Bevor die Trompeten und Saxofone den Dorfplatz beschallten, liess man es in Geroldswil gemütlich angehen. Die rund 200 Besucher konnten sich am Freitag breit machen auf den zahlreichen Festbänken. Vor dem Regen geschützt, tranken einige ein Bier, die meisten aber Wein. Anderthalb Stunden sass man so zusammen, gönnte sich noch ein Gläschen und plauderte.

«Zuerst wollen wir sicherstellen, dass alle gut verpflegt sind» sagt Urs Landis, Präsident des hiesigen Jazz-Clubs und Organisator des Jazz-Fiirabigs. Man wolle einfach vermeiden, dass während des Konzerts ein unnötiger Klamauk entstehe. So hatte das ältere Publikum Zeit, sich auf den Abend einzustimmen – und was für ein Abend es werden sollte.

Die Swing Kids waren angekündigt, eine Big Band aus Romanshorn unter der Ägide von Dai Kimoto. Als sie die Bühne betraten, sah man, dass viele der festgeschriebenen Alterslimite von 18 Jahren noch nicht einmal nahe gekommen waren. Band und Publikum trennte Generationen. Doch dieser Abstand schrumpfte sofort zusammen als mit «Sing, Sing, Sing» ein Hit von Benny Goodman ertönte.

Umfrage Jazz

Alle Kinder waren mit unwiderstehlicher Spielfreude am Werk, lächelten sich während der Performance zu und bewegten sich lässig mit zum Takt. Nacheinander hatten sie in zahlreichen Soloeinlagen Gelegenheit, ihre Improvisationskünste zu zeigen. Dai Kimoto winkte ihnen mit einer Handbewegung zu, worauf sie hervortraten und einige Takte frisch von der Leber weg spielten. Das alles wirkte so natürlich, so befreit von jeder Nervosität, dass man nur staunen konnte.

Nicht wenige Kinder taten sich mit originellen Einfällen hervor, spielten mal keck, mal entspannt und transportieren so viel von der lässigen Lebensfreude, die den Swing ausmacht. Besonderen Beifall erregte der 12-jährige Schlagzeuger. Wie ein Wirbelwind ging er zu Werk und verblüffte das Publikum mit dem unwahrscheinlich virtuosen Niederprasseln seiner Drumsticks.

Zum Tänzchen hingerissen

Das Publikum war von alledem mehr als begeistert. Man klatschte und wippte mit, allenthalben sah man glückliche, von der Musik animierte Gesichter. Als dann Songs von Harry James und Louis Armstrong gegeben wurden, liessen sich einige sogar zu einem Tänzchen neben der Bühne hinreissen.

Dai Kimoto betätigte sich mal als Dirigent, mal als dezenter Mitmusikant. Zwischen den Stücken gab er Anekdoten zum Besten, erzählte von einem Kind, das Mozarts Lebensdaten als seine Telefonnummer interpretierte – und dann enttäuscht feststellen musste, dass dieses nicht mehr in Betrieb war. Ein anderes mutmasste, dass der kurzlebige Franz Schubert wohl bei einem Autoumfall ums Leben gekommen sei.

Viel zu schnell musste er die letzte und dann die allerletzte Zugabe ankündigen. Die Kinder seien halt ein bisschen müde, auch wenn sie in der Schule viel geschlafen hätten. Der Organisator Urs Landis zeigte sich vom Abend «hellauf begeistert». So sehr hatten ihn die Swing Kids überzeugt, dass er sie für das nächste Jahr gleich wieder verpflichtete.