Bremgarten
Hooliganproblem: Fussball-Vandalen künftig nicht mehr im Zug?

Die Bremgarten-Dietikon-Bahn erlebte ihren schwarzen November letztes Jahr: Gewaltbereite GC-Fussballfans richteten am Tag, als Wohlen gegen die Grasshoppers ein Cupspiel austrug, in einem Zug grosse Schäden an.

Jörg Baumann
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GC-Fans hinterliessen im letzten November in einem BD-Zug ein wahres Schlachtfeld. zvg/bDWM

GC-Fans hinterliessen im letzten November in einem BD-Zug ein wahres Schlachtfeld. zvg/bDWM

Die Vandalen rissen Sitze aus den Angeln, steckten brennende Zigaretten in die Polster und hinterliessen Berge von Abfall. Der Gesamtschaden beträgt mehrere tausend Franken.

Untersuchung eingestellt

Die Fussball-Vandalen kommen allerdings ungeschoren davon. Die Kantonspolizei Wohlen hat die Strafanzeige der Bahn gegen Unbekannt als unerledigt zu den Akten gelegt. Grund: Die Bahn konnte von den Vorfällen keine Videobilder liefern. Denn der Triebwagen, in dem die Krawallanten wüteten, gehörte noch zur inzwischen ausgeschiedenen Generation, die über keine Videoüberwachungsanlage verfügte.

Der angerichtete Sachschaden blieb an der Bahn hängen, teilt René Fasel, Betriebschef der BDWM Transport AG, mit. Er war aufgrund des Selbstbehalts, den die BDWM Transport AG im Schadenfall übernehmen muss, von der Versicherung nicht gedeckt. Ungedeckt bleibt auch der Einsatz, den vier Personen vom BD-Sicherheitsdienst während acht Stunden leisten mussten. Auch die Polizei gehörte zu den Leidtragenden. Für die Kosten des Einsatzes mussten die Steuerzahler bluten – indirekt und anteilmässig auch die Wohler.

Warten auf eine Lösung

Pfannenfertige Rezepte, wie man gegen gewaltbereite Fussballfans vorgehen kann, hat die BDWM Transport AG nicht bereit. «Wir warten auf eine rechtliche Regelung auf Ebene der SBB», erläutert BDWM-Direktor Severin Rangosch. SBB-Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi liess im Juli die Muskeln spielen. Er drohte damit, Krawallmacher nicht mehr mit dem Zug transportieren zu lassen. Sie sollen von der Transportpflicht der SBB ausgeschlossen werden. Weiter sollen nach den Vorstellungen Gygis in Zukunft die Fussballclubs die Extrazüge zu den Matches chartern müssen.

Die Clubs wären dann für die Schäden in der Bahn haftbar. Was wie eine Patentlösung für «ein gesellschaftliches Phänomen» aussieht, wie Rangosch sagt, lässt auf sich warten. Sie steht erst in ein paar Jahren zur Verfügung. Die Gesetzesmühlen in Bern mahlen bekanntlich langsam. Das Problem sei, erklärt Rangosch, «dass wir den Fussballfans nicht ansehen, ob sie unsere Züge verwüsten wollen oder ob sie friedlich bleiben». Präventiv lasse sich nur wenig unternehmen, «mit unserem kleinen
Sicherheitsdienst ohnehin».

Rangosch setzt deshalb auf die Vernunft, die bei den Fansclubs und den Fussballvereinen einkehren müsste. «Mit dem FC Wohlen sind wir im Gespräch. Aber uns fehlt die Kraft, um mit allen Vereinen zu verhandeln, die chronisch durch Gewaltakte auffallen.» Es bleibe der BDWM Transport AG also letzten Endes nichts anderes, als auf die Bundeslösung zu warten und sich dieser dann anzuschliessen.

Diamant-Zug wurde verschont

Aus dem Vorfall im November zieht Rangosch nur einen positiven Schluss: «Die GC-Fans verschonten den neuen Diamant-Zug, den wir für sie einsetzten.» Denn dieser verfügt über eine Videoüberwachung. Die Fans verdeckten die Videokameras lediglich mit Klebstreifen. «Wir sind heilfroh, dass nicht auch noch der Diamant-Zug dran glauben musste. Das wäre doch sehr schade gewesen», sagt Rangosch. «Aber was ist , wenn der FC Wohlen in die Super-League aufsteigen sollte? Dann haben wir die gewaltbereiten Fans regelmässig in den Zügen.» Vorerst ist es noch nicht so weit. Der FC Wohlen spielt noch in der Challenge League.