Nun ist Ihre erste Saison bei Pfadi Winterthur zu Ende. Wie fühlen Sie sich?

Körperlich geht es mir gut, das ist schon mal was Wichtiges (lacht). Gefühlstechnisch war die Saison ein Wechselbad. Wir sind mit einem grossen Erfolg gestartet, dem Supercup-Sieg. Das war mein erster Titel auf Nati-A-Niveau. Der Start in der Meisterschaft verlief eher harzig, aber wir haben uns gut gefangen, denke ich.

An was lag der schwierige Start in die Meisterschaft?

Zum einen hatten wir mit vielen Abgängen zu kämpfen und zum anderen waren mehrere Spieler verletzt. So wurde jeder einzelne Spieler noch eine Spur wichtiger. Weniger verfügbare Leute machen es nicht leichter. Und dann war da Anfang Jahr noch unsere finanzielle Krise, die Unsicherheiten auslöste.

Um was ging es da genau?

Wir hatten ein Loch in unserer Kasse von ungefähr 400'000 Franken. Es wurde Geld versprochen, das schlussendlich nie den Weg zur Vereinskasse fand.

Und wie habt Ihr darauf reagiert, respektive diese Situation wieder in den Griff gekriegt?

Wir starteten Sammelaktionen. Gingen auf die Strasse, besuchten Schulen und sammelten Geld via Crowdfunding. Die Fans, die Sponsoren und die Winterthurer Bevölkerung waren fantastisch. Eine Solidaritätswelle überkam unseren Verein. Wir haben es geschafft.

Wie beeinflusste diese Situation Ihre Mannschaft?

Es war eine heikle Angelegenheit. Auf der einen Seite ging es ja auch um unsere Löhne und Unsicherheit machte sich breit. Trotzdem mussten wir uns auf die Spiele fokussieren.

Es war nicht immer einfach, die Leistung in dieser Phase zu bringen, die erforderlich war, um in der Meisterschaft Punkte zu erzielen. Aber sobald die Play-offs anstanden, war der Fokus wieder unglaublich stark. Wir dachten keine Sekunde mehr an die Situation, in der wir uns befunden hatten. Das Ziel war zu siegen, andere Gedanken hatten und fanden keinen Platz.

Bezüglich den Play-offs: Wie war das für Sie? In den letzten Jahren kämpften Sie mit GC gegen den Abstieg und in dieser Saison plötzlich um den Meistertitel.

Diese Saison war sehr spannend. Letztes Jahr habe ich mit GC in extremis den Ligaerhalt geschafft und dann bin ich zu Winterthur gewechselt, wo man ganz anders in ein Spiel geht. Ich liebe die Professionalität, die wir bei Pfadi Winterthur an den Tag legen. Zu siegen ist Pflicht, eine komplett andere Ausgangslage als bisher. Ich habe mich überraschend schnell an die hohen Ansprüche gewöhnt. Ich gebe mich nicht mit dem zweiten Platz zufrieden, nur weil ich letztes Jahr gegen den Abstieg gekämpft habe.

Sie sprechen es an, die Saison bei Pfadi Winterthur endete auf dem zweiten Platz.

Es war und ist noch eine unglaublich grosse Enttäuschung. Die Play-off-Phase war sehr intensiv für jeden von uns. Es ist schon krass, du bereitest dich ein ganzes Jahr auf diesen einen Moment vor und scheiterst im Final. Bis du diese Chance wieder erhältst, vergeht wieder ein ganzes Jahr. Ich habe den Moment noch so stark vor Augen, als wir gerade das dritte Spiel verloren hatten. Ich sah in der Ecke der Halle den Pokal und dachte mir, Mist, da steht er und jetzt kriegen ihn die anderen. Es war ein Schlag ins Gesicht.

Sie haben erwähnt, wie gross der Rückhalt der Bevölkerung in der finanziellen Krise war. Tat die Niederlage doppelt weh, weil Sie das Gefühl hatten, die Leute enttäuscht zu haben?

Das war nie ein Thema, glaube ich. Blöd gesagt wollten die Leute ja auch nicht den Meistertitel finanzieren, sondern uns als Verein, damit wir weitermachen konnten. Nach all der Dramatik der Saison hatten wenige erwartet, dass der Meistertitel überhaupt eine Option sein könnte.

Natürlich hoffen wir, dass die Fans nicht böse sind. Wir alle sind enttäuscht von uns, jeder Einzelne. Wenn du in einem Finale stehst, willst du auch gewinnen, so fühlt doch jeder Sportler.

Das ist verständlich ...

... doch die Begeisterung der Winterthurer für den Handball ist unglaublich. Sie unterstützten uns und ich habe noch nie vor einer so geilen Kulisse gespielt. Die haben mitgefiebert, unfassbar. Ich denke, dass unsere Krise auch mehr Leute animierte, in die Halle zu kommen und sich unsere Spiele anzusehen.

Wie schätzen Sie ihre persönlich erbrachte Leistung ein?

Um den Titel zu holen, hätten wir als Goalie-Duo besser funktionieren müssen. Der Torhüter macht im modernen Handball sehr viel aus, in der Regel gewinnt die Mannschaft mit den besseren Goalies. Grundsätzlich bin ich aber zufrieden mit meiner Leistung. Es gibt immer Potenzial nach oben.

Was waren für Sie die schönsten Momente und Höhepunkte der vergangenen Saison?

Davon gab es viele (lacht). Ich habe meine ersten Erfahrungen im Europäischen Cup gesammelt und Bälle gehalten, das fährt schon ein. Obwohl ich auf allen Stufen der Junioren-Nationalmannschaft spielte, war es sehr speziell. Wir haben den Supercup zu Beginn der Saison gewonnen, das gehört sicher auch zu meinen Highlights. Und natürlich die Atmosphäre in der Play-off-Phase. Die neue Halle ist so geil, wenn die voll ist, gleicht sie einem Hexenkessel. Gegen Thun im Halbfinal habe ich einen entscheidenden und schwierigen Ball gehalten. Es geht unter die Haut, wenn das ganze Publikum «ufjuckt» und aus Freude schreit. Das sind ganz einfach Gänsehaut-Momente, die man nicht vergisst.

Fühlen Sie sich auch wohl innerhalb der Mannschaft?

Ich kannte viele von früher, das hat den Einstieg vereinfacht. Von GC- und Stäfa-Zeiten hat es einige, die ich bereits kannte oder von der Junioren-Nati. Wir verstehen uns gut, immerhin sehen wir uns auch acht Mal pro Woche (lacht). Ich fühle mich wohl, ihr Ehrgeiz im Spiel
ist genau das, was ich will und brauche. Wir arbeiten zusammen auf unser Ziel hin.

Bezüglich Ziel, was haben Sie sich für die nächste Saison vorgenommen?

In jedem Titelkampf die Nase vorne zu haben. Sicher mal im Cup und der Meisterschaft. Wir werden wieder beim EHF-Cup dabei sein und unser Bestes geben. Das ist der zweithöchste internationale Pokal, organisiert von der Europäischen Handballföderation.