Das Stadthaus betreten die Einwohner Dietikons meist nur, wenn sie bürokratische Dinge zu erledigen haben. Was sich aber hinter den Türen tagtäglich abspielt, wissen nur die wenigsten. Zum 25. Jubiläum des Stadthauses plaudert Otto Müller deshalb für einmal aus dem Nähkästchen und lädt interessierte Dietiker in den Saal ein, wo alle wichtigen Geschäfte der Stadt behandelt werden. Anwesend im Stadtratssaal sind auch die anderen Mitglieder des Stadtrats. Brav haben sie sich hinter ihren Stühlen rund um den grossen Tisch im Raum versammelt. Die Sitzordnung hier sei nämlich sehr strikt, sagt Müller. Jeder habe seinen Platz, da könne nicht einfach ausgesucht werden.

«Ein ziemlicher Fauxpas»

Am ersten Arbeitstag habe aber auch er genau diesen Fehler gemacht. «Ich habe mich prompt auf den falschen Stuhl gesetzt. Ein ziemlicher Fauxpas.» Je länger jemand im Amt sei, desto näher dürfe er beim Stadtpräsidenten sitzen. «Ob das ein Segen ist oder nicht, weiss ich aber nicht», so Müller. Die Anwesenden lachen – wahrscheinlich ein eher seltenes Vorkommnis in diesem Raum. Denn normalerweise, sagt Müller, gehe es im Stadtratssaal schon sehr formell zu und her. Wer etwas sagen wolle, müsse dies zuerst anmelden. Fast 1500 Geschäfte seien im vergangenen Jahr an diesem Tisch verhandelt worden, so Müller. Die längste Sitzung habe über drei Stunden gedauert, die kürzeste davon nur gerade 15 Minuten.

Zum Jubiläum dürfen die Dietiker aber nicht nur den Stadtpräsidenten mit Fragen löchern. Auch die Polizei ist vor Ort und gewährt einen Einblick in den täglichen Dienst. Polizist Roger Minder zeigt Interessierten, wie das Radargerät platziert und eingerichtet werden muss, um zu schnell fahrende Lenker zu blitzen. Eine ziemliche Präzisionsarbeit, zumal sowohl der Lenker aus auch die Autonummer des Fahrzeugs auf dem Foto gut zu erkennen sein müssen. Minder betont aber, dass es hierbei nicht um die Rendite gehe.

«Wichtig ist uns die Verkehrssicherheit», sagt der Polizist. Deshalb würden vor allem 30er-Zonen und Strassen mit Fussgängerstreifen in der Nähe von Schulen überprüft. Auf die Frage, ob er diese Aufgabe seines Jobs gerne erledige, zuckt Minder mit den Schultern. «Sagen wir es so, es ist eine willkommene Abwechslung zu den anderen eher bürokratischen Tätigkeiten.»

Bibliothek verschenkt alte Medien

Während sich viele Jungen für die ausgestellten Polizeiautos interessieren und begeistert die Ausstattung der Wagen bewundern, sind die Mädchen verzaubert von Clownette Carla Pinana, die im Gebäude nebenan ihre Ballonkunst zur Schau stellt und allen Kindern eine Blume bastelt. Denn auch die Bibliothek hat Grund zum Feiern, sie ist dieses Jahr 20 Jahre in Dietikon.

Schon vor dem Eingang versammeln sich die Besucher. Hier gibt es einen Stand mit ausgeschiedenen Medien, die gratis mitgenommen werden können. Normalerweise mistet Agnes Matt, die Leiterin der Bibliothek, schon am 23. April zum Tag des Buches verschiedenste Bücher, DVDs, Hörspiele und Kassetten aus.

Doch dieses Jahr habe es sich angeboten, die Aktion auf das Jubiläumsfest zu verlegen. «Es gibt immer noch Leute, die waren noch nie in der Bibliothek. Durch Anlässe wie diese erhalten sie die Möglichkeit, sich einmal ganz ungezwungen umzuschauen», so Matt. Auch Eveline Moser, die ebenfalls in der Bibliothek arbeitet, findet die Feier eine gute Idee. «Heute darf man sich überall umschauen, alle Türen stehen offen. Zudem beantworten wir sehr gerne Fragen zu unserem Beruf.»

Musikschule füllt mit Klang

Wer sich nicht nur umsehen, sondern auch etwas hören möchte, der ist im Haus der Musikschule gut aufgehoben. Denn auch sie feiert dieses Jahr: ihr 40-jähriges Bestehen. Schon von draussen sind die Klänge der Musik zu hören. Die Leiterin der Musikschule, Daniela Jordi, musiziert gerade mit Dietrich Pestalozzi, Mitglied des Vorstands. «Wir möchten das Haus mit Klang erfüllen, sodass sich die Besucher gleich auf Anhieb bei uns wohlfühlen», sagt Jordi.

Dietrich Pestalozzi und Daniela Jordi musizieren zusammen

Mit Klang erfüllt wird nach dem Mittag aber sowieso der ganze Platz vor dem Dietiker Stadthaus. Das Begegnungsfest mit musikalischen Klängen aus der ganzen Welt findet gleich im Anschluss an die Jubiläumsfeiern statt. Zudem gibt es allerlei Spezialitäten aus fernen Ländern. Es ist bereits die fünfte Ausgabe des Festes. Ziel des Anlasses ist es jedes Jahr, dass sich die verschiedenen Bevölkerungsgruppen der Stadt begegnen.