Dietikon

Hitzewelle treibt die Dietiker ins «Fondli» – und den Bademeister ins Sanitätszimmer

Badmeister Daniel Schoch und sein Team lassen sich trotz über 3000 Badegästen nicht aus der Ruhe bringen. Die Limmattaler Zeitung hat ihn bei der Arbeit begleitet.

Völkerwanderung in Dietikon: Bepackt mit Spielbällen, aufblasbaren Gummitieren, Picknickkörben und Badetüchern, strömen Jung und Alt Richtung Freibad Fondli. Es ist 14 Uhr am Mittwochnachmittag. Die Sonne brennt. Auf dem bereits überfüllten Parkplatz vor der Stadthalle drehen Autos ihre Runden. Die Schlangen beim Eingang sind trotz des Ansturms überraschenderweise nicht so lang. Seit Montag sind zwei Kassen in Betrieb. «So können wir Badegäste Wartezeiten von bis einer halben Stunde ersparen und sie betreten das ‹Fondli› entspannt. Das ist auch für uns gut», sagt Badmeister Florian Gretler. Er steht an diesem Tag bereits seit 10 Uhr an der Kasse. «Bis jetzt haben wir 2240 Eintritte», sagt der Badmeister. Er schwitzt und wirkt etwas mitgenommen. Ein Mädchen scheint Erbarmen mit ihm zu haben. «Gäll, du hast auch heiss», fragt sie. «Ja, aber du kannst baden gehen. Ich muss noch lange darauf warten», sagt der Badmeister zu ihr.

Der Geräuschpegel wird beim Betreten des Freibads deutlich höher. Pommes-frites-Geruch steigt in die Nase. Vom Wasser im Kinderplanschbecken ist vor lauter Haut und Gummitieren kaum noch etwas zu sehen. Und auch die schattigen Wiesenplätze unter den Linden und Platanen sind restlos mit Badetüchern belegt. An diesem Grosskampftag ist Gretler zusammen mit fünf Badmeistern im Einsatz. Zu ihnen gehört auch Gretlers Chef, Betriebsleiter Daniel Schoch. Der 55-Jährige macht einen entspannten Eindruck. «Unser Job ist es, Ruhe zu bewahren und vieles präventiv abzufangen.» Deshalb drehe er viele Runden um die Schwimmbecken. «Wenn ich ein unbeaufsichtigtes Kleinkind sehe, das keine Schwimmflügeli anhat, suche ich die Eltern auf und mache sie auf ihre Aufsichtspflicht aufmerksam», sagt der Badmeister. Es sei erschreckend, wie oft die Erwachsenen etwa durch Handys abgelenkt seien.

Bienenstich und Ausschlag

An diesem Nachmittag verbringt Schoch jedoch die meiste Zeit im Sanitätszimmer. Jason hat eine Zecke an seinem Arm entdeckt und sucht Hilfe beim Badmeister. Im Nu hat Schoch den Blutsauger entfernt und der Knabe und sein Kollege können sich wieder Angenehmerem widmen. Als Nächstes muss Schoch einen Bienchenstich verarzten. Der Knabe weint und schreit. Doch nach ein paar Minuten verlässt auch er das Sanitätszimmer mit einem Lächeln und einem Bonbon. Sogleich stürmt eine Horde tropfnasser Kinder in den Raum. «Sie, wir haben unseren Freund verloren. Er kann nicht schwimmen», rufen sie panisch durcheinander. Gleichzeitig will die Zwölfjährige Leona dem Badmeister einen roten Ausschlag auf ihren Beinen zeigen. Schochs Miene wird ernst. Er tritt zu den Kindern und fragt, wo sie ihren Freund zuletzt gesehen haben. Noch bevor er sich auf die Suche machen kann, taucht die Mutter mit dem vermissten Knaben auf. «Ich habe ihn gefunden», sagt sie erleichtert.

Auch in der Badi Weihermatt in Urdorf tummelten sich die Leute am Mittwoch:

Schoch weist sie darauf hin, dass sie beim Badi-Eingang Schwimmflügeli kaufen und dem Kleinen anziehen soll. «Es ist schneller etwas passiert, als man denkt», sagt er. Leonas Beine sprüht er mit Kühlspray ein. «Wenn es nicht besser wird, musst du zum Arzt gehen. Ich kann nur die Symptome bekämpfen», sagt er zu ihr. Sie scheint zufrieden. «Ich fühle mich wohl im ‹Fondli›. Wir kommen bei schönem Wetter immer hierher», sagt Leona und ihre Freundin Elsa nickt. Etwas Abkühlung sucht auch «Pergola»-Wirt Ertan Akbaba mit seiner Frau und seinem Sohn. «Ich geniesse meine einstündige Pause und plansche mit meinem Sohn. Danach muss ich wieder ins Restaurant», sagt er.

Dass Schoch arbeiten muss, wenn andere sich vergnügen, stört ihn nicht. «Ich bin ein Dienstleister und habe schon immer an Orten gearbeitet, an denen andere ihre Freizeit genossen, im Theater oder auf dem Hockeyplatz etwa», sagt Schoch, der im Oktober 2018 die Betriebsleitung des Frei- und Hallenbads übernommen hat. An Hitzetagen wie diesen trinke er drei Liter Wasser und halte ab und zu den Kopf unter die Dusche. Ihm gefällt der Trubel. «Wir sind da für die Öffentlichkeit. Je mehr diese das Angebot nutzt, umso besser.»

Um 15.30 Uhr zählt die Badi bereits 3131 Eintritte. «Bis zum Abend werden es wohl 4000 werden», sagt Schoch. Ab 21 Uhr kann er seinen Feierabend geniessen. «Ich freue mich auf ein kühles Pils, wenn ich zu Hause bin.»

Autor

Sibylle Egloff

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