Hätte ich doch damals in der Schule bloss gewusst, was der Konjunktiv ist. Das habe mit dem Moment zu tun, wo etwas passieren könne oder etwas gesagt worden sei. Darüber müsste man sich heute viel mehr Gedanken machen, würde ich sagen. Ein Kollege meines Kollegen habe auch schon darüber nachgedacht, habe ihm eine Bekannte einer Bekannten von mir gesagt.

Tja, was machten wir Schweizer, hätten wir nicht den Konjunktiv! «Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn Sie hier ein bisschen auf die Seite gingen, damit ich mit dem Wägeli zwischen dem Brotgestell hindurchfahren könnte?» Das sei in anderen Ländern ganz anders, habe dieser Kollege gesagt. Bei ihm daheim würden sich die Leute beim Brotgestell gemeinsam durchzwängen und sich hüten, eine spitze Bemerkung zu machen. Der Alltag sähe bei diesen Menschen ruhiger aus – sie würden nicht so viel arbeiten, wie es die Leute in der Schweiz auch gerne täten – wären sie nicht gerade im Laden.

Der Kollege habe schon recht, sagt die Bekannte einer Bekannten von mir. Dafür seien die Leute hier netter als dort, habe sie gehört. «Könnten Sie mir sagen, ob es vielleicht ginge, mir ein frisches Schweineschnitzel zu geben, wenn es Ihnen nichts ausmachen würde?» flüstert eine Frau in der Metzgerei. «Wie hätten Sie es denn gerne», flötet der Metzger zurück. «Wäre es Ihnen lieber, wenn es ganz zart wäre, oder dürfte es auch mit ein wenig Fett durchzogen sein?» An der Kasse heisst es dann später, es seien glatte fünfzig Franken, die zu bezahlen wären. Ob man auch mit Karte bezahlen könne, weil es zu wenig Bargeld im Portemonnaie habe. Das sei kein Problem, wünschte man sich dann als Antwort – und bekommt sie auch.

Es scheine so, als dass das Leben im Laden nur den Konjunktiv kenne. Konjunktiv I oder II spiele dabei keine grosse Rolle, habe der Kollege des Kollegen der Bekannten einer Bekannten gesagt. Sie kenne ihn von früher – der Kollege habe schon damals gerne im Konjunktiv gesprochen und bemerkt, dass des Schweizers liebste Aussageweise auch sonst ständig präsent sei. «Würden Sie bitte, hätten Sie wohl, dürfte ich Sie fragen, könnten Sie schnell, möchten Sie noch …» Alles schwebe in der Schwebe. Oder sei irgendwann vage passiert, sage man.

Gibt es eigentlich Momente, wo es konkret wird, wenn wir Schweizer miteinander sprechen? Oder bleibts unverbindlich? Das wüsste ich gerne, aber dazu bräuchte ich konkrete Beispiele und die würden mir dann sicher weiterhelfen.