An der Endstation «Stadthalle Ost» steigt ein junger Mann aus dem Bus aus und holt einen Joint aus der Jackentasche. Rauchend macht er sich auf den Weg zur Stadthalle, dem diesjährigen Austragungsort der Cannatrade. Die internationale Hanfmesse gastiert zum ersten Mal in Dietikon. Die Ausstellungsräume in den Grossstädten Bern und Basel kann sich die Messe nicht mehr leisten. Die Schweizer Szene sei kleiner geworden, «Repression sei Dank», wie Marcel Müller, Cheforganisator der Cannatrade in der aktuellen Ausgabe der Szenezeitschrift «Hanf-Journal» ironisch zitiert wird.

Kontroverse Messe

Dass die Szene seit den frühen Neunzigerjahren geschrumpft ist, dürfte die Vereinigung «Eltern gegen Drogen» nicht zufriedenstellen. Seit Jahren kämpft die Vereinigung erbittert gegen die Cannatrade. Sie befürchtet, dass die Messe «zu illegalen Machenschaften anstiftet».
Anfang Juli forderte die Organisation deshalb die Vermieter der Halle sowie Dietiker Stadträte auf, der Messe die Bewilligung zu entziehen (die az Limmattaler Zeitung berichtete). Doch die Messe, die strenge Auflagen zur Legalität der ausgestellten Produkte einhalten muss, statt und dauert noch bis morgen Sonntag.

«Eltern gegen Drogen» erwartet

Laut Marcel Müller ist es denkbar, dass «Eltern gegen Drogen» auch in Dietikon auf dem Gelände aufmarschieren wird. Die Vereinigung demonstrierte in der Vergangenheit regelmässig vor den Toren der Messe. Noch vor einigen Jahren habe man der Organisation zum Dialog eingeladen, sagt Müller. Aber weder E-Mails noch Anrufe habe die Vereinigung um die Berner SVP-Grossrätin Sabina Geissbühler-Strupler beantwortet. «Frau Geissbühler kommt nicht, um zu reden», verdeutlicht Müller.

Raucherwaren und Lebensmittel

Wer die Cannatrade besucht, kann schnell zur Erkenntnis kommen, dass die Dämonisierung der Messe undifferenziert ist.
Auf zwei Stöcken zeigen und verkaufen die internationalen Aussteller Gerätschaften zur Pflanzenzucht, Raucherutensilien, aber auch Literatur, Pflegeprodukte und Esswaren, angeboten auch von Produzenten ohne Bindung zur Szene. So bietet der Toggenburger Käser Melchior Schoch Hanfkäse aus Biomilch an.

Die Cannatrade ist in erster Linie eine Börse für Cannabiskonsumenten, etwas anderes zu sein, hat sie nie behauptet. Um die Einhaltung der gesetzlichen Auflagen zu kontrollieren, wird die Messe genau unter die Lupe genommen. Die Cannatrade AG präsentiert einen hoch professionell durchgeführten Anlass. Ein Rundgang durch die mit schillernden Räume erinnert an einen Besuch der «Züspa».
Diesen Eindruck teilt auch die Dietiker Pensionärin Ida Hirczy, die nach dem Schwimmen im nahen Fondlibad auf die Messe aufmerksam wurde. «Dass es eine Hanfmesse ist, stört mich überhaupt nicht», sagt sie und lacht. «Ich dachte zuerst an einen Jahrmarkt».