Hildegard Rüttimann ist erleichtert und doch tut es ihr ein wenig weh. 14 Jahre lang war sie Präsidentin der Theatergruppe Birmensdorf. Im November trat sie von ihrem Amt zurück. «Die Theatergruppe ist mein Baby», sagt sie. Doch nun war es für sie an der Zeit, kürzerzutreten und Jüngere nachrutschen zu lassen.

Die 70-Jährige blickt auf eine schöne Zeit zurück und hat vieles bewirkt. 2004 wurde sie zur Präsidentin gewählt. Damals hatte sie Respekt vor der Aufgabe. «Ich wusste, es kommt ein Berg ehrenamtlicher Arbeit auf mich zu», so Rüttimann. Doch sie würde es heute wieder tun. Denn die Birmensdorferin konnte viele ihrer Ideen umsetzen.

So machte sie die Bankett-Bestuhlung zur Bedingung für ihr Engagement. «Die Gäste sollen nicht mit knurrendem Magen im Theater sitzen», sagt sie. Damals konnte sie die Spieler des Fussballclubs Birmensdorf als Kellner gewinnen und dessen ehemaligen Präsidenten Dieter Müller als Koch. «Das Konzept fand Anklang und wird bis heute so fortgesetzt», sagt sie.

Oft die Initiative ergriffen

Rüttimann ergriff oft die Initiative. So war ihr 2014 das Aus der Theatergruppe Schlieren zu Ohren gekommen. Sie griff zum Telefon und vereinbarte mit den Kollegen aus der Nachbarschaft eine Übernahme von Kulisse und Requisiten. «Bis dahin mussten wir diese immer anmieten», erinnert sie sich. Zudem seien zwei Theaterfrauen aus Schlieren zur Birmensdorfer Gruppe übergetreten.

«Ich habe schon erstaunlich viele Leute ins Theater geholt», sagt Rüttimann. Das aktuelle Stück ‹Ä riise Stress im Tell-Express›, das am 6. April Premiere feiert, sei mit sechs Männern und sechs Frauen sehr gut besetzt. «Denn die erste Frage eines Theaterverlages ist immer, wie viele Männer habt ihr», sagt Rüttimann. Erst dann könne entschieden werden, welches Stück infrage kommt. Dieses Jahr sei die Person vom Theaterverlag baff gewesen ab der Zahl der Männer.

Ewig lockt die ländliche Idylle

Die Theatergruppe setzt auf ländliches Theater. Die Geschichten spielen in einer heilen Welt. Mit ein wenig Schabernack soll das Publikum zum Lachen gebracht werden. «Das aktuelle Stück wird etwas moderner und frecher sein als üblich», so Rüttimann. Wer darin welche Rolle spielt, das merkten die Schauspieler in der Regel von alleine. «Das letzte Wort hat die Gruppe», sagt sie.

Rüttimann, die mit ihrem Rücktritt zur Ehrenpräsidentin gewählt wurde, bleibt dem Theater auch weiterhin erhalten. Sie zeigt sich zufrieden mit der Rolle, die sie im neuen Stück bekleiden wird. «Ich spiele eine Kellnerin, die einem Gaunerpaar auf die Schliche kommt», verrät sie. Die Figur ist wie geschaffen für Rüttimann. Seit sie für das Theater auf der Bühne stehe, fühle sie sich von vorlauten Charakteren angezogen.

Das habe sich in den 30 Jahren seit der Gründung des Vereins nicht geändert. So spielte sie schon eine Putzfrau, die zur Detektivin wurde, einen Putzteufel oder das Gestürm im Treppenhaus. Danach habe es im Dorf geheissen, mit der wolle man nicht in einem Haus wohnen. Rüttimann sieht es gelassen: «Es kommt oft vor, dass Leute einen mit der Rolle identifizieren. Das ist das Zeichen, dass Du gut gespielt hast», sagt sie.

Nie eine Theaterschule besucht

Rüttimann ist ein Theaterkind und kam schon früh mit der Schauspielerei in Kontakt. «Mein Vater war Amateur-Regisseur beim Gesellenverein der katholischen Kirche», sagt sie. So sei sie als Mädchen in die eine oder andere Rolle hineingeschlüpft. Eine Theaterschule besuchte sie nie, sie habe einfach ihren Vater beobachtet. Dabei fiel ihr auf, dass es bei der Schauspielerei nicht um Imitation gehe. «Es braucht die Fähigkeit sich in eine Rolle hinzufühlen und sich selbst darin zu finden», sagt sie.

Rüttimann will noch einiges anpacken. So kann sie sich vorstellen, ihre Erfahrung in einer neuen Funktion an die nächste Generation weiterzugeben. «Ich möchte einen Kurs zur Theater-Regisseurin besuchen», sagt sie. Für die Zukunft «ihres Babys» ist sie zuversichtlich. Sie übergibt die Gruppe in einem guten Zustand und mit vielen treuen Theaterfans an ihren Nachfolger Daniel Elsener. Rüttimann zeigt sich überzeugt, dass die Theatergruppe auch in 30 Jahren noch bestehen wird.