Im Studio Fitnessplus in Dietikon sind die jungen Abonnenten kaum zu überhören. Sie stöhnen laut, wenn sie ihre Hanteln heben und lassen diese lässig wieder auf den Boden krachen.

Muskelshirts sind hier Pflicht, sodass jeder die Oberarme des anderen betrachten kann. Es reihen sich Kraftgeräte aneinander, dazwischen befindet sich ein Gang. Jeder, der hier langgeht, ist dem kritischen Blick der gewichtestemmenden Meute ausgesetzt.

Klar: Hier geht es um Selbstdarstellung. Aber auch um Gesundheit. Immer mehr Menschen wollen Muskeln aufbauen und vor allem immer mehr Junge.

Bereits über drei Viertel der jungen Männer möchten ihren Körper stählen. Das besagt eine unveröffentlichte Studie der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz. Grund dafür sei auch die Flut an Bildern von durchtrainierten Körpern in den Medien und im Internet. Etwa von Fussballer Cristiano Ronaldo, der mit gestähltem und nacktem Oberkörper jubelt.

21 Prozent der 15 bis 19-Jährigen besitzen in der Schweiz ein Fitnessabo. Mit zunehmendem Alter nehmen die Mitgliederzahlen ab: In der jüngsten Altersgruppe sind doppelt so viele im Fitnesscenter aktiv wie in der Altersgruppe der 60- bis 74-Jährigen, wie Zahlen der Studie «Sport Schweiz 2014» zeigen.

Dass Kraftsport boomt, bestätigt auch Janine Baumann, die als Fitnesstrainerin im Fitnessplus arbeitet. Es gebe Jugendliche, die jeden Tag zum «Pumpen» kommen, sagt sie.

Dass der Körper aber vor allem in der Regenerationsphase an Muskelmasse zulege, sei den wenigsten bewusst. Man könne als Trainer den Jugendlichen zwar davon abraten, zu viel zu trainieren. Ob diese dann aber darauf hörten, sei eine andere Frage.

Ein Abo gibt es ab 16 Jahren

Grundsätzlich darf im Fitnessplus ein Abo lösen, wer 16 Jahre oder älter ist. Bei allen Mitgliedern unter 18 Jahren werde bei der Vertragsunterzeichnung aber die Unterschrift der Eltern verlangt, so Baumann.

Besonders wichtig sei es, die Jugendlichen gut zu betreuen. Gerade bei günstigeren Fitnessketten komme es oft vor, dass gar kein Trainer vor Ort ist. «Die Jungen schauen sich Übungen auf Youtube an und ahmen diese nach», sagt Baumann. Das könne gefährlich sein, wenn man sie falsch ausführe oder zu viel Gewicht verwende.

Dadurch könne man sich längerfristig den Rücken kaputt machen. Zwar merke man im jungen Alter noch nichts davon, aber könne später Langzeitschäden davontragen. Deshalb werde im Fitnessplus bei jüngeren Kunden eine Intensivbetreuung angeboten, so Baumann.

Ebenfalls einen Unterschied werde für Jugendlichen bei der Abgabe von Nahrungsergänzungsmittel gemacht: Ampullen wie L-Carnitin, das bei der Fettverbrennung helfen soll, oder Kreatin, das das Muskelwachstum begünstigt, können erst ab 18 Jahren bezogen werden.

Einzig Proteinshakes vor und nach dem Training würden auch an Minderjährige ausgeschenkt. Sportärztin Georgina Montiel ist trotzdem der Meinung, dass solche Zusatzstoffe nicht notwendig sind. In Europa habe man das Glück, sich genügend ausgewogen ernähren zu können, wenn man genügend frische Produkte esse.

Im David Gym in Schlieren, dem grössten Fitnesscenter im Limmattal, werden Jugendliche ebenfalls speziell betreut. Vor allem die Einführung an den Geräten sei wichtig, sagt ein Trainer.

Junge verfügten noch nicht über dieselbe Selbsteinschätzung wie Erwachsene. Deshalb würden Betreuer aktiv werden, wenn sich Jugendliche zu schwere Gewichte vornehmen. Mehr als zwei Mal in der Woche zu trainieren, sei während des Wachstums ebenfalls nicht empfehlenswert, sagt er.

