mir sind. Sie seien gross und vielsagend. Aber auch der Rest ist in Ordnung. Ich kann mich nicht beklagen.

Wann haben Sie gemerkt, dass Sie Potenzial zum Modeln haben?

Raguth: Dass ich in diese Richtung gehen will, weiss ich schon seit vier oder fünf Jahren. Ich wollte immer lernen zu gehen wie ein Model, mit hohen Schuhen und allem drum und dran. Darin war ich auch schon immer gut. Da ich nicht zu früh in dieses Business einsteigen wollte, habe ich gewartet, bis ich 18 wurde. Dann habe ich mich für die Miss-Zürich-Wahl beworben und es hat auf Anhieb geklappt.

Ihre Mutter ist Ihr Vorbild. Warum?

Raguth: Sie war während meiner Kindheit und auch jetzt noch zu 100 Prozent berufstätig, sie hat sehr viel erreicht im Leben, sie hat einen sehr guten Beruf und ich finde einfach, dass sie ihr Leben bis jetzt sehr gut gemeistert hat. Ich bin sehr stolz auf sie.

Auf Facebook sind Sie in der Gruppe «Orthodox». Wie wichtig ist Religion für Sie?

Raguth: Religion ist mir schon wichtig, aber es ist nicht das Wichtigste. Ich schränke mein Leben nicht aufgrund der Religion ein. Ich bin völlig normal aufgewachsen und lebe wie jeder andere Schweizer Jugendliche.

Wie gehen Ihre Freundinnen und Freunde mit Ihrem Berufswunsch um?

Raguth: Im Verlauf dieser Wahl wurde ich von ein paar Leuten ziemlich enttäuscht. Ich merke schon, dass einige ein wenig neidisch sind. Sie zeigen es zwar nicht offen, aber man merkt es trotzdem. Das finde ich sehr schade. Meine engen Freunde und meine Familie sowie die Familie meines Freundes stehen hinter mir, und das wird auch so bleiben.

Sie sind seit zweieinhalb Jahren mit Ihrem Freund zusammen. Wie geht er mit dem Rummel um Ihre Person um?

Raguth: Ich hatte sehr viele Choreografie-Trainingsstunden, viel Fitness und noch viele andere Termine. Es wurde schon sehr viel. Er stand die ganze Zeit hinter mir. Wir sind, wie gesagt, schon zweieinhalb Jahre zusammen, daher schaue ich auch optimistisch in unsere Zukunft.

War das Verhältnis zu den Konkurrentinnen eher ein durch Rivalität geprägtes?

Raguth: Man sagt ja immer, es gebe unter Miss-Kandidatinnen viel Zickenkrieg, aber ich muss sagen, dass wir das überhaupt nicht hatten. Ich konnte sehr viele Freundschaften schliessen und ich werde mit diesen sicherlich in Kontakt bleiben.