«Hier und Jetzt»

Gerüchte bestätigt: «Wir werden im Juni 2020 nach Zürich gehen»

Bruno Meier: «In Zürich bieten sich uns gleich in mehrfacher Hinsicht Gelegenheiten, die wir nutzen möchten.»

Der Verlag für Kultur und Geschichte verlässt Baden und zügelt 2020 nach Zürich Enge. Geschäftsführer Bruno Meier erklärt wieso.

Seit der Gründung 1998 hat sich «Hier und Jetzt» zu einem der führenden Verlage für Sachbücher zur Schweizer Geschichte gemausert. Seinen Sitz hatte das Unternehmen stets in Baden, zuerst in Dättwil, seit bald vier Jahren an der Kronengasse in der Altstadt. Übernächsten Sommer jedoch wird der Verlag, der unter anderem die «Badener Neujahrsblätter» herausgibt, die Stadt in Richtung Zürich verlassen. Entsprechende Gerüchte machten die vergangenen Tage die Runde, Mitinhaber und Geschäftsführer Bruno Meier bestätigt auf Anfrage: «Es stimmt, wir werden im Juni 2020 nach Zürich gehen.»

Lücke in Zürich füllen

Für den Wegzug gebe es mehrere Gründe. «Wir haben unser Team verschlankt, teilweise outgesourct, und sind nun in zu grossen Büros», erklärt Historiker Meier. Ein kleineres Büro liesse sich zwar gewiss auch in Baden finden. «Jedoch bieten sich für uns in Zürich gleich in mehrfacher Hinsicht Gelegenheiten, die wir nutzen möchten.» Der Schritt mache aus rein betriebsorganisatorischen Gründen Sinn – die neuen Büros beim Bahnhof Enge sind kleiner, dafür ist die Miete tiefer als momentan.

Hinzu komme, dass der Verlag bezüglich Eigentümerschaft und Mitarbeitern stets einen starken, zwischendurch auch mehrheitlichen Zürcher Anteil gehabt habe. «Die Mehrheit unserer sechs Angestellten wird einen kürzeren Arbeitsweg haben. Und Mitinhaberin Denise Schmid stammt ebenfalls aus Zürich.» Eine Rolle für den Standort-Entscheid spielte auch der Wegzug des Hauptkonkurrenten, des Verlages NZZ Libro, aus Zürich in Richtung Basel zu Schwabe. Zürich sei darum bezüglich historischer Sachbuchverlage quasi verwaist – diese Lücke möchte «Hier und Jetzt» mehr als bisher füllen. Zu den Standardwerken und Longsellern des Verlags gehören unter anderem Thomas Maissens «Geschichte der Schweiz» oder Thomas Buombergers «Die Schweiz im Kalten Krieg».

Darüber hinaus zählten auch immer wieder Werke mit Badener Bezug zu den Publikationen, zuletzt beispielsweise «Company Town», «Das vergessene Grand Hotel» oder die Neuauflage von «Die Badenfahrt» von David Hess. Von einem Bruch beziehungsweise dem Ende einer Ära will Bruno Meier jedoch trotz dem Wegzug nach Zürich nichts wissen. «Wir werden auch in Zukunft Werke zu Aargauer Themen publizieren, so auch die Badener Neujahrsblätter. Vor allem aber haben wir uns immer als Schweizer Verlag verstanden, mit einem starken Standbein im Aargau zwar, aber auch in Bern, im Wallis, in Graubünden und in der Zentralschweiz.»

Bruno Meier, zuvor Leiter des Historischen Museums Baden, ist der letzte Verbliebene des Gründertrios. Er wird weiterhin auch in Baden anzutreffen sein. Neben seiner Tätigkeit als Verleger arbeitet er auch als selbstständiger Historiker und Ausstellungsmacher. «Ich selbst werde künftig natürlich meine eigene Tätigkeit in Baden behalten.»

Vor 21 Jahren hatte Meier den Verlag mit Urs Bernet und Andreas Steigmeier aus der Taufe gehoben. Es geschah quasi aus der Not, die Herausgabe der Badener Neujahrsblätter stand auf der Kippe, der Titel wurde frei und damit der Weg für eine erfolgreiche Verlagsgeschichte. 2017 erhielt der Verlag den mit 10'000 Franken dotierten Aargauer Heimatschutzpreis für das vorbildliche Publizieren von Sachbüchern zur Geschichte und Kultur im Kanton Aargau.

Buch übers Limmattal in Arbeit

Wiederholt erhielt «Hier und Jetzt» öffentliche Unterstützungsbeiträge, so zum Beispiel aus dem Aargauer Swisslos-Fonds. «Die Vergabe dieser Gelder hängt nicht primär vom Ort des Verlagssitzes ab, sie werden für konkrete Projekte mit Aargauer Bezug vergeben.» Somit ist der Wegzug aus dem Aargau nicht automatisch mit einem Verlust an Unterstützungsgeldern verbunden – im Gegenteil: «Verlage werden projektbezogen vor allem von Stiftungen unterstützt, wobei die Stiftungslandschaft im Aargau im Vergleich mit anderen Kantonen leider schwach ist.»

Auch Gelder aus dem Lotteriefonds des Kantons Zürich hat der Verlag «Hier und jetzt» schon erhalten. Im Juni 2018 bewilligte der Zürcher Regierungsrat 10'000 Franken für ein Buch über den Wandel des Limmattals, das derzeit in Arbeit ist. Anlass für die Publikation ist die Eröffnung der Limmattalbahn. «Das Limmattal gilt schweizweit als Inbegriff des Wachstums der 1960er- und 1970er-Jahre. Viele nationale Entwicklungen sind hier vorweggenommen worden. Seit einigen Jahren boomt das Tal wieder», beschreibt der Verlag die Ausgangslage seines Buchs, das die Vergangenheit und die Gegenwart des Limmattals darstellen soll. Das illustrierte Buch soll 240 Seiten lang sein, in einer Auflage von 2000 Exemplaren erscheinen und für 49 Franken verkauft werden.

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