Zwei Mal in der Woche reicht

Adrian Kraft, diplomierter Ernährungsberater und Personaltrainer mit Studio in Schlieren, sieht das ähnlich. Zwar sei Krafttraining sinnvoll als Grundlage für alle Sportarten. Doch für Jugendliche reiche es aus, 30 Minuten am Stück zu trainieren. Die Muskeln müssten langsam aufgebaut werden.

Das Problem sei, dass Junge schnell Resultate sehen wollen. Dass oft zu Mittelchen gegriffen werde, die beim Muskelwachstum nachhelfen, sei eine gefährliche Entwicklung. Viel sinnvoller sei es, sich gesund zu ernähren und den Körper mit Grüntee zu «reinigen».

Marvin (16): «Von Pülverchen halte ich nicht viel»

Beim Bizepstraining am Kabelzug.

Beim Bizepstraining am Kabelzug.

«Seit letztem Dezember gehe ich ins Fitnesszentrum, trainiere aber erst seit einem Monat intensiv. Ich arbeite auf dem Bau und möchte vor allem meinen Rücken stabilisieren. Nachdem ich schwere Gegenstände gehoben habe, verspüre ich immer wieder Schmerzen im Rücken. Diese will ich mit meinem Krafttraining minimieren.

Dass mein Körper durch das Training besser aussieht, ist natürlich ein zusätzlicher Pluspunkt. Trotzdem achte ich darauf, dass ich es nicht übertreibe, denn die Gesundheit geht vor. Darum trainiere ich möglichst alle Muskeln gleichermassen.

Da ich nicht jeden Tag Zeit habe, um ins Fitnesszentrum zu gehen, bleibt den Muskeln genügend Erholung. Das ist mir wichtig, denn nur in dieser Zeit wachsen sie.

Momentan trainiere ich noch ohne Nahrungsergänzungsmittel oder Proteinshakes. Ich möchte aber möglichst bald mit Proteinshakes anfangen. Diese sind mir hier im Fitnesszentrum aber zu teuer, darum werde ich sie mir irgendwo anders kaufen oder online bestellen.

Von Anabolika und den ganzen anderen Pülverchen halte ich nicht viel. Ich will meine Muskeln natürlich definieren. Es dauert zwar länger, bis man einen Erfolg sieht. Dafür ist das Training gesund und die Muskeln bleiben erhalten, auch wenn man irgendwann einmal nicht mehr so intensiv trainiert.»

Mika (18): «Ich kenne mein Ziel und bin geduldig»

Mika trainiert mit der Kurzhantel.

Mika trainiert mit der Kurzhantel.

Erst seit Kurzem habe ich ein Fitness Abo gelöst. Da ich mit Kunstturnen aufgehört habe, wollte ich trotzdem weiterhin körperlich fit bleiben und keinesfalls Muskeln abbauen. Darum gehe ich jetzt drei Mal pro Woche ins Fitnesszentrum. Dort trainiere ich im Moment noch ziemlich alle Körpermuskeln.

Ein ausgewogenes Training ist mir wichtig. Ich will die Muskeln zuerst einmal aktivieren, bis ich dann mit einem spezifischen Training anfange, wo ich mich intensiver auf verschiedene Körperpartien konzentriere.

Nur ins Fitness zu kommen, um zu «pumpen», ist nicht meine Absicht. Klar sollen Arme, Beine und Oberkörper auch gut aussehen am Schluss, aber es soll vor allem ein gesundes Training sein.

Ich will mich auf keinen Fall verletzen und die Muskeln sollen echt und nicht nur mit Mitteln aufgepumpt sein. Darum lasse ich mich von den Fitness Instruktoren beraten, damit ich alles richtig mache.

Ich habe ausserdem einen Ernährungsplan ausgefüllt. Dieser wird von den Instruktoren überprüft und mit mir besprochen. Nach meinen Trainings nehme ich jeweils einen Proteinshake zu mir. Ansonsten trinke ich nur Wasser. Was ich vor allem wichtig finde, ist, dass man nicht planlos ins Fitnesszentrum geht, sondern das persönliche Ziel genau kennt und geduldig darauf hinarbeitet.»