Oberengstringen
Gemeindeversammlung: Gestaltungsplan Lanzrain durchgewinkt – ein Thema sorgte aber für Diskussionsstoff

An der Gemeindeversammlung war der private Gestaltungsplan Lanzrain ein grosses Thema.

David Egger
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Visualisierung des Gebiets Lanzrain
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 Momentan stehen auf dem Grundstück fünf Gebäude, die 44 Wohnungen umfassen. Doch diese sollen abgerissen werden und Platz machen für drei neue Gebäude, die 69 Wohnungen umfassen.
 Mit viel Grün und genug Platz zum verweilen, soll das Gebiet für die Bewohner attraktiv gestaltet werden.
 Für die Gemeinde ist das Ziel des Baus klar: Sie möchten den bestehenden Wohnraum qualitativ verdichten und einen Mix aus günstigen und teuren Wohnungen herstellen.
 Die Gemeinde Oberengstringen hat das Projekt von Anfang an befürwortet und unterstützt.

Visualisierung des Gebiets Lanzrain

Limmattaler Zeitung

Dem schönen Sommerabend zum Trotz konnte der Oberengstringer Gemeindepräsident André Bender (SVP) gestern 77 Stimmberechtigte im Gemeindesaal im Zentrum begrüssen. Hinzu kamen einige Gäste, die wegen der Abstimmung über den privaten Gestaltungsplan Lanzrain gekommen waren. So auch Roland Verardo. Er ist Präsident der Baugenossenschaft Schönheim. Diese will im Lanzrain verdichtet bauen. Konkret geht es um die Liegenschaften Zürcherstrasse 96, 98 und 100 und die Rebbergstrasse 79 und 81. Die fünf Gebäude mit total 44 Genossenschaftswohnungen sollen durch drei Gebäude mit total 69 Genossenschaftswohnungen ersetzt werden.

Nachdem der Gestaltungsplan letztes Jahr auflag – wozu auch ein Informationsabend durchgeführt wurde, kam es nun an der Gemeindeversammlung zur Diskussion und Abstimmung. Hochbauvorstand René Beck (CVP) erläuterte nochmals die wichtigsten Eckdaten. Dabei erwähnte er auch das Vorgehen bei den Bauarbeiten: Sowohl der Abriss als auch der Neubau soll in zwei Etappen geschehen. Dadurch entstehen der Bauherrschaft Mehrkosten von einer Million Franken. «So können bisherige Mieter bleiben», erklärte Beck, «nicht wie anderswo, wo alles aufs Mal plattgemacht wird.» Die neue Überbauung wird auch mit einer Photovoltaik-Anlage ausgestattet sein, weitere Dachflächen sollen mit einheimischen Pflanzen begrünt werden. Zudem gibt es viele Veloabstellplätze sowie Ladestationen für E-Bikes und Elektroautos. Geheizt werden soll die Überbauung mit Fernwärme der Limeco. Dies führte zur Frage eines Versammlungsteilnehmers – der das Schönheim-Projekt im Lanzrain lobte –, ob denn die Limeco-Leitungen schon bereit sind, bis die Überbauung gebaut ist. Bereits heute werden an der Rebbergstrasse, die zurzeit sowieso saniert wird, Leerrohre für die Limeco-Fernwärme eingebaut. «Bis 2021 sollte der letzte Meter Limeco-Leitung in Oberengstringen gebaut sein», sagte Beck, «das sollte eine Punktlandung geben.»

Streitpunkt Mehrwertabschöpfung

Während der Gestaltungsplan an und für sich kaum zu Gesprächen Anlass gab, sorgte die geplante 15-prozentige Mehrwertabschöpfung für so einige Fragen und Diskussionen. Die einen hätten sich gewünscht, dass der Gemeinderat mehr rausholt, die anderen würden am liebsten alles auf Eis legen, bis ein kantonales Mehrwertausgleichsgesetz vorliegt und wieder andere verstanden nur Bahnhof.

Und dann gab es noch die grosse Gruppe, die der Diskussion überdrüssig oder zum Schluss gelangt war, dass der Gemeinderat gut gearbeitet hatte. So kam es dann zu einem Antrag auf Diskussionsabbruch, dem mit 68 Ja-, 3 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen entsprochen wurde. Sodann nahm die Versammlung den Gestaltungsplan mit 73 Ja-Stimmen und 2 Enthaltungen an und die Mehrwertabschöpfung von 15 Prozent wurde wiederum mit 68 Ja-, 4 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen genehmigt.

Somit ist das Verdichtung auf dem Lanzrain weiterhin auf gutem Weg. 135'000 Franken Mehrwertabschöpfung hat die Gemeinde nun in Aussicht. Das Geld wird sie für städtebauliche Zwecke verwenden können. Sie profitiert auch davon, dass das Projekt Lanzrain in vielerlei Hinsicht hohe Standards erfüllt und den Zeitgeist trifft: vom Spielplatz, über die Unterflurcontainer und die Photovoltaikanlage bis hin zur Kostenmiete. Zudem kann die Genossenschaft Schönheim die Liegenschaft nicht verkaufen, das untersagen ihr ihre Statuten. «Das ist also kein Spekulant», erklärte Hochbauvorstand Beck. All das seien Gründe dafür, wieso der Gemeinderat die Mehrwertabschöpfung eher auf der defensiven Seite bemessen habe.

Zum Schluss der Versammlung erklärte Gemeindepräsident Bender, dass die revidierte Bau- und Zonenordnung zurzeit immer noch beim Kanton zur Vorprüfung liegt. Zudem stellte er das Leitbild 2018-2022 des Gemeinderats vor, das am Freitag veröffentlicht wird. Weiter wies er auch schon auf die Bundesfeier hin, die am 31. Juli um 19 Uhr beim Parkplatz zwischen den Hölzern stattfinden wird. Gastredner ist der Zürcher Stadtrat Richard Wolff (AL).

Massiv bessere Jahresrechnung 2018 einstimmig genehmigt

Die Jahresrechnung der Gemeinde Oberengstringen schloss bei einem Aufwand von rund 42,3 Millionen Franken und einem Ertrag von rund 45,2 Millionen Franken mit einem Ertragsüberschuss von 2,9 Millionen Franken und damit 4,1 Millionen Franken besser als budgetiert. Das wesentlich bessere Ergebnis als erwartet hat hauptsächlich mit einem Sondereffekt zu tun, ein Buchgewinn von 3,4 Millionen Franken aus einem Landverkauf, der eigentlich schon für 2017 und nicht für 2018 budgetiert war. Nachdem der ausbleibende Buchgewinn die Rechnung 2017 stark verschlechterte, hat er sie nun stark verbessert. Mit dieser Rechnung erhöhte sich das Eigenkapital auf 19,6 Millionen Franken und das Nettovermögen des Gesamthaushaltes auf 6,2 Millionen Franken. Auch ohne den Buchgewinn handle es sich aber um eine gute Rechnung, hielt Finanzvorstand Jürg Bruppacher (CVP) in seinen Erläuterungen fest. Denn auch ohne den Buchgewinn hätte man wesentlich besser abgeschlossen als erwartet. Dazu trugen unter anderem die Grundstückgewinnsteuern bei, die der Gemeinde 2,6 Millionen Franken statt 1,2 Millionen Franken eingebracht haben. In diesem Betrag ist auch Geld aus dem erwähnten Landverkauf enthalten. Die Gemeinde musste sich also selber Grundstückgewinnsteuern zahlen. Nach zwei kurzen Fragen genehmigte die Versammlung die Rechnung einstimmig. (deg)