Dass die Friedensrichterwahl in Schlieren umkämpft sein wird, ist seit Anfang März Tatsache. Damals wurde bekannt, dass GLP-Gemeinderätin Songül Viridén (Jahrgang 1973) Konkurrenz vom parteilosen Juristen Adrian Leimgrübler (1960) erhält (die Limmattaler Zeitung berichtete). Nun schaltet sich nach Ablauf der zweiten Frist zur Einreichung von Wahlvorschlägen eine weitere Kandidatin in den Wahlkampf ein.

Die parteilose Janine Martí-Matt (1967) stellt sich für das Amt zur Wahl. Die Schlieremerin ist Juristin und arbeitet seit 14 Jahren in einer Anwaltskanzlei in Zürich. «Die Aufgabe reizt mich fachlich sehr. Ich bin mit den Gesetzen vertraut und sehe mich als gute Vermittlerin, die auf Menschen zugehen kann», sagt Martí-Matt. Das ist aber nicht der einzige Grund für ihre Kandidatur. «Schlieren liegt mir sehr am Herzen. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Meine ganze Familie lebt in der Gemeinde und engagiert sich in Vereinen und Kommissionen.» Sie selbst war Mitglied in der Damenriege und in der Harmonie Schlieren. «Von der vierten bis zur sechsten Primarschule sang ich sogar für die Schlieremer Chind.»

Kommunizieren und zuhören

Sich als Friedensrichterin für ihre Heimatstadt einzusetzen, sei ihr ein grosses Anliegen. Ein Vorzug seien zudem ihre Fremdsprachenkenntnisse. Die gelernte Kauffrau war 20 Jahre in der Tourismusbranche tätig und spricht daher Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. «Als Friedensrichterin muss man kommunizieren und zuhören können. Je mehr Sprachen man beherrscht, umso besser», sagt Martí-Matt. Trotz der beachtlichen Konkurrenz rechne sie sich gute Chancen aus, am 19. Mai von den Schlieremerinnen und Schlieremern gewählt zu werden. «Ich erhalte viel gutes Feedback aus meinem Bekanntenkreis und bin überzeugt, dass ich sehr gut für das Amt geeignet bin.» Wenn es nicht klappen sollte, gehe für sie die Welt aber nicht unter.

Warum sich Martí-Matt erst jetzt zur Wahl stellt und die beiden Fristen verstreichen liess, sei auf ein Missverständnis zurückzuführen. «Ich bin davon ausgegangen, dass Friedensrichterin Eliane Graf ihr Amt trotz Erreichung des Pensionsalters bis 2021 ausüben wird. Doch da lag ich offensichtlich falsch.» Mit Flyern und Werbeaktionen will Martí-Matt ihren zeitlichen Rückstand nun wettmachen.

Songül Viridén nimmt die Nachricht einer weiteren Kandidatur gelassen. «Das politische System lässt es zu, dass auch nach der Meldefrist von Wahlvorschlägen Kandidaten antreten können», sagt die diplomierte Marketing- und Kommunikationswirtin. Zudem sei schon seit längerem gemunkelt worden, dass sich noch jemand weiteres für das Amt interessiere. Schade findet sie aber trotzdem, dass ihre Konkurrentin das nicht früher kommuniziert habe. Zeit genug sei ja gewesen. Eine weitere Anwärterin für die Friedensrichterwahl bedeutet für Viridén, dass sich das Wahlverfahren in die Länge ziehen könnte. «Wenn die Stimmberechtigten drei Personen zur Auswahl haben, ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass es zu einem zweiten Wahlgang kommt.» Nach wie vor ist sie sicher, dass sie die beste Besetzung ist. «Ich fühle mich für das Amt berufen. Ich bin mit Schlieren verbunden und zeige grosses Engagement in der Stadt.» Die Politikerin gründete zum Beispiel den Basketball Club Schlieren für Schülerinnen und Schüler mit oder rief den Tourismusverein Visit Schlieren ins Leben.

Feinfühligkeit statt Fachwissen

Dass sie nun als einzige ohne juristischen Abschluss im Rennen ist, beunruhigt sie nicht. «Ich verfüge über ein juristisches Grundstudium und denke, dass es viel wichtiger ist Moderatorin, Mediatorin und Kommunikatorin zu sein. Es geht in dem Amt darum, zwischen zwei Parteien zu verhandeln und zu schlichten. Das liegt mir.» Es könne manchmal allenfalls hinderlich für gute Lösungen sein, wenn man zu sehr in festgefahrenen Strukturen denke. «Feinfühligkeit und Sozialkompetenz sind hier mindestens so wichtig wie fachliches Wissen», sagt Viridén.

Nun gegen zwei Konkurrentinnen antreten zu müssen, stört Adrian Leimgrübler nicht. Er kenne die Person nicht und könne nur von sich sprechen. «Die amtierende Friedensrichterin gewährte mir Einblick in ihr Aufgabengebiet. Ich bin sicher, dass ich für diese Tätigkeit gerüstet bin», sagt Leimgrübler, der lange in der FDP war und von 2001 bis 2015 als Bezirksratspräsident und Statthalter des Bezirks Dietikon amtete. Er gibt sich selbstbewusst: «Ich will diese Wahl gewinnen und mein fundiertes Wissen einbringen.»