Neujahrswechsel
Glockenschläge erklingen in erhabener Stille

Im Kloster Fahr läuteten 300 Personen den Jahreswechsel mit dem Schweizer Oktett musikalisch-besinnlich ein.

Christian Murer
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Limmattaler Zeitung

Dichter Hochnebel hing in dieser Silvesternacht über dem Limmattal. Stimmungsvoll präsentierte sich einmal mehr die Umgebung des Klosters Fahr. Zahlreiche Kerzenlichter, ein Stern, zwei hölzerne Engel mit Tannenbäumen wiesen den Weg zur Klosterpforte. Dort empfingen die Schwestern die sehr zahlreichen Besucherinnen und Besucher. Es waren diesmal gegen 300 wache Seelen, welche ohne Knallkorken und Feuerwerk bewusst ins neue Jahr 2011 übergehen wollten.

Bereits zum zehnten Mal öffneten die Fahrer Benediktinerinnen Türen und Räume des Klosters, um die Silvesternacht in klösterlicher Atmosphäre zu erleben. «Es freut mich sehr, dass dieser musikalisch-besinnliche Jahreswechsel auch nach zehn Jahren noch - oder erst recht - so sehr beliebt ist», betont Priorin Irene Gassmann. «Es gibt Besucher, die kommen schon zum zehnten Mal.» Und dann gebe es auch immer wieder solche, die zum ersten Mal ins Kloster Fahr kämen. «Das ist doch einfach wunderbar», ergänzt die Priorin.

Alle Leute seien stets so dankbar für diese Stunden. Das bereite auch den Gastgeberinnen jeweils sehr grosse Freude. «Es tut gut, zu spüren, dass es Menschen gibt, die einen ruhigen Jahreswechsel schätzen», stellt die Klostervorsteherin fest. Faszinierend finde sie allemal, wie die Texte zur Musik passen. «Aber vielleicht passen sie, weil einfach die Atmosphäre stimmt», hält Irene Gassmann fest.

Andächtige Stille herrschte kurz vor 23 Uhr im prächtig barocken Gotteshaus. Dann nahmen die Musiker des Schweizer Oktetts zwischen Krippe und Orgel Platz. Mit dem heiteren Divertimento in D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart begann der musikalisch-besinnliche Jahreswechsel. Zwischen den Sätzen las Schwester Ruth Tresch eindrückliche Texte der Fahrer Schwester Silja Walter. So unter anderem das Gedicht «Lied zum neuen Jahr». Da heisst es: «Ich mein, dass erst Weihnachten war und erst noch Maria ein Kind gebar und Hirten und Könige kamen. Ich mein, es ist noch gar nicht lang, dass auf der Weide ein Engel sang, s geht immer noch weiter, sein Amen. Und gleich ist Ostern!»

Das Schweizer Oktett mit Matthias Bühlmann (Fagott), Lorenz Rath (Horn), Jens Lohmann (1. Violine), Paul Scharf (2. Violine), Michel Willi (Viola), Jonas Iten (Violoncello) und Gallus Burkard (Kontrabass) stellt eine solistisch zusammengewachsene Gruppe von höchster Professionalität dar. Die Art und Weise, wie da musiziert wird, ist lebendig, kraftvoll, spritzig und ebenso mitreissend. Beispielsweise interpretierte Matthias Bühlmann das Fagottkonzert in e-Moll von Antonio Vivaldi mit erstaunlicher Leichtigkeit und packender Virtuosität. Und auch Lorenz Rath brillierte mit dem viersätzigen Hornquintett von Mozart souverän und mit luftig leichtem Spiel.

Dann läuteten kurz vor Jahreswechsel die vier Glocken das alte Jahr aus.

In der Kirche herrschte eine erhabene Stille. Nach den zwölf Glockenschlägen stimmte das Geläute ins taufrische Jahr ein. Dazu gesellten sich ironischerweise die klingenden Töne eines Handys. Anschliessend offerierten die Schwestern in den Räumlichkeiten des Klosters einen Umtrunk.

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