Uitikon
"Gschichtefangis" im Üdiker-Huus: "Lili Pastis Passepartout" setzt das Kopfkino in Gang

«Lili Pastis Passepartout» bringt ungewöhnliche Geschichten von gewöhnlichen Menschen auf die Bühne. Im Üdiker-Huus präsentierte das Trio sein Programm "Chasch mi gärn ha!" an der Januarveranstaltung der Mittwochgesellschaft Uitikon.

Fabienne Eisenring
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Sie besangen im Üdiker-Huus die alltäglichen Liebeswirren: Daniel Schneider (Klarinette), Cornelia Montani (Akkordeon, Gesang) und Christoph Elsaesser (Kontrabass) von «Lili Pastis Passepartout».

Sie besangen im Üdiker-Huus die alltäglichen Liebeswirren: Daniel Schneider (Klarinette), Cornelia Montani (Akkordeon, Gesang) und Christoph Elsaesser (Kontrabass) von «Lili Pastis Passepartout».

Fabienne Eisenring

«Wir machen Gschichtefangis», kündigte Cornelia Montani zu Beginn an. Das bedeute so viel wie «andernä Lüt Gschichte adichte». Und das macht die Erzählerin des Trios «Lili Pastis Passepartout» so gut, dass jeder und jede am Mittwochabend im Üdiker-Huus an ihren Lippen hing. Mit ihrem Bühnenprogramm «Chasch mi gärn ha!» traten Montani (Gesang, Akkordeon), Daniel Schneider (Klarinette, Saxofon, Cajon) und Christoph Elsaesser (Kontrabass) an der Januarveranstaltung der Mittwochgesellschaft Uitikon auf.

Von Herzschmerz und Heiterkeit

Mit erstaunlicher Leichtigkeit musizieren und singen die Künstler über Alltägliches, aus dem sie herrlich ineinander verflochtene Liebesgeschichten stricken. Da wäre zum einen jene des schüchternen Willi, der verliebt ist in seine Cousine Pauline, die aber keine Augen für ihn hat, sondern sich nach ihrem Angelo auf Sizilien sehnt. Doch zu dem bricht ihr Kontakt, weil Willis Mutter sämtliche seiner Briefe abfängt. Sie glaubt, die ideale Partie für ihren Sohn gefunden zu haben: Rosenzüchterin Brigitte. Die wiederum schwelgt in Erinnerungen an ihre Urlaubsbekanntschaft, einen Griechen, der Brigittes Rosen zwar klasse findet, sie deswegen aber noch lange nicht heiraten möchte.

Das Erzählkonzert kommt ohne Schnickschnack aus. Die Kulisse ist musikalisch; der Kontrabass wird zum knatternden Motorroller, ein geschwenktes Tuch und spitze Klarinettentöne evozieren den wilden Flug einer Möwe. Traditionelle Lieder, neu arrangiert, werden mit Eigenproduktionen vermischt. Montani singt und erzählt – auf Mundart, Griechisch, Italienisch, Französisch. Mit ihrer wandelbaren Stimme erfüllt sie den Saal. Dessen Dimensionen sind eher ungewohnt für die Musiker.

Regisseur Joe Fenner sagte vor dem Konzert: «Die Lichtinstallation ist dicht bei der Bühne, das erzeugt eine intimere Stimmung.» In dieser Intimität leuchten die Künstler die sich gegenseitig im Weg stehenden Charaktere aus. Am Ende des abendfüllenden Versuchs, das Knäuel ihrer Liebesgeschichten zu entwirren, heisst es: «Will jede wett ha, was er nid cha ha, steit jedä am Schluss aleige da.»

Das Kopfkino läuft

Über 150 Mal schon stand das Trio mit dem zungenbrecherischen Namen – «Ein Mix aus Frische und französischem Charme», erklärt Montani – mit «Chasch mi gärn ha!» auf Schweizer Bühnen. Doch zur Routine sei das Stück nicht geworden: Es entwickle sich stetig weiter, so Montani. «Manchmal überraschen wir uns, ohne dass es das Publikum bemerkt.»

Ihre Spielfreude ist ansteckend. Zuhörerin Ursula Eigenmann aus Uitikon zeigt sich nach dem Konzert begeistert: «Mein Kopfkino wurde in Gang gesetzt.» Sitznachbarin Barbara Jung fügt hinzu: «Ich blieb bis zum Schluss gespannt, immer wieder geschah Unvorhergesehenes.» Dass es im Üdiker-Huus funkte, findet auch Brigitte Bosshard, Präsidentin der Mittwochgesellschaft: «Es ist toll, dass wir allen eine Freude machen konnten.» Das Passepartout passt wirklich überall.