Die Schlieremer Friedensrichterwahl ist ein Kampf auf Augenhöhe. Die drei Kandidaten liegen beinahe gleichauf. Das beste Ergebnis erzielte mit 777 Stimmen der parteilose Jurist Adrian Leimgrübler (Jahrgang 1960). Ihn trennen nur 100 Stimmen von der zweitplatzierten GLP-Gemeinderätin Songül Viridén (Jahrgang 1973). Die Marketing- und Kommunikationswirtin erhielt 677 Stimmen. Noch knapper ist der Abstand zur zweiten weiblichen Kandidatin. Die parteilose Juristin Janine Martí-Matt (Jahrgang 1967) holte sich 646 Stimmen und liegt damit lediglich 31 Stimmen hinter Viridén. Die Wahlbeteiligung betrug 26,3 Prozent.
Damit ist der Kampf um die Nachfolge von Eliane Graf, die im Sommer aufgrund ihrer Pensionierung vor dem Ende der laufenden Amtsperiode 2015 bis 2021 nach 22 Jahren als Friedensrichterin zurücktritt, jedoch noch nicht entschieden. Alle drei Kandidaten verpassten das absolute Mehr von 1054 Stimmen. Ein zweiter Wahlgang wird nötig. Dieser soll voraussichtlich am 1. September stattfinden. Gemäss Stadtschreiberin Ingrid Hieronymi werden den Wahlunterlagen für den nächsten Urnengang aber keine Wahlvorschläge mehr beigelegt.

Langjährige Erfahrung

Auch wenn er das absolute Mehr nicht erreicht hat, zeigt sich Adrian Leimgrübler zufrieden mit seinem Resultat: «Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass ich die meisten Stimmen erhalten habe. Dass es zu einem zweiten Wahlgang kommt, hat sich bereits im Vorfeld abgezeichnet», sagt er auf Anfrage. Er danke seinen Wählerinnen und Wählern ganz herzlich für das Vertrauen, das sie ihm entgegengebracht hätten. «Ausschlaggebend war wohl meine langjährige Erfahrung im Beurteilen, Schlichten oder Entscheiden von Rechtsstreitigkeiten», erklärt sich Leimgrübler sein gutes Abschneiden. Die Teilnahme am zweiten Wahlgang ist für ihn deshalb keine Frage. «Aufgrund der komfortablen Ausgangslage steige ich mit Freude und Elan in den zweiten Wahlgang.»

Weiterkämpfen will auch Songül Viridén. «Ich bin zuversichtlich, dass ich im zweiten Wahlgang mehr Stimmen bekommen werde», sagt sie auf Anfrage. «Das Resultat zeigt, dass ich als jetzige Zweitplatzierte bessere Wahlchancen habe und die Wähler, die lieber eine der beiden Frauen in diesem Amt haben möchten, dann sicher eher auf mich setzen werden.» Sie freut sich über ihr Ergebnis. «Natürlich hätte ich mir noch mehr Stimmen erhofft. Doch ich bin zufrieden, dass ich so einen hohen Stimmenanteil erreichen konnte und es auf Platz zwei geschafft habe.» Das zeige ihr, dass viele Schlieremerinnen und Schlieremer ihr diese Position zutrauen und auch sehen, dass sie das Amt optimal besetzen würde. Sie danke ihren Wählerinnen und Wählern. «Ich habe gehört, dass sich viele Wählerstimmen zwischen mir und Janine Martí-Matt aufgeteilt haben. Falls sie im zweiten Wahlgang nicht mehr antritt, erhöhen sich meine Wahlchancen markant», sagt Viridén.

Es könnte knapp werden

Einen Rückzug machen, will Janine Martí-Matt nicht. Im Gegenteil: «Ich freue mich über mein Resultat und werde weitermachen. Ich liege nur 31 Stimmen hinter Songül Viridén und das, obwohl ich keine Parteiunterstützung hatte und in den offiziellen Wahlunterlagen nicht aufgeführt worden bin, weil ich meine Kandidatur erst nach Ablauf der zweiten Frist zur Einreichung von Wahlvorschlägen bekannt gegeben habe», sagt Martí-Matt. Sie zeigt sich zuversichtlich: «Beim zweiten Wahlgang bin ich von Anfang an dabei. Das war mein grosses Manko beim ersten Mal.» Für Martí-Matt ist klar: «Auch die zweite Wahl könnte knapp werden, es bleibt also spannend bis zum Schluss.»