Aesch
Gemeindeversammlung ändert vorgelegte Nassenmatt-Planung in letzter Minute ab

Mit 99 Stimmberechtigten und einer spannenden Diskussion fand am Mittwochabend die Gemeindeversammlung in Aesch statt. Die Stimmbürger wollen, dass das Nassenmatt-Neubauprojekt per Architekturwettbewerb starten und nicht im Gesamtleistungsverfahren erledigt werden soll.

David Egger
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Die Gemeinde Aesch braucht eine neue Turnhalle und ein neues Mehrzweckgebäude. Bei der Frage, wie das Projekt in Angriff genommen werden soll, ist man sich nicht ganz einig.

Die Gemeinde Aesch braucht eine neue Turnhalle und ein neues Mehrzweckgebäude. Bei der Frage, wie das Projekt in Angriff genommen werden soll, ist man sich nicht ganz einig.

Tobias Hänni

400 000 Franken stehen Aesch zur Verfügung, um einen Ersatzneubau für das Mehrzweckgebäude Nassenmatt und den Neubau einer Turnhalle voranzutreiben. Dies haben die 99 Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung vom Mittwoch entschieden.

Für die eigentliche Projektierung des konkreten Bauvorhabens benötigt es voraussichtlich Ende 2018 nochmals einen weiteren Kredit. Und 2020 kommt dann der Baukredit von geschätzten 12 bis 15 Millionen Franken an die Urne.

Das Volk will, dass zuerst ein Architekturwettbewerb durchgeführt wird. Zudem wird nochmals festgelegt, wo überhaupt gebaut wird. Die Arbeiten werden durch eine unabhängige Kosten- und Qualitätskontrolle begleitet.

Mehr als ein Ansprechpartner

Das Volk zieht also die Planungsbremse, sozusagen auf den letzen Drücker. Denn der Gemeinderat wollte ganz anders vorgehen: Er schlug eine Gesamtleistungssubmission vor. So wäre das Unternehmen, das sich in der Submission durchsetzt, von der Architekturphase bis zur Schlüsselübergabe der Ansprechpartner der Gemeinde gewesen.

Der Gesamtleistungsanbieter hätte sich zudem an ein von der Gemeinde bestimmtes Kostendach halten müssen. Wird der Bau teurer, trägt die Firma das Risiko selber. Weil es mit der Gesamtleistungssubmission weniger Zwischenschritte und eine Abstimmung weniger braucht, würde der Baukredit schon Anfang 2019 an die Urne kommen, der Bau wäre 2022 fertig.

Schlechte Erfahrungen mit Gesamtleistungssubmission

Doch hat die Gesamtleistungssubmission nicht nur Vorteile – zuletzt hat sich das gerade in Aesch gezeigt: Denn die Schulgemeindeversammlung befand über die Abrechnung des Baukredits zur 2015 fertiggestellten Erweiterung der Schulanlage Nassenmatt. Sie nahm ihn zwar an, aber das Bau- und Kostenmanagement des Generalunternehmers hat die Schulpflege teilweise Nerven gekostet. Die Firma musste erhebliche Mehrkosten übernehmen.

Zurück zur Politischen Gemeinde: Die Versammlung nahm auch die Abrechnung des Planungskredits für die Sanierung oder den Ersatz des Mehrzweckgebäudes Nassenmatt an. Den Kredit hatte die Versammlung im Juni 2014 gesprochen, er wurde um rund 15 000 Franken unterschritten, die Kosten betrugen total 105 000 Franken.

Das Ergebnis aus diesen Planungen, die dem vom Gemeinderat beantragten Projektierungskredit zugrunde lagen, widersprach in mehrerer Hinsicht der Meinung vieler Stimmbürger. Nicht nur die Frage nach dem weiteren Vorgehen gab zu reden.

Um Kinder-Sicherheit besorgt

Die von der Versammlung beschlossene Neudefinition des Projektperimeters hat damit zu tun, dass der Gemeinderat plante, am Standort des heutigen Mehrzweckgebäudes das neue Gebäude mit Gemeindesaal zu bauen und die Turnhalle – die heutige ist Teil des Mehrzweckgebäudes –, auf der andere Seite der Lielistrasse zu erstellen, wo sich heute der Kies-Parkplatz unterhalb des Werkgebäudes befindet.
Viele Bürger machen sich aber Sorgen um die Sicherheit der Schüler und Kindergärtner, die dann zwischen Schulanlage und Turnhalle die Lielistrasse überqueren müssten, auf der Tempo 50 gilt.

Gemeinderat holte 12 Stimmen

Auch der Aescher Stimmbürger und Architekt Alexander Schaerer ist überzeugt, dass sowohl Mehrzweckgebäude und Turnhalle auf der westlichen Strassenseite Platz haben. Er stellte an der Gemeindeversammlung erfolgreich den Antrag für einen Architekturwettbewerb und die Neudefinition des Projektperimeters.

Nicht erst in der Diskussion zeigte sich, dass sein Antrag gut ankommt: Schon die Rechnungsprüfungskommission schlug in ihrem Abschied ein Architekturwettbewerbsverfahren vor, da dieses mehr Flexibilität bei der Planung bietet: So sind bei den einzelnen Etappen bis zum fertigen Bau zum Beispiel noch Änderungen möglich. Während Schaerers Antrag kurz nach 22 Uhr die grosse Mehrheit fand, erhielt jener des Gemeinderats 12 von 99 Stimmen.

Gemeinderat bedankt sich fürs Engagement

Gemeindepräsident Johann Jahn (Forum) bedankte sich für die zahlreiche Teilnahme und die faire Diskussion. Und fügte an: «Es ist schön, dass hier ein motiviertes Engagement geleistet und intensiv mitgedacht wird.» Da die Bauplanung jetzt etwas länger dauert, werden im 48 Jahre alten Mehrzweckgebäude voraussichtlich noch die nötigsten Sanierungsmassnahmen vorgenommen werden müssen.