Limmat
Gummiböötler unterwegs: «Das hat etwas Magisches»

Perfektes Wetter lockt zig Gummiböötler auf die Limmat. Während sich die einen deshalb jung fühlen, feiern andere ihren Geburtstag auf dem Wasser. Und wer Pech hat, dem wird sein Boot schon bei der Werdinsel zerstochen.

Ly Vuong
Drucken
Teilen
Sabine Kummer und Freund Stephan Baass zeigen ihren Hamburger Freunden Timo Frahm und Ole Osthoff, wie schön die Limmat sein kann,.
14 Bilder
Gummiböötlen Limmat 072016
Doch bevors losgeht, wird gepumpt.
Bei der Dietiker Nötzliwiese endet die Fahrt.
Sonja Wild und Dominique Jud aus Zürich hat es gut gefallen auf der Limmat.
"Die Fahrt ist schön, aber viel zu schnell vorbei", lautet das Fazit vieler Gummiböötler.
Bei der Nötzliwiese angekommen, muss man nicht gleich auf die S-Bahn. Etwas Abkühlung in der Limmat - diesmal ohne Gummiboot - tut gut.
Sie haben Pech gehabt: Ihr Gummiboot ging schon bei der Werdinsel kaputt.
Captain Angela Bearth aus Dietikon, hier mit Kollege Alex Mitsch, würde natürlich als letzte vom Boot gehen, falls es kentern würde.
Die zehnjährigen Zwillinge Fabian und Manuel fahren zum ersten Mal Gummiboot. Zuerst mussten sie schwimmen lernen.
Martin Braunschweig und Patricia Schuler machen es sich gemütlich auf der Dietiker Nötzliwiese.
Wer schon in Wipkingen oder noch weiter oben ins Wasser steigt, muss bei der Werdinsel kurz auf die Füsse umsteigen.
Die Limmat ist auch vom Ufer besehen schön: Ausruhen bei der Dietiker Nötzliwiese.
Selbst Argentinier kommen ins Limmattal zum Gummiböötlen: Daniel Wassmer hat seinen Schwiegervater Jorge Prieto aus Buenos Aires mitgenommen.

Sabine Kummer und Freund Stephan Baass zeigen ihren Hamburger Freunden Timo Frahm und Ole Osthoff, wie schön die Limmat sein kann,.

Ly Vuong

Der 40-jährige Daniel Wassmer ist ein erfahrener Gummibootfahrer. Schon seit er sich erinnern kann, ist er mit dem Boot auf Flüssen unterwegs. Die Limmat fliesse schneller als sonst, sagt er jetzt, beim Gummiböötlen am Samstag. Trotzdem sei das Wasser relativ trüb, sodass die Sicht unter Wasser nur einen halben Meter weit reiche, so Wassmer weiter.

Um seine Entdeckungen in den Tauchgängen während der Fahrt auf der Limmat vom Wipkingerpark in Zürich bis zur Nötzliwiese in Dietikon mit seinen Freunden zu teilen, hat er eine Unterwasserkamera auf seiner Stirn montiert. Ausserdem trägt er den Charme der Limmat in die Welt hinaus: Wassmer hat seinen Schwiegervater Jorge Prieto mitgenommen, der aus Buenos Aires zu Besuch ist. Beim Schwimmen und Tauchen lauschen beide gerne dem Geräusch der Steine im Fluss, die durch die Strömung aneinander stossen. «Die Fahrt berührt mich emotional und hat etwas Magisches», erzählt Prieto begeistert.

Manche gummiböötlen zum ersten Mal

Auch die Familie Heim aus dem Zürcher Oberland fährt zum ersten Mal zusammen Gummiboot. Der Grund: Die 10-jährigen Zwillinge Fabian und Manuel schwimmen nun gut genug für diesen Wasserspass, sagt ihre Mutter Nicole Heim.
Auch Patricia und Martin Braunschweig haben sich für das Abenteuer auf dem Wasser entschieden. Es ist aber kein gewöhnlicher Familienausflug, denn Sohn Philipp feiert seinen 13. Geburtstag mit Bruder Simon und den Freunden Lino, David, Luc und Leon. Doch zum Chips essen und Cola trinken fehlt die Zeit, wie Patricia Braunschweig sagt. Denn wer um die Brückenpfeiler, Äste und Wasserschnellen manövrieren muss, sollte sich konzentrieren.
Aufregend, aber auch entspannend sei die Fahrt gewesen, sagt Sabine Kummer, die mit ihrem Freund Stephan Baass und zwei Kollegen aus Hamburg die Natur auf der Limmat geniessen und dazu Partymusik hören.

Ist die Limmat zu schnell?

Viel zu schnell habe der Fluss sie von der Werdinsel bis zur Nötzliwiese transportiert, finden Sonja Wild und Dominique Jud, die sogleich die S-Bahn in Dietikon nehmen um die nächste Bootsfahrt und weitere ungestörte Gespräche unter Freundinnen in Angriff zu nehmen.
Für Joel Schädeli, Severin Stich und Moritz Zimmermann endet die Reise viel zu früh, bei bei der Werdinsel. Ihr Gummiboot geriet schon beim Anlegen in die Dornen – die Luft ist raus.
Trotz nur einem Paddel schaffen es hingegen die erfahrenen Gummiböötler Angela Bearth und Alex Nitsch bis nach Dietikon und tanken nun auf der Nötzliwiese etwas Sonne.

«Dann fühle ich mich jung»

«Bei warmem und schönem Wetter ist es hier sehr interessant», erzählt die 65-jährige Zvetanka Petrov, die täglich mit ihren Hunden Cherry und Rocky bei der Nötzliwiese vorbei spaziert. Wenn sie die Gummiböötler beobachtet, wie sie sonnen, grillieren und Musik hören, dann fühle sie sich ein bisschen jung, so Petrov.
Für Sicherheit und Sauberkeit sorgten Patrouillen der Polizei und der SIP Dietikon, sagt Thomas Winkelmann, Leiter der Sicherheits- und Gesundheitsabteilung der Stadt Dietikon. In den letzten zwei Jahren wurden einige «Einweg-Gummiboote» liegen gelassen, gibt Infrastrukturvorstand Roger Brunner auf Anfrage zu Protokoll. Ansonsten sei die Abfallmenge an warmen und schönen Tagen um ein Dreifaches grösser, was mit der höheren Besucherzahl zusammenhängt.

Mehr Abfalleimer bei der Nötzliwiese

Zusätzliche Putztouren müssten aber nicht eingesetzt werden, da die Stadt von Frühling bis Herbst zusätzliche Abfalleimer aufstellt, sagt der Infrastrukturvorstand. Weil sich die Nötzliwiese in einem Wohnquartier befindet, komme es vereinzelt zu Lärmklagen. Besonders Sorge bereitet der Stadt allerdings, wenn Wassersportler die Gefahren auf dem Fluss unterschätzen und zu nahe an die Wehr fahren oder nicht genug gut ausgerüstet sind, so Winkelmann.

Bei Beachtung aller Sicherheits- und Sauberkeitsregeln kann dem aufregenden und entspannenden Wasserabenteuer fast nur noch ein Dornengebüsch oder das Wetter im Wege stehen. Das vergangene Wochenende war aber perfekt für die Gummiböötler.