Für eine Impfung muss man nicht mehr zwingend zum Hausarzt, sondern kann dies ohne Voranmeldung und Termin in einer Apotheke erledigen. Dieses Angebot, das seit der Änderung der kantonalen Gesundheitsgesetze vor drei Jahren möglich ist, stösst bei Patienten auf immer grösseren Zuspruch: Die Zahl der geimpften Personen nimmt laufend zu. Waren es während der Grippemonate Oktober und November im letzten Jahr schweizweit noch 3930 Personen, sind es 2017 im gleichen Zeitraum 2017 schon 7410, wie Stephanie Balliana-Rohrer, Mediensprecherin des schweizerischen Apothekerverbands, auf Anfrage mitteilt. Genaue Zahlen für das Limmattal liegen nicht vor, da die Erhebung nur auf nationaler Ebene durchgeführt wird.

Während der letzten drei Jahre hat sich auch die Zahl der teilnehmenden Apotheken deutlich gesteigert. Mittlerweile sind acht Apotheken im Limmattal und total rund 100 Apotheken im ganzen Kanton Zürich registriert und zugelassen. Damit Patienten in Apotheken geimpft werden dürfen, müssen diverse kantonale Auflagen erfüllt werden. So muss Personal, das eine Impfausbildung gemacht hat, in der Apotheke arbeiten. Zudem muss die Apotheke über eine gültige Zertifizierung und eine Bewilligung der Gesundheitsdirektion verfügen.

Positive Bilanz

Eine Apotheke, in der seit der Änderung des Gesetztes Patienten geimpft werden, ist die Löwen-Apotheke in Dietikon. Der dortige Geschäftsführer Thomas Dössegger zieht eine sehr positive Bilanz. «Unsere Impfzahlen erhöhen sich jedes Jahr deutlich. In diesem Jahr haben sie sich sogar verdoppelt.» Der Hauptteil aller Patientenbesuche betreffe die Grippeimpfung, die sein Team bis anhin in diesem Jahr über 100 Mal verabreicht habe. Viele Personen kämen auch für Zeckenimpfungen oder für Auffrischungsimpfungen für Hepatitis A und B. Aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen ist es in einer Apotheke verboten, andere Impfstoffe zu verabreichen als diese vier Medikamente.

«Natürlich würden wir es begrüssen, wenn wir auch andere Medikamente impfen dürften, dafür braucht es jedoch zuerst eine Gesetzesänderung», sagt Dössegger. Seit November letzten Jahres hat auch die Apotheke Parkside in Schlieren eine Zulassung, wie Geschäftsführerin Lena Mäder sagt. «Die Zahl der Impfungen hat zugenommen, genaue Zahlen sind aktuell jedoch nicht bekannt.»

Vorteil für Patienten

Für Patienten sei das Impfen in einer Apotheke ein klarer Vorteil, sagt Dössegger. «Man muss nicht mehr lange auf einen Termin warten, sondern kann auch kurzfristig für eine Impfung vorbeikommen.» Dank der kurzfristigen Möglichkeiten würde er sehr gute Rückmeldungen erhalten. «Viele Personen sagen uns, dass sie sich nicht impfen lassen würden, wenn sie dafür zuerst einen Termin abmachen und allenfalls während der Arbeitszeit zum Arzt gehen müssen.» Dies bestätigt auch Gabriella Wüthrich, Betriebsleiterin der Dropa Apotheke in Urdorf. «Es ist für die meisten Patienten einfacher, schneller und vor allem unkomplizierter, wenn sie sich in einer Apotheke impfen lassen können, anstatt auf einen Termin beim Arzt warten zu müssen.»

Auch die Zusammenarbeit mit den Hausärzten laufe sehr gut, betonen die angefragten Apotheker. «Während der Grippemonate Oktober und November sind viele Hausärzte stark überlastet, hier können wir ihnen entlastend unter die Arme greifen», sagt Wüthrich.
Für Andrea Frei, Präsident des Zürcher Ärzteverbands, ist es jedoch schwierig zu beurteilen, inwiefern Ärzte mit den Apotheken zusammenarbeiten. «Als Kantonalverband haben wir hierzu weder Anhaltspunkte der einzelnen Praxen noch eine Empfehlung vom Verband für die Ärzte.»