Wirkt Silvia Steiner bei ihren Medienauftritten sachlich und strukturiert, so zeigt sie im persönlichen Gespräch auch ihre lockere Seite, lässt sich Zeit, erzählt von der Oper oder von der US-Sängerin Pink, auf deren Konzert sie sich schon freut. Mitgebracht hat sie drei Schulatlanten – in Deutsch, Italienisch und Französisch. Der Klassiker, dessen neuste Ausgabe durch digitales Material ergänzt wird, symbolisiert für sie Tradition und Wandel im Zürcher Bildungssystem.

Dort ist Silvia Steiner angekommen. «Nach einem Sprung ins kalte Wasser», wie sie selbst sagt. Im Bildungsteich fühlt sich die Schwimmerin, ehemalige Handballerin und Mutter von zwei erwachsenen Kindern mittlerweile wohl. Über Bildung könne man mit allen sprechen, und es komme sogar vor, dass sich fremde Personen bei ihr bedankten: Etwas, das sie als Staatsanwältin und Kriminalpolizei-Chefin nicht oft erlebt habe.

Auch wenn man Politiker und Verbände nach ihrer Leistung fragt, hört man zunächst einmal Lob. Jacqueline Peter (SP), Präsidentin der kantonsrätlichen Kommission für Bildung und Kultur, sagt: «Sie setzt um, was sie angekündigt hat. Und sie initiiert an der Volksschule keine neuen Projekte, was vermutlich etwas Ruhe in ein bewegtes Feld gebracht hat.»

Die Atlanten symbolisieren für Silvia Steiner Tradition und Wandel im Bildungssystem.

Der EVP-Regierungsratskandidat und Pfäffiker Schulpräsident Hanspeter Hugentobler bestätigt: «Ich erlebe sie als kompetente Bildungsdirektorin. Mir scheint auch, dass sie ihre Ämter gut führt.» Sie tausche sich mit Lehrpersonen aus und scheine deren Arbeit zu schätzen, sagt Christian Hugi, Präsident des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands.

Und Kaspar Vogel vom Verband Sek ZH sagt, dass es ihr bei der Einführung des neuen Lehrplans gelungen sei, die Anliegen der Basis gebührend zu berücksichtigen. Laut Vera Lang, die dem Verband der Zürcher Schulpräsidien vorsteht, agiert die Regierungsrätin umsichtig und überlegt, ist gradlinig, ehrlich und direkt.

Sparen als Dauerauftrag

Erst wenn es ums Geld geht, driften die Meinungen auseinander. Der Lehrer und SVP-Kantonsrat Matthias Hauser schätzt ihr «eher bürgerliches Finanzgewissen». Jacqueline Peter dagegen stört, dass unter ihrer Führung alles kostenneutral zu sein habe und dadurch viele Vorschläge abgeblockt würden. Hanspeter Hugentobler sieht das ähnlich: «Man spürt manchmal, dass sie in das bürgerliche Sparbündnis eingebunden ist.»

Regierungsratskandidatin Silvia Steiner von der CVP im Interview

Regierungsratskandidatin Silvia Steiner von der CVP im Interview

CVP-Regierungsratskandidatin und Bildungsdirektorin Silvia Steiner im Gespräch.

Das frustriere besonders jene, die trotz Sparmassnahmen immer mehr Schülerinnen und Schüler, immer mehr Berufsbildende und Studierende ausbilden müssten. «Die Leistungen zu überprüfen ist ein Dauerauftrag», erwidert Silvia Steiner. Sie sei dazu verpflichtet, sorgsam mit Steuergeldern umzugehen. «Und nicht immer bedeuten mehr Mittel eine bessere Lösung. Es ist mir aber auch bewusst, dass es für die Schulen nicht einfach war, die Vorgaben umzusetzen.»

Am lautesten wird die Kritik beim Berufsauftrag, der unter anderem das Zeitbudget der Lehrpersonen vorgibt. «Mit dem neuen Berufsauftrag wurde Entlastung versprochen», sagt Kaspar Vogel von Sek ZH. «Für die Lehrerschaft bedeutet er aber eine Mehrbelastung und für Gemeinden eine Sparvorlage.» Matthias Hauser bemängelt, dass Silvia Steiner in diesem Fall zuwenig in den Schulalltag hinein geschaut und auf Klassenlehrpersonen gehört habe. «Es scheint, dass sie in den Vernehmlassungen statt Praktikerinnen und Praktikern lieber Fachstellen, Schulleitenden und Schulpräsidien vertraut.»

Silvia Steiner lässt diesen Vorwurf nicht gelten: «Ich nehme die Klagen über den Berufsauftrag ernst. Wir mussten aber zuerst Erfahrungen sammeln. Nun lassen wir den Berufsauftrag genau untersuchen und wenn nötig gibt es Anpassungen.»

Fokus Schuleintritt

Dass sie sich umstimmen lässt, hat ihre Vorlage zur Kommunalisierung der Schulleitungen gezeigt. Auf die 15-Millionen-Sparmassnahme, mit der die Gemeinden sämtliche Lohnkosten der Schulleitungen hätten übernehmen müssen, verzichtete sie nach dem Protest fast aller schulrelevanter Akteure. «Mit Widerstand lässt sich im Schulwesen nichts umsetzen», begründet Steiner die Kehrtwende. Beim kürzlich präsentierten Projekt «Gymnasium 2022», mit dem sie die Digitalisierung im Gymi vorantreiben und den Übertritt von der Volksschule besser lösen will, hat sie früh alle Beteiligten einbezogen. «Ich bin ein Freund des Vernetzens», sagt sie.

Wichtig sind ihr zudem genügend Schulraum und fliessende Übergänge zwischen den Bildungsstufen, etwa von der Volksschule in die Mittelschule oder die Berufsbildung. Damit auch der Eintritt in den Kindergarten besser gelingt, will sie in die frühkindliche Förderung investieren. Nicht mit Pflicht-Deutsch für Vierjährige, wie es teils gefordert wird. Zielführender scheint ihr, Eltern in der Erziehung zu bestärken. «Entscheidender als Deutsch ist, dass Kinder eine Basis in ihrer ersten Sprache haben, dass sie Geschichten hören, singen und beispielsweise lernen, selber eine Jacke anzuziehen.»

Vieles spricht dafür, dass die 60-jährige Stadtzürcherin am 24. März wiedergewählt wird und diese Aufgaben angehen kann. Sie selbst wagt keine Prognose. «Man weiss nie, woran man ist», sagt sie – und erinnert daran, dass sie 2015 in den Umfragen im hinteren Feld rangierte, um dann unter den Neukandidierenden das beste Resultat zu erzielen.