Schlieren

Frau rammt Partner Käsemesser ins Bein – Bezirksgericht ordnet stationäre Suchttherapie an

Eine Schlieremerin musste sich wegen Körperverletzung vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Sie hatte ihren Partner mit einem Käsemesser attackiert. Nun muss sie eine stationäre Suchttherapie weiterführen.

Wieder mal hatten sie Streit: In der letzten Silvesternacht beschimpften sich in Schlieren eine heute 50-jährige Frau und ihr 34-jähriger Partner. Er stiess sie in der Küche gegen die Wand. Daraufhin griff die Frau zu einem zwölf Zentimeter langen Käsemesser mit zwei Spitzen und rammte es ihm in den Oberschenkel. Die Notfallsanitäter banden das Bein wegen des starken Blutverlustes vorsorglich ab, die Sache ging dann aber relativ glimpflich aus. Noch am selben Tag konnte der Mann das Spital wieder verlassen. Zehn Tage lang war er arbeitsunfähig.

Die 50-Jährige sass danach wegen Wiederholungsgefahr über ein halbes Jahr lang in Untersuchungshaft, seit August lebt sie in einer Suchtklinik. Die Alkoholprobleme ziehen sich durch ihr ganzes Leben, sie hat bereits acht gescheiterte Entzugsversuche hinter sich. Den 34-Jährigen hatte sie beim letzten Entzug kennen gelernt. Bereits im Alter von 13 Jahren erhielt sie Rohypnoltabletten von ihrer alkoholsüchtigen Mutter, ein Jahr später griff sie dann zum Alkohol. Mehrmals schob man sie zwischen Heimen, Pflegefamilien und der Mutter hin und her.

«Es gilt zu verhindern, dass sie wieder auf ihren Partner einsticht»

Gestern musste sie sich wegen des Messerstichs vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Der Staatsanwalt verlangte einen Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Nebst einer unbedingten Freiheitsstrafe sah er vor allem eine stationäre Massnahme als hilfreich. «Es gilt zu verhindern, dass sie in einer ähnlichen Situation wieder zu einem Messer greift und auf ihren Partner einsticht», sagte der Staatsanwalt. Die 50-Jährige schüttelte während der Ausführungen immer wieder den Kopf.

Laut einem Gutachten kommen bei ihr nebst der Alkoholsucht auch eine Borderline-Störung sowie eine Depression zusammen. Sie hatte gesagt, ihr Partner habe sie bedroht, sie dann aber auch immer wieder um den Finger gewickelt, um sie zurückzugewinnen. Der Richter fragte sie, weshalb sie ihn nicht schon früher verlassen hatte. «Weil es nicht ging. Ich hatte keine Wohnung und ein Kind. Wie soll ich mit einer Katze ins Frauenhaus?», antwortete die 50-Jährige. Sie wünsche sich derzeit eine eigene Wohnung sowie eine Arbeit, ihre Suchttherapie wolle sie ambulant weiterführen.

Der Verteidiger betonte, die Frau habe das Käsemesser mit der linken Hand genommen, und nicht etwa mit der rechten, mit der sie viel kraftvoller hätte zustossen können. Auch müsse man bei den gescheiterten Entzugsversuchen berücksichtigen, dass sie insgesamt 32 Jahre lang alkoholabhängig war. Da seien acht Versuche nicht so viel. «Sie hat mehrere Kinder hauptsächlich alleine aufgezogen. Und dennoch war sie stets arbeitsfähig und ist nie in die Kriminalität abgerutscht», so der Verteidiger.

Das Gericht fällte dennoch einen Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung und ordnete eine stationäre Massnahme von unbestimmter Dauer an. Das Strafmass beträgt rein formell 22 Monate. Der Richter sagte dazu, das kleine Messer sei den Fotos nach mit grosser Wucht im Leistenbereich eingesetzt worden, das sei eine gefährliche Gegend. Allerdings habe der Partner einiges zur Eskalation beigetragen, auch deshalb reduzierte das Gericht die Genugtuung auf 800 Franken. Die Frau muss nun in der Klinik bleiben.

«Sie müssen jetzt selber den Willen aufbringen, damit sich etwas ändert», sagte der Richter. Das Urteil kann noch weitergezogen werden.

Meistgesehen

Artboard 1