So dicht aneinandergereiht stehen die Fahrräder unter dem Dach des Velohauses am Dietiker Bahnhof selten. Noch knapper ist der Platz jedoch im Gedränge vor dem Einlass zur diesjährigen Velobörse. Einige der potenziellen Käufer tänzeln bereits ungeduldig auf den Zehenspitzen hin und her, immer in der Hoffnung, bereits von Weitem einen Blick auf das beste Angebot erhaschen zu können.

Der grosse Zeiger der St. Agatha-Kirche weist die Drahtesel-Fänger darauf hin, dass die Schnäppchenjagd bald eröffnet ist.

Die gebrauchten Zweiräder sind an diesem Samstagvormittag heiss begehrt. Das wissen auch die Brüder Jan und Michael Schmid. Ersterer sucht ein älteres Rennvelo, mit dem er künftig durch Zürichs Strassen flitzen kann. «Wir besuchen viele Velobörsen und wissen daher, dass man sehr schnell sein muss», sagt Jan Schmid. Vier Augen seien daher besser als zwei.

In Dietikon sei zwar viel los, trotzdem sei das noch kein Vergleich zu Zürich. Er bevorzuge es deshalb, sich ausserhalb der Stadtgrenze auf die Fahrradsuche zu begeben.

Dann schlägt die grosse Kirchenuhr 10 Uhr und die Besucherinnen und Besucher stürzen sich auf die in Reih und Glied aufgereihten Fahrräder, als würden frische Brötchen feilgeboten. Die Gebrüder Schmid sind im allgemeinen Getümmel verschwunden.

Kleine Mängel stören nicht

Eine der ersten, die es erfolgreich zur Kasse schafft, ist Deniz Oezarslan. Sie hat sich gleich auf den ersten Blick in ihr neues Fahrrad verliebt und direkt zugeschlagen. Überzeugt habe sie die Schweizer Qualität des Velos, sagt ihr Mann Fati Oezarslan, der sichtlich zufrieden mit dem
Kaufentscheid seiner Gattin ist. Für 160 Franken sei das Damenrad ein Schnäppchen, lediglich der Schalthebel müsse ausgetauscht werden.

Gelohnt hat sich der Besuch auch für Hanspeter Oberli. Zufrieden dreht er ein paar Proberunden auf seiner Errungenschaft. „Ich habe ein robustes Velo gesucht, das gross genug ist für meine Grösse“, sagt der Dietiker. Nach nur wenigen Metern nickt er zufrieden und entscheidet sich für den Kauf.

Neue Regeln für Velohändler

So wie Oezarslan und Oberli ergeht es an diesem Morgen vielen Besuchern. Innert kürzester Zeit sind die besten Fahrräder weg. Priska Dind von Pro Velo Limmattal, dem Organisator der
Velobörse, ist zufrieden, hätte aber mit noch mehr Velos gerechnet. „Dieses Jahr wurden nur 150 Fahrräder gebracht. Im vergangenen Jahr waren es 100 mehr“, sagt sie.

Das rühre daher, dass zur selben Zeit in der Region mehrere Velobörsen stattfinden. Hinzu komme die neue Regel für Händler, sich im Voraus online anmelden zu müssen.

Als sich die Veloreihen langsam lichten, tauchen Jan und Michael Schmid aus Zürich wieder auf.
Sie begutachten ein gelbes Rennvelo, das allerdings eine kaputte Gangschaltung aufweist. Jan ist unsicher, ob er „diesen Göppel“ haben will. Michael rät ihm zum Kauf und schliesslich nehmen die beiden das Fahrrad mit.

Velos, die an der Börse keinen Abnehmer finden, können als Spende nach Rumänien abgegeben werden, falls die Besitzer sie nicht mehr zurücknehmen wollen. Dieses Jahr wurden sechs Fahrräder gespendet.