Dietikon
Für Schostakowitsch legten sich die jungen Musiker mächtig ins Zeug

Ungewohnte Klänge in der Dietiker St.-Agatha-Kirche. Den Heiligen in den Fensternischen muss es bei der Musik von Dmitri Schostakowitsch vorkommen, als brausten die Reiter der Apokalypse durch das Kirchenschiff.

Franziska Schädel
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Virtuose Beherrschung des Instruments: Flurin Cuonz am Violoncello.

Virtuose Beherrschung des Instruments: Flurin Cuonz am Violoncello.

Franziska Schädel

Die 65 jungen Musikerinnen und Musiker des Jugend Sinfonieorchesters Zürich legen sich mächtig ins Zeug bei der Sinfonie, die der russische Komponist bereits im Alter von 19 Jahren komponiert hat. Daniel Knecht, Vizedirektor der Musikschule Konservatorium Zürich und Mit-Organisator des Konzerts, kommt ins Schwärmen: «Die Sinfonie ist wie Stummfilmmusik, sie erzählt uns derart viele Geschichten. Mal ist sie wie ein Krimi, dann ganz lyrisch, zart und sehr emotional.»

Für die Romantiker im Publikum und als etwas sanfteren Einstieg spielt das Orchester unter der Leitung seines Dirigenten Massimiliano Matesic zuerst ein Konzert für Violoncello und Orchester von Robert Schumann. Der Solist Flurin Cuonz, ehemaliges Mitglied des Jugendorchesters, entlockt seinem Instrument die wunderbarsten Klänge und erhält tosenden Applaus: auch vom Publikum, aber vor allem von seinen ehemaligen Musikerkolleginnen und -kollegen.

Im Orchester sitzt eine junge Dietikerin. Lisa Gross ist seit vier Jahren dabei. Sie spielt Oboe und war mit dem Orchester schon auf Tournee in Japan, Italien und Argentinien. Es sei einfacher, vor Leuten zu spielen, die man nicht kenne, gesteht sie und ergänzt: «Das Konzert hat grossen Spass gemacht – obwohl die Musik von Schostakowitsch äusserst heikel ist.» Mit den vielen Soli sei man ziemlich ausgestellt, erklärt sie. Daran wird sich die junge Musikerin gewöhnen, hat sie doch inzwischen ein Musikstudium begonnen.

Durchschnittsalter von 17,3 Jahren

Es ist bereits das vierte Mal, dass der Kiwanis Club Limmattal-Zürich dem Jugend Sinfonieorchester Zürich in Dietikon einen Konzertauftritt ermöglicht. Das Orchester suche immer wieder Gelegenheit, in Orchesterformation vor Publikum aufzutreten, erklärt Felix Diem vom Vorstand des Clubs. Und er hat genau gerechnet: 17,3 Jahre betrage das Durchschnittsalter der Musiker an diesem Nachmittag. In Anlehnung an ein Luther-Zitat meinte Diem bei der Begrüssung: «65 sittsame, sanftmütige und vernünftige junge Musikerinnen und Musiker werden heute für uns spielen.» Er wünscht dem Orchester, das sein 25-jähriges Bestehen feiern kann, weitere 75 Jahre erfolgreiche Konzerte und Tourneen. Diesem Wunsch werden sich die Besucherinnen und Besucher wohl anschliessen, denn gerne wird man sich wieder einmal von diesen virtuosen jungen Musikerinnen und Musikern bezaubern lassen.

Der Kiwanis Club Limmattal-Zürich sammelte mit dem Verkauf von Kaffee und Kuchen vor Konzertbeginn für ein soziales Projekt. Kiwanis International finanziert anlässlich seines 100-jährigen Bestehens eine Tetanus-Impfkampagne in 38 Ländern der Dritten Welt. Und so konnte der Club an diesem Sonntagnachmittag doppelt Gutes tun.