Limmattalbahn

Hin und Her bei der Schlieremer Buche: Der Baum wird nun doch verpflanzt

Die Buche wird um 170 Meter in westliche Richtung verpflanzt und im Stadtpark ihr neues Zuhause finden.

Nachdem die Verantwortlichen von Stadt und Limmattalbahn AG die Fällung des Baums im Stadtzentrum bekanntgaben, wird nun die Rettung verkündet. Einem Spezialisten für Baumverpflanzungen sei Dank.

Die Buche im Schlieremer Zentrum ist gerettet. Noch vor einer Woche gaben die Verantwortlichen von der Stadt und der Limmattalbahn AG bekannt, für den Baum gebe es keine Hoffnung und er müsse dem Bau der Stadtbahn und dem Flügeldach auf dem Schlieremer Stadtplatz weichen. In einer Medienmitteilung von gestern wurde nun angekündigt, dass der Baum doch versetzt werden kann. Und zwar um rund 170 Meter in Richtung Westen in den Schlieremer Stadtpark.

Möglich macht es die auf Grossbaumverpflanzungen spezialisierte Firma BMB Group, welche gemeinsam mit weiteren privaten Geldgebern den Grossteil der Kosten für die Versetzung übernehmen wird. «Die Beteiligten erachten die Rettung der Rotbuche als sehr wichtig, da sie grossen Rückhalt in der Schlieremer Bevölkerung geniesst», heisst es in der Mitteilung.

Die jüngst gegründete IG Blutbuche um die Schwestern Susanne Porchet und Liliane Hagen hatte für morgen Samstag einen Protestmarsch angekündigt. Dieser findet nun jedoch nicht statt, wie Porchet auf Anfrage bekannt gibt. «Da unter diesen Umständen eine Planänderung und der Erhalt der Buche am jetzigen Ort nicht mehr als realistische Option gilt, führen wir die Kundgebung nicht durch.» Eine Versetzung der Buche wird von der IG nach wie vor skeptisch beurteilt. Im Herbst wurden innert weniger Wochen rund 4600 Unterschriften für den Erhalt des Baums gesammelt.

Montag beginnt Bewässerung

Nun geht aber doch alles Schlag auf Schlag, wie Andreas Bernauer, Projektleiter bei der BMB Group auf Anfrage sagt. «Bereits am kommenden Montag werden wird mit den Vorbereitungsarbeiten zur Verpflanzung beginnen. Dies bedeutet, den Wurzelballen zu bewässern.» Er freue sich sehr, dass das Projekt nun doch zustande komme. Im vergangenen November wurde er von der Limmattalbahn AG zur Abklärung einer Verpflanzung kontaktiert. «Als dann Anfang Januar klar wurde, dass die Finanzierung nicht klappt, musste alles schnell gehen», so Bernauer.

Noch vor einer Woche ging man von Gesamtkosten von rund 160'000 Franken aus, wovon die Stadt Schlieren und die Limmattalbahn AG jeweils einen Teil von 40'000 Franken übernehmen. Die restlichen 80'000 Franken hätten von der IG Blutbuche übernommen werden sollen. Nun übernehmen Stadt und Limmattalbahn AG gemeinsam einen Anteil von 60'000 Franken, die BMB Group und Privatpersonen aus der Stadt Zürich und von Unternehmen aus dem Kanton Zürich übernehmen den Rest, wie Bernauer sagt. Über die Jahre habe sich ein Netzwerk von Baumfreunden etabliert, welches man nach der Absage der IG Blutbuche an eine finanzielle Beteiligung vergangene Woche kontaktiert habe.

Die wichtigsten Faktoren für eine erfolgreiche Versetzung sind laut Bernauer, dass der Baum gesund ist, dass es einen sinnvollen Platz gibt, wohin der Baum verpflanzt werden kann, und dass dieser Platz auch gut zu erreichen ist. «All diese Faktoren sind bei der Schlieremer Buche gegeben», sagt er. Bereits Anfang Februar soll der zwischen 90 und 100 Tonnen schwere Baum verpflanzt werden. Während die Einschätzung seiner Überlebenschance je nach Expertenmeinung variiert, ist sich Bernauer sicher: «Essenziell sind die Nachversorgungsarbeiten nach der Versetzung.» Würden diese fachmännisch ausgeführt und seien über mehrere Jahre gewährleistet, werde der Baum an seinem neuen Standort Blüten treiben.

Auch der verantwortliche Schlieremer Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) ist zufrieden mit dieser Lösung: «Wir versuchten seit Wochen, das Beste aus der Situation zu machen. Dies ist uns nun gelungen», sagt er. Und Daniel Issler von der Limmattalbahn AG verweist darauf, dass man sowohl mit der Lösung wie auch mit dem neuen, «sehr prominenten Standort im Stadtpark» sehr zufrieden sei.

Baumpfleger als «Tötung auf Raten»

Die von der IG Blutbuche vergangene vorgeschlagene Variante, den Baum stehenzulassen und ihm während der Bauarbeiten einen Baumpfleger zur Seite zu stellen, war für Bärtschiger keine Option: «Dies wäre Tötung auf Raten gewesen, da Wurzeln und Äste stark beschädigt worden wären.»

Die Vertreter der IG Blutbuche pochten auf einen Verbleib des Baums an seinem aktuellen Standort und auf eine damit einhergehende Anpassung der Linienführung. Gemäss den Projektverantwortlichen war dies jedoch keine Möglichkeit, da eine entsprechende Anpassung zu Mehrkosten von drei Millionen Franken geführt hätte und zu einer Terminverzögerung von rund einem Jahr.

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