Fusball
Grünschnabel-Faktor beim FC Urdorf fällt ins Gewicht

Beim FC Urdorf geht es in der neuen Saison einmal mehr um den Verbleib in der 2. Liga. Der Grünschnabel-Faktor beim FC Urdorf ist Fluch und Segen zugleich. 14 Spieler auf der Kaderliste der 2.-Liga-Mannschaft sind 1990 oder später geboren.

Rainer Sommerhalder
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Neue Gesichter beim FC Urdorf (v.l.): Verteidiger Kamber Dzelili, Torhüter Samuel Winkler und Stürmer Fahrudin Adilovic.

Neue Gesichter beim FC Urdorf (v.l.): Verteidiger Kamber Dzelili, Torhüter Samuel Winkler und Stürmer Fahrudin Adilovic.

Der Zweitligist steigt mit einem Durchschnittsalter von nur 22 Jahren in die Saison. Erfahrene Akteure wie Michi Benz, Roman Pfister und Adrian Vogel haben sich zur Kukident-Fraktion ins Seniorenteam verabschiedet. Auch die Abgänge von Mate Batur, Marc Füglistaller und Marco Stara hinterlassen grosse qualitative Lücken. Einem Verein wie dem FC Urdorf bleibt mangels dickem Portemonnaie und sportlichen Perspektiven nichts anderes übrig, als sein «unabsteigbares» Fanionteam praktisch jährlich einer Frischzellenkur zu unterziehen.

Gäste mit vielen Fragezeichen

Mit einer solch jungen Truppe den Ligaerhalt anzustreben, ist kein einfaches Unterfangen. Wie schnell lässt man nach einer Niederlagenserie den Kopf hängen? Wem gelingt es, an der Aufgabe zu wachsen? Wer übernimmt auf dem Feld eine Führungsrolle? Alles ungeklärte Fragen, die letztlich über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Kommt hinzu, dass der Trainingsplatz in Urdorf derzeit eher an ein Arbeitsvermittlungsbüro als an ein Fussballteam erinnert. Gleich mehrere Spieler trainieren mit, um sich für einen Kaderplatz aufzudrängen. Unter ihnen zum Beispiel ein dunkelhäutiger Stürmer mit französischer Sprache und Potenzial im Abschluss, von dem niemand wirklich weiss, woher er kommt und wie er heisst. Im Probetraining beim FC Dietikon fiel die schwarze Perle durch. Für Urdorf hingegen könnte er ein Mann fürs Sturmzentrum sein.

«Ich werde in diesen Tagen ausloten, ob die Möglichkeit eines Engagements besteht. Bei solchen Trainingsgästen ist es von Vorteil, zuerst einmal abzuwarten, wie ernst es ihnen ist», sagt Sandro Agosti. Der Präsident bleibt bei Neuverpflichtungen seinem Credo treu: «Natürlich möchten wir endlich einmal weg vom Strich kommen, aber ein Spieler muss zum FC Urdorf passen, sonst bringt ein Transfer nichts. Dann steige ich lieber ab.»

Kommt Davide De Luca zurück?

Einer, der passen könnte und im Mittelfeld eine zentrale Rolle einnehmen würde, ist Davide De Luca. Beim FC Dietikon verabschiedete sich der 21-Jährige am Samstag wenig stilvoll. Ob er nun bei seinem Stammclub als Spielmacher Verantwortung übernehmen will oder doch eher von höheren Aufgaben träumt, wird sich in den nächsten Tagen weisen. Präsident Agosti hofft auf Ersteres.

Der Blick auf die jungen Urdorfer Spieler zeigt, dass sie durchaus auch positive Impulse auf die Mannschaft übertragen können. Bemerkenswert ihre Unbekümmertheit, beachtlich ihr Trainingsfleiss, beeindruckend ihr Optimismus. «Ich glaube, dass ein Platz im Mittelfeld möglich ist», meint Andrea Pasinelli.

«Wir können in Urdorf mit der Situation des Underdogs gut umgehen», denkt Bruno Frei. «Bei uns herrscht immer eine positive Stimmung. Die Mannschaft glaubt an sich», sagt Sven Müller. Und der Glaube kann bekanntlich Berge versetzen.

Eine Frage des Charakters

Ein Mann mit optimistischer Grundhaltung ist auch Trainer Roberto Rhiner. Wenn wunderts, war der Weininger in den letzten Jahren quasi die Personifizierung des Ligaerhalts. Er betont, dass viele junge Talente bei Urdorf eine Chance in der 2. Liga erhalten, wie sie sonst wohl nirgendwo möglich ist. Nun gelte es, diese auch zu nutzen und etwas für den weiteren Werdegang als Spieler zu leisten.

«Wir werden zwar auch in dieser Saison nicht um den Aufstieg spielen», sagt Rhiner schmunzelnd, doch er hofft, dass die Jungen einen positiven Prozess durchmachen werden. Keine Frustration, immer wieder aufstehen und aus Niederlagen lernen, verlangt er von ihnen. Und er will den Funken seines eigenen «Glaubens» auf die Mannschaft übertragen. Letztlich sei es eine Charakterfrage. «Wenn sich einer in Urdorf durchsetzt, kann er das überall.»

Schwieriger Start in Kilchberg

Keine Höhenflüge erwartet Rhiner von seinem Team zum Saisonstart am Sonntag (14.30 Uhr, Hochweid) beim FC Kilchberg-Rüschlikon. Der Trainer wird sich bereits freuen, wenn er elf einsatzfähige Spieler aufs Feld zaubern kann. Auf «schwarze Perlen», Regisseur De Luca, Neuzugang Adilovic und den einen oder anderen Verletzten muss er noch verzichten. Gut möglich, dass die Neo-Senioren nochmals zu Aktiven umfunktioniert werden, wie es in «Notsituationen» auch weiterhin möglich sein wird.LiZ-Tipp: 4:0