Coronavirus

Gastro-Zürich-City-Präsident warnt: «Für uns ist die Coronakrise noch lange nicht vorbei»

Die Unsicherheit kam für das Gastgewerbe mit der Corona-Lockerung, sagt Urs Pfäffli, Präsident von Gastro Zürich-City.

Die Unsicherheit kam für das Gastgewerbe mit der Corona-Lockerung, sagt Urs Pfäffli, Präsident von Gastro Zürich-City.

Urs Pfäffli, Präsident von Gastro Zürich-City, zeigt sich zufrieden mit der Leistung der Ämter in der Coronazeit. Er wünscht sich vom Bund jedoch mehr Unterstützung fürs Gastgewerbe.

Sie betreiben die Newsbar und das Restaurant Au Gratin im Zürcher Hauptbahnhof. In der Coronakrise mussten Sie für 23 Angestellte Kurzarbeit beantragen. Wie gut hat das funktioniert?

Urs Pfäffli: Ich war überrascht, wie gut es geklappt hat. Ich bin anfangs Lockdown persönlich beim Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) in Zürich vorbeigegangen, um nachzufragen, wie viel Entschädigung ich zugute habe und wie ich vorgehen muss. Ich konnte sogar am Schalter mit einem Angestellten reden. Während meiner 30-jährigen Laufbahn als Wirt habe noch nie gesehen, dass ein Amt, das normalerweise sehr schwerfällig ist, so schnell gehandelt hat. Die Anträge mussten nicht per Post erfolgen, sondern konnten online eingereicht werden. Innerhalb von zwei Tagen war das Geld auf dem Konto. Ich habe nur noch gestaunt, vor allem wenn man bedenkt, dass das Amt tausende von Anfragen erhielt.

Kinderleicht war das Ausfüllen der Formulare aber nicht. Mit welchen Herausforderungen hatten Sie zu kämpfen?

Es gab verschiedene Schwierigkeiten, so zum Beispiel bei der Berücksichtigung der Feiertage. In der Gastronomie hat man anders als in anderen Branchen 0,5 Feiertage pro Monat zugute. Das Formular zur Anmeldung der Kurzarbeitsentschädigung berücksichtigte diese Branchen-Unterschiede jedoch nicht. Ich habe das AWA darauf angesprochen und die Mitarbeiter zeigten sich offen gegenüber meiner Kritik und boten Hilfestellung an. Diese erhielten wir als Gastgewerbeverband in Form eines 50-minütigen Interviews mit einem AWA-Mitarbeiter, der uns zeigte, wie man die Formulare ausfüllt. Das Video davon stellten wir neben weiteren branchenspezifischen Anleitungen auf die Website von Gastro Zürich, um den Mitgliedern des Gastgewerbeverbands Hand zu bieten und sie zu unterstützen.

War es Ihnen als Verbandspräsident wichtig, ihren Mitgliedern die bürokratische Arbeit in der Krise zu erleichtern?

Ja, natürlich, dafür ist der Verband da. Ich bin selbst Gastwirt und habe am eigenen Leib erfahren, dass der ganze Prozess nicht so einfach ist. Deshalb war es mir ein Anliegen, meinen Kolleginnen und Kollegen helfen zu können. Unsere Branche war gut organisiert. Wer jedoch keine Branchenvertretung im Rücken hat, tut sich bestimmt schwerer. Ich empfehle Unternehmern ohne dieses Netz, sich an ihre Treuhänder zu wenden. Bei finanziellen Angelegenheiten haben diese meist den besseren Überblick.

Sie sind also nicht der Meinung, dass das AWA und die Arbeitslosenkassen dafür sorgen müssten, dass jeder Arbeitgeber aufgeklärt ist und weiss, wie er Kurzarbeitsentschädigung beantragen kann?

Nein, man kann das von den Ämtern nicht verlangen. Der Kanton kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass die Erklärungen nicht beim Hinterletzten angekommen sind. Das ist wie bei den Steuern. Man kann die Steuererklärung selbst ausfüllen, für schwierige Belange und komplexe Vermögensangelegenheiten braucht man aber einen Fachmann wie einen Buchhalter oder eben einen Treuhänder. Zudem muss man bedenken, dass die Kantone nur die Weisungen des Bundes ausgeführt haben. Ständig trafen neue Anordnungen und Informationen ein.

