Ganz besonders deutlich wurde es rund um den 1. Oktober 2009, als die Zügelwagen in Schlieren einer Karawane ähnlich einfuhren und die Stadt an einem einzigen Wochenende 600 neue Einwohnerinnen und Einwohner gewann. Doch die grösste Einzugswelle in der Geschichte Schlierens ist nur ein gut sichtbarer Ausdruck einer Entwicklung, deren Ende nicht absehbar ist: Das Limmattal wächst rasant.

Insbesondere Schlieren zieht hinsichtlich Bevölkerungswachstum mit Siebenmeilenstiefeln davon. Während sich die Einwohnerzahl gut 20 Jahre lang um 13000 herum bewegte, steigt sie seit 2006 überdurchschnittlich an: Noch Mitte 2009 waren es um 14 000 Einwohner, im Dezember desselben Jahres konnte Schlieren bereits stolz den 15000. Einwohner begrüssen.

Wohungen wachsen in den Himmel

Und es ist kein Ende des Wachstums in Sicht: Im vergangenen Oktober bewilligte das Parlament mit dem Gestaltungsplan Geistlich 750 neue Wohnungen für 1000 neue Schlieremerinnen und Schlieremer. Auch anderswo - unter anderem auf dem Färbiareal und dem Wagiareal - entstehen Hunderte von weiteren Wohnungen. «Aufgrund der vorhandenen Visionen, Ideen und relativ konkreten Projekten rechne ich damit», sagt Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin, «dass sich die Bevölkerungszahl zwischen 18000 und 19000 einpendeln wird.»

In Dietikon ist der Zuwachs nicht ganz so rasant: Nachdem die Stadt in den 1990er-Jahren noch einen Bevölkerungsrückgang verzeichnete, ist das Wachstum seit zehn Jahren relativ konstant. Im Jahr 2009 wohnten gut 23000 Einwohner in Dietikon; bis im Jahr 2020 rechnet Stadtpräsident Otto Müller mit 25000. Doch der Planungshorizont ist noch weiter: In den entstehenden neuen Stadtteilen im Nordwesten - dazu gehören das Niderfeld, das Limmatfeld und das Gebiet Silbern/Lerzen/Stierenmatt - könnten bis in 25 Jahren 6500 neue Einwohner und 8500 neue Arbeitsplätze dazu kommen.

Um ein solches Wachstum auffangen zu können, braucht es eine umsichtige Planung in den Bereichen Schul- und Alterswohnraum, Infrastruktur, Freizeit und Verkehr.

Schlieren: Bereits jetzt benötigt Schlieren zusätzlichen Schulraum. Für kurzfristige Lösungen hat der Stadtrat deshalb einen Kredit von einer Million Franken bewilligt. Damit wurden im ehemaligen Theodosianum Räumlichkeiten zugemietet. Die Provisorien umfassen ausserdem Schulraumcontainer beim Schulhaus Grubenstrasse sowie Umbauten an den Schulanlagen Schulstrasse und Hofacker. Doch, wie Stadtpräsident Brühlmann vor einigen Monaten sagte: «Das Ziel bleibt: In den nächsten fünf Jahren soll Schlieren ein neues Schulhaus bekommen.» Dafür hat der Stadtrat das Areal der AXA Winterthur an der Badenerstrasse ins Auge gefasst. Ein Hauptkriterium für diesen Standort ist die hohe Bautätigkeit im unmittelbaren Umfeld.

Dietikon:«Dietikon verfügt über eine Schulraumplanung, die laufend an die Verhältnisse angepasst wird», sagt Stadtpräsident Müller. Wie der Stadtrat im Jahr 2009 bekannt gab, soll für das neue Quartier Limmatfeld jedoch vorerst kein neues Schulhaus gebaut werden. Die Kinder aus der Überbauung werden vorläufig im Zentralschulhaus untergebracht, ausserdem wird das Einmieten in bestehende Räumlichkeiten vor Ort diskutiert. Dieses Jahr wird ausserdem ein Projektwettbewerb für eine Erweiterung der Schulanlage Wolfsmatt ausgeschrieben.

