Aesch
Freakige Bühnenkünstler: Gelingt «The Moonling» mit dem zweiten Album der Durchbruch?

«Wir sind ein wenig wahnsinnig» - die theatrale Rock-Band «The Moonling», von der zwei Mitglieder aus Aesch stammen, wagen mit einem neuen Album den Neustart. Trotzdem sind sie ihrem Stil treu geblieben und singen weiterhin in Deutsch und Englisch.

Daniel Diriwächter
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ZVG
Plattencover von «The Moonling» Die Mitglieder von «The Moonling» kennen sich bereits seit ihrer Studentenzeit und gehen neben der Musik einer regulären Arbeit nach. «Of Toys And Their Master’s Voice» ist ihr mittlerweile zweites Album nach dem 2013 erschienenen «iMask». Die Plattentaufe findet am Samstag, 7. Oktober um 20 Uhr im frisch renovierten Saal des Zürcher Kammerorchesters im Seefeld statt. (ddi)

Plattencover von «The Moonling» Die Mitglieder von «The Moonling» kennen sich bereits seit ihrer Studentenzeit und gehen neben der Musik einer regulären Arbeit nach. «Of Toys And Their Master’s Voice» ist ihr mittlerweile zweites Album nach dem 2013 erschienenen «iMask». Die Plattentaufe findet am Samstag, 7. Oktober um 20 Uhr im frisch renovierten Saal des Zürcher Kammerorchesters im Seefeld statt. (ddi)

Limmattaler Zeitung

Als die Band «The Moonling» vor vier Jahren ihr Debüt-Album in den Orbit schoss, war sie gekommen, um zu bleiben. Ohne Plattenfirma im Rücken, dafür mit einer gehörigen Portion Wagemut, zog es die damals sechs Musiker auf die Bühne. Der grosse Durchbruch blieb aus, aber war auch nicht ihr erklärtes Ziel. Viel eher ging es um die Musik; theatralischen Space-Rock, wie sie es nennen. Jetzt haben die Mondlinge ihr zweites Album am Start und wollen der Musikkarriere wieder Schwung verleihen. «Es soll für uns ein Neustart werden», sagt Bassgitarrist Martin Rüegg, der wie Schlagzeuger Fabian Flückiger aus Aesch stammt.
«Of Toys And Their Master’s Voice» nennt sich das Werk, das ab heute erhältlich ist.

Mittlerweile sind «The Moonling» noch zu fünft: Die beiden Aescher spielen zusammen mit Roman Rey an der E-Gitarre, Olivier Stuber am Keyboard und Sänger und Texter Sebastian Möhr. Sie sind sich einig, dass sie auch so sehr gut funktionieren. Geprobt wird, wie schon vor vier Jahren, in einem Dachstock in Aesch. Und weg vom Fenster waren sie nie wirklich. «Wir spielten einige Konzerte und waren bei einem Goa-Festival in Graubünden zu Gast», sagt Flückiger. Vor zwei Jahren spannte die Band mit der Gruppe Teatro Orfeo zusammen, für deren satirisches Stück «Mensch made in» sie die Musik schrieben.

Auf die Spitze treiben

Seither entstanden 13 neue Songs, aufgenommen im Urdorfer «downstairs-studio.ch», die nun auf «Master’s Voice» veröffentlicht wurden. «Wir sind unserem Stil treu geblieben, aber haben uns auch weiterentwickelt», sagt Leadsänger Möhr. Die vorab veröffentlichten Songs «Paradise Lost», «Their Master’s Voice» und «Monkeyfication», bei denen Möhr wie früher in Deutsch und Englisch singt, tragen die unverkennbare Handschrift der Mondlinge; sie sind freakig, aber dennoch eingängiger als auf dem Erstling «iMask». «Die neuen Songs sind kompakter, wir kommen eher auf den Punkt. Auf lange Versionen verzichteten wir», sagt Rüegg.

Das neue Album hat, wie es der Titel vermuten lässt, eine rote Linie: «Wir wollten das Thema der Digitalisierung auf die Spitze treiben», so Möhr. «Wer ist der Meister? Wer ist das Spielzeug? Wer beherrscht wen: der Mensch die Maschine oder umgekehrt?» Allzu ernst wollten die Musiker aber nicht werden. «Wir haben auch einfach Lust, ein unheimliches Szenario in den Songs zu erschaffen.»
Die Mondlinge selbst kamen um die Digitalisierung nicht herum. Gab es ihr erstes Werk noch als CD, verzichten sie bei «Master’s Voice» auf das Pressen von Tonträgern. Die neuen Songs werden auf allen verfügbaren Musikseiten zum Download erhältlich sein. Damit man an Konzerten trotzdem ihre Musik kaufen kann, wollen sie das Album auf USB-Sticks anbieten. «Darauf befinden sich nicht nur die Songs, sondern auch die Videos, das Plattencover, die Texte und andere Extras», sagt Rüegg.

Eine Taufe der besonderen Art

Die Mondlinge belassen es nicht nur bei der Musik. Viel eher sehen sie sich als Bühnenkünstler, die in Theatralik und Effekten schwelgen. «Ein einfaches Rockkonzert wäre nichts für uns», sagt Möhr. Ihre Auftritte sind durchdachte Inszenierungen, in denen auch Videoprojektionen und ausgefallene Outfits eine Rolle spielen. Da ihnen kein Manager reinredet, geniessen die Musiker ihre selbsterschaffene Narrenfreiheit. «Man muss ein wenig wahnsinnig sein, um unsere Ideen umzusetzen», sagt Möhr.

Schlagzeuger Flückiger arbeitet zudem für eine Effekte-Firma; Know-how, das er für seine Band einsetzen kann. «Dadurch habe ich auch viele Kontakte und konnte so den Saal des Zürcher Kammerorchesters für unsere Plattentaufe gewinnen.» Dort werden «The Moonling» noch vor dem Orchester den frisch renovierten Saal einweihen. Es soll ein Spektakel werden, aber Details wollen sie nicht verraten, nur so viel: «Wir spielen auch Songs aus dem ersten Album und wollen für das Konzert den ganzen Saal nutzen», verspricht Rüegg.
Danach wollen sie am Ball bleiben, sprich, Pressearbeit machen und eine Tournee planen. «Wir haben viel Erfahrung mit dem Debüt gemacht. Das kommt uns jetzt zugute», sagt Rüegg.