Gastro Zürich-City ist der Gastgewerbeverband der Bezirke Zürich und Dietikon und zählt über 1000 Mitglieder. Wie geht es dem Gastgewerbe in der Stadt und im Limmattal?

Nicht gut. Das Coronavirus ist nicht verschwunden. Der Tourismus ist nach wie vor stark eingeschränkt. Darunter leiden alle Hotels in Zürich, die enorme Einbussen haben. Hinzu kommt, dass die Restaurants in der Stadt im Sommer unabhängig von Corona zu kämpfen haben. Diese Zeit des Jahres verbringen die Leute meist am See oder auf einer lauschigen Terrasse. Viele Betriebe machen ihren grössten Umsatz daher im Winter und legen sich ein Polster an, um die Sommermonate zu überbrücken. Das war Corona-bedingt dieses Jahr nicht möglich. Das finanzielle Problem wird in der Stadt Zürich durch die teuren Mieten verschärft. Die Zeit während des Lockdowns war für uns Wirte eigentlich einfacher. Man wusste, was einem der Stillstand kostet und welche Rechnungen trotzdem bezahlt werden müssen. Mit der Öffnung kam die Unsicherheit. Wir hatten keine Ahnung, wie viele Gäste kommen, wie viel Personal und Material wir brauchen. Eine Kostenrechnung zu erstellen, war so viel schwieriger. Die ersten drei Wochen nach der Lockerung waren katastrophal, die Gäste blieben aus, Zürich war eine Geisterstadt. In den Aussenquartieren und im Limmattal war das anders. Corona hat dazu geführt, dass Leute Zentren meiden und eher ausserhalb oder auf dem Land unterwegs sind. In Dietikon und Schlieren war die Stimmung weniger angespannt als in Zürich. So erwies sich die Boulevard-Bestuhlung, also die Erweiterung des Aussenbereichs zwecks Abstandeinhaltung, im Limmattal als einfacher. Bilaterale und unbürokratische Lösungen wurden schnell gefunden.

Haben Sie trotz den grossen Schwierigkeiten Hoffnung für die Zürcher Gastronomie?

Als Unternehmer und Wirt ist man immer am Kämpfen. Das ist Teil des Berufs. Man hat immer Hoffnung, dass es besser wird. Wenn man nicht daran glauben würde, könnte man die aktuelle Situation nicht überstehen. Für uns ist die Coronakrise noch lange nicht vorbei. Wir verhandeln und diskutieren mit Versicherungen und Vermietern, damit sie uns entgegenkommen. Der Bund darf uns jetzt nicht alleine lassen. Ich verstehe die Wut vieler Gewerbebetreibenden, Kulturschaffenden, Klubbetreibern und Gastronomen. Man hat das Gefühl, man wird vergessen. Wir mussten dem Bundesrat während des Lockdowns vertrauen. Wir haben auf ihn gehört und gemacht, was er sagte. Ich finde, er sollte nun auch auf uns hören, auf die, die immer noch darunter leiden. Es ist falsch, so zu tun, als wäre alles wieder beim Alten. Wir brauchen immer noch Hilfe.

Urs Pfäffli ist Präsident von Gastro Zürich-City, dem Gastgewerbeverband der Bezirke Zürich und Dietikon. Dieser ist Teil von Gastro Suisse und zählt mit über 1100 Mitgliedern zur grössten Sektion des Verbands. Der 57-jährige Gastronom wirtet seit 30 Jahren. Er betrieb Restaurants in Zofingen und Zürich. Seit 2000 leitet Pfäffli die Newsbar und das Restaurant Au Gratin im Zürcher Hauptbahnhof.

Urs Pfäffli

Urs Pfäffli ist Präsident von Gastro Zürich-City, dem Gastgewerbeverband der Bezirke Zürich und Dietikon. Dieser ist Teil von Gastro Suisse und zählt mit über 1100 Mitgliedern zur grössten Sektion des Verbands. Der 57-jährige Gastronom wirtet seit 30 Jahren. Er betrieb Restaurants in Zofingen und Zürich. Seit 2000 leitet Pfäffli die Newsbar und das Restaurant Au Gratin im Zürcher Hauptbahnhof.

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