Schlieren: Mit Bezug auf den Bau eines neuen Altersheims, welches Schlieren dringend benötigt, sind Abklärungen über den Standort am Laufen, wie Stadtpräsident Brühlmann im Juli 2010 sagte: Man könne hier noch von keinem Zeitplan sprechen. Im vergangenen Herbst hat das Parlament dafür den Mietvertrag für 31 pflegerisch-betreute Wohnungen in einer neuen Überbauung an der Bachstrasse gutgeheissen.

Dietikon: Das Dietiker Alterszentrum Ruggacker wird erweitert und saniert: Im Neubau sind 41 Wohnungen für insgesamt 55 Personen geplant. Nach einigen Verzögerungen sollte der Innenausbau des Neubaus nun voraussichtlich im Februar fertig sein. Nach dem Umzug der Bewohnerinnen und Bewohner wird dann das bisherige Gebäude saniert werden. Diese Arbeiten sollten im Spätsommer 2012 beendet sein. Die Stadt fördere ausserdem private Initiativen zur Schaffung von altersgerechten Wohnangeboten, so Otto Müller: beispielsweise das Projekt Hofächer.

Schlieren: Um das Stadthaus für die grössere Zahl Einwohnerinnen und Einwohnern effizienter zu machen, wird das Erdgeschoss umgebaut. Geplant ist ein Stadtbüro, an dessen Schaltern drei Viertel der Kundenanliegen erledigt werden können. Auf das schnelle Wachstum müsse auch die Ver- und Entsorgung reagieren, sagt Stadtpräsident Brühlmann: «Auch dieser Ausbau muss geleistet und finanziert werden.»

Dietikon: Wie Stadtpräsident Müller sagt, besitzen die technischen Infrastrukturen generell die für die Stadtentwicklung notwendigen Kapazitätsreserven. Der Ausbau der Abwasserreinigungsanlage steht kurz vor Abschluss. Die Planung sei jedoch zu einem gewissen Grad «rollend» und müsse regelmässig überprüft werden: so zum Beispiel das Altersleitbild, das Steueramt oder die Dienstleistungen des städtischen Werkhofs.

Schlieren: Die Stadt investiert zurzeit gleich in mehrere gross angelegte Freizeitprojekte. Dazu gehören die Badisanierung der Anlage im Moos mit vollbiologischer Wasseraufbereitung, für die das Stimmvolk 6 Millionen Franken sprach, ein künstlicher Fussballrasen für 1,7 Millionen sowie eine Skateranlage im Zelgli für 35000 Franken.

Dietikon: Das nächste Grossprojekt ist in Dietikon die Sanierung des Freibads Fondli: Das Becken muss saniert und die Technik erneuert werden. Zur Diskussion steht auch eine Rutschbahn und Vergrösserung des mittleren Beckens. Das Geschäft soll laut Hochbauvorsteherin Esther Tonini dieses Jahr vors Volk kommen, damit die Arbeiten nach der Saison 2012 beginnen könnten.

Schlieren und Dietikon: Für den Transport der zusätzlichen Einwohnerinnen und Einwohner sehen beide Städte die Limmattalbahn als zentral an. Derzeit läuft das Vorprojekt, das Ende 2011 stehen soll. Die Limmattalbahn soll Zürich Altstetten mit Killwangen-Spreitenbach verbinden und dabei über das Schlieremer Zentrum führen, das Spital Limmattal, die Dietiker Schöneggstrasse, das Dietiker Stadtzentrum, das Niderfeld und das Shopping-Center in Spreitenbach. Baubeginn ist fürs Jahr 2016 geplant, eine erste Etappe soll 2019 in Betrieb genommen werden.

Als besondere Herausforderung für Dietikon sieht Stadtpräsident Otto Müller ausserdem die Lösung der vorhanden verkehrlichen Probleme: Dazu gehöre unter anderem die Entlastung wichtiger Strassen wie der Mutschellenstrasse, der Bau einer S-Bahn-Haltestelle Silbern sowie eine Entlastung des Stadtzentrums.