Die Diskussion um die vom Zürcher Stimmvolk im Mai 2017 abgelehnte Volksinitiative für nur noch eine Fremdsprache an der Primarschule zeigte: Frühfranzösisch ist bei vielen Schülern nicht allzu beliebt. Auch Lehrkräfte haben vielfach Mühe damit. Die Initiative wurde damals aus Lehrerkreisen lanciert.

Französischmuffeln helfen könnten mehr und längere Welschlandaufenthalte, sowohl für Lehrpersonen als auch für Schülerinnen und Schüler. Darüber waren sich die Parteien und Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) am Montag im Kantonsrat einig. Punkto Machbarkeit gingen die Meinungen aber auseinander.

Austauschprogramme erschwert

Anlass für die Debatte war ein Bericht, den der Regierungsrat aufgrund zweier Postulate verfasst hatte. Im Bericht betont die Regierung, dass es wegen der unterschiedlichen Lehrgänge an den pädagogischen Hochschulen (pH) in den verschiedenen Kantonen schwierig wäre, die geforderten längeren Sprachaufenthalte zu ermöglichen. Voraussetzung wäre eine interkantonale Harmonisierung der pH-Lehrpläne. Sie würde Jahre dauern. Zudem würden längere Sprachaufenthalte das Studium verlängern und verteuern. Ausserdem gebe es viel mehr angehende Zürcher Lehrkräfte als solche aus der Romandie, was Austauschprogramme weiter erschweren würde.

Der Kantonsrat gibt sich damit nicht zufrieden. «Wir fordern, dass sich der Regierungsrat für eine bessere Koordination unter den pädagogischen Hochschulen einsetzt», sagte Jacqueline Peter (SP, Zürich) als Präsidentin der kantonsrätlichen Kommission für Bildung und Kultur. Es gehe nicht an, dass Studierende für Austauschsemester in Frankreich oder Belgien Stipendien erhielten, nicht aber für Welschlandaufenthalte.

"Zehn Wochen genügen nicht"

«Wofür haben wir eigentlich die Erziehungsdirektorenkonferenz?», doppelte Rochus Burtscher (SVP, Dietikon) nach – nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die in der Schweizer Bildungspolitik tonangebende EDK von der Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) präsidiert wird.

«Zehn Wochen Sprachaufenthalt genügen nicht», sagte Markus Späth (SP, Feuerthalen) in Anspielung auf die heute gängige Zürcher Praxis der Volksschullehrerausbildung. «Kinder haben ein Recht auf Lehrer, die fliessend Französisch oder Englisch sprechen.» Zudem wäre auch ein vermehrter Schüleraustausch über die helvetischen Sprachgrenzen angebracht: «Mindestens einmal pro Schulzeit sollte jeder Schüler wenigstens für ein paar Tage in einem anderen Sprachgebiet sein», so Späth weiter. Heute sei dies nur bei sieben Prozent der Schülerinnen und Schüler der Fall.

«Wir können es nicht befehlen»

Christoph Ziegler (GLP, Elgg), von Beruf Sekundarlehrer, erinnerte sich an seine schon länger zurückliegende Ausbildung: «Ich musste noch einen Französisch-Aufenthalt von mindestens 20 Wochen nachweisen. Heute werden von Lehrpersonen nur noch wenige Wochen Sprachaufenthalt gefordert.»

Die Kritik, wonach der Regierungsrat in der Lehrerausbildung punkto Welschlandaufenthalte zu wenig Gas gebe, teilten auch Vertreter von FDP, Grünen, CVP und AL.
Nun muss der Regierungsrat dem Parlament innert zwei Jahren einen Bericht über weiterführende Bemühungen für mehr und längere Welschlandaufenthalte vorlegen.

Bildungsdirektorin Steiner erklärte, der Regierungsrat teile die Auffassung, dass dieses Ziel erreicht werden sollte. «Wir können es aber nicht befehlen, wir brauchen dafür Partner. Ich glaube nicht, dass andere pädagogische Hochschulen darauf gewartet haben, Tipps aus Zürich zu erhalten», gab die CVP-Regierungsrätin und EDK-Präsidentin zu bedenken.

Allerdings habe die EDK mit der 2017 lancierten Agentur Movetia ein Projekt in der Pipeline, das den Sprach- und Kulturaustausch innerhalb der Schweiz fördern soll. Movetia wird vom Bund und der EDK getragen. Wie weit damit der Kantönligeist zu überwinden ist, bleibt abzuwarten.