Winterthur

Historische Funde zeigen das Alltagsleben im Frauenkloster

Das Grabungsteam hat interessante Entdeckungen gemacht. Die Reste eines Kachelofens.

Das Grabungsteam hat interessante Entdeckungen gemacht. Die Reste eines Kachelofens.

Es war eines der bedeutendsten Frauenklöster im deutschsprachigen Raum: das Dominikane­rinnenkloster Töss in Winterthur. Rettungsgrabungen haben Baureste und Funde zum Vorschein gebracht. Am Samstag, 7. März, sind die Grabungen für die Bevölkerung geöffnet

Das mittelalterliche Kloster wurde 1233 von den Grafen von Kyburg gegründet. Die Überreste befinden sich auf dem Areal der Maschinenfabrik Rieter AG. Archäologen haben nun erstmals detaillierte Untersuchungen durchgeführt, wie die kantonale Baudirektion am Mittwoch mitteilte. Zum Vorschein kamen die Umfassungsmauer, die den klösterlichen Bezirk von der weltlichen Umgebung abschirmte, sowie Fundamente einer Scheune. Diese war ein äusserst stattliches, grosses Gebäude geschmückt mit einem Treppengiebel.

Die älteste Bebauung fanden die Fachleute ausserhalb der Klostermauer, wie es in der Mitteilung heisst. Hier standen einst Holzbauten, die vielleicht schon existierten, bevor das Kloster gebaut wurde. Diese Spuren sind auch deshalb so interessant, weil sie aus einer Zeit stammen, aus der noch keine historischen Abbildungen bekannt sind. Diverse Funde zeigen auch den Alltag der Menschen, die früher im Kloster gelebt oder in der nach der Reformation zu einem Amt umgewandelten Anlage gearbeitet haben. Neben Resten eines Kachelofens mit grün glasierten Kacheln kamen grosse Mengen an Ess- und Trinkgeschirr bei den Ausgrabungen zum Vorschein.

Schon in römischer Zeit verlief hier eine Hauptverkehrsachse von Windisch (Vindonissa) nach Oberwinterthur (Vitudurum) mit einem wichtigen Brückenübergang über die Töss. So wurden auch zwei römische Münzen und römische Keramik gefunden.

Auch im Mittelalter behielt die Brücke ihre politisch und wirtschaftlich wichtige Funktion, da sie die Strasse von Zürich nach Konstanz verband. Es ist daher denkbar, dass die Holzbauten bereits mit dieser vorklösterlichen Nutzung in Ver­bindung zu bringen sind. Am 7. März werden die Tore der ansonsten abgeriegelten Grabung geöffnet. 

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