Haus Konstruktiv

Haus Konstruktiv: «Die verborgenen Kräfte der Geometrie»

Das Haus Konstruktiv in Zürich würdigt die Malerin und Plastikerin Nelly Rudin mit der gross angelegten Retrospektive «open space». Zu sehen sind Werke von 1965 bis in die Gegenwart.

Nelly Rudin, 1928 in Basel geboren, wird in einem Atemzug genannt mit den Zürcher Konkreten Max Bill, Verena Loewensberg, Camille Graeser und Richard Paul Lohse. Wie diese setzt sie sich mit der konkreten Formensprache der Geometrie auseinander.

Zürcher Konkreten «ein bisschen aufgeweicht»

Gleichwohl hat Rudin eine ganz eigene Kunstsprache entwickelt, wie die eindrückliche Ausstellung zeigt. Sie habe die Zürcher Konkreten «ein bisschen aufgeweicht», sagte die Künstlerin am Dienstag anlässlich der Medienvisionierung.

Was diese Aufweichung bedeutet, zeigt sich schon in der Eingangshalle, wo Nelly Rudin mitten im Raum eine sternförmige, begehbare Installation (2011) platziert hat.

Man geht hindurch, umkreist die Arbeit, und immer zeigt sie sich in einem neuen farbigen Licht. Kunst nur in der Fläche interessiert Rudin nicht mehr, Kunst ist für sie ein Zusammenspiel von Fläche und Raum, das entscheidenden Einfluss auf die Wahrnehmung ausübt. Je nach Standort des Betrachters wechselt das Kunstwerk sein Aussehen, das Auge kreiert es gewissermassen immer wieder neu.

Spiel mit Farbe und Licht

«open space» (offener Raum) ist somit nicht nur Ausstellungstitel, sondern künstlerisches Programm. Erschlossen hat sich Nelly Rudin den Raum im Laufe der Zeit immer radikaler.

Waren ihre frühen Werke noch zweidimensionale Kompositionen in Schwarz, Weiss oder Grau, gibt es seit 1976 kein einziges Werk mehr, das nicht mit der dritten Dimension, mit Licht und Schatten spielt. Eingang gefunden hat auch eine grelle Farbigkeit, die nicht selten selbst eine räumliche Dimension annimmt.

So wirken viele Werke, obwohl stark reduziert und von formaler Strenge, geradezu fantastisch leicht und verfügen, insbesondere an den Randzonen, über eine grosse Strahlkraft.

Nelly Rudin habe sich von Anfang an für die «verborgenen Kräfte der Geometrie» interessiert, schreibt die Museumsdirektorin Dorothea Strauss in den Medienunterlagen. Was das heisst, zeigt sich besonders intensiv in den transparenten Acrylglasobjekten seit Beginn der 1980er Jahre. Sie spiegeln den Raum und halten so neben ihrer sachlichen Klarheit lustvolle Überraschungen bereit.

Parallel-Ausstellung mit Harry Fränkel

Parallel zur Retrospektive Nelly Rudin zeigt das Haus Konstruktiv eine weitere Ausstellung im Rahmen seiner Reihe «Visionäre Sammlung». Zu sehen ist das Werk des 1970 verstorbenen deutschen Künstlers Harry Fränkel, der dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht Fränkels druckgrafisches Werk. Es gehört zu einem umfangreichen Konvolut, das dem Haus Konstruktiv 2008 von Renate Thiemann geschenkt worden ist.

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