Kantonsratswahlen
Frau Martullos Ehemann will in die Politik

Unter den Personen, die sich um einen Sitz im Kantonsparlament bewerben, sind neben den Bisherigen auch andere bekannte Namen zu finden. So zum Beispiel Christoph Blochers Schwiegersohn.

Alfred Borter
Drucken
Teilen
Magdalena Martullo-Blocher, CEO der Ems-Chemie in Domat-Ems (Archiv)

Magdalena Martullo-Blocher, CEO der Ems-Chemie in Domat-Ems (Archiv)

Keystone

Das Statistische Amt hat die Namen sämtlicher Personen veröffentlicht, die am 3. April gewählt werden möchten. Einer von ihnen ist Mauro Tuena, SVP-Fraktionschef im Zürcher Gemeinderat, der versucht, einen Sitz im Kantonsparlament zu erobern, was in dem von Links-Grün dominierten Wahlkreis Zürich 4 und 5 nicht einfach sein dürfte. Ferner möchte offenbar der langjährige frühere CVP-Gemeinderat und Gemeinderatspräsident Robert Schönbächler wieder Ratsluft schnuppern, er hat letztes Jahr auf eine Wiederwahl verzichtet und jetzt sitzt sein Sohn im Stadtparlament. Nun kandidiert er für den Kantonsrat.
Auch Jeanine Kosch, Ko-Präsidentin der Grünen, versucht ein Comeback; allerdings ist sie nicht an der Spitze der Liste platziert, sondern in der Mitte auf Platz 7. Stefan Feldmann, Präsident der SP, darf auf der SP-Liste im Bezirk Uster von Platz 1 aus starten, obschon er vor vier Jahren abgewählt worden ist; die beiden bisherigen Ratsmitglieder wurden auf Platz 2 und 4 gesetzt, was offenbar böses Blut gegeben hat.
Weniger brisant ist das Auftauchen von Nationalrat Martin Bäumle auf der Kantonsratsliste der Grünliberalen; der letzte Platz deutet an, dass er bloss als Stimmensammler aufgeführt ist, aber niemandem den Sitz wegschnappen will.

Auch der Schwiegersohn von Christoph Blocher kandidiert
Bei der Liste der SVP im Bezirk Meilen taucht ein bekannter Name auf, Roberto Martullo, der Schwiegersohn von alt Bundesrat Christoph Blocher. Er ist freilich auf dem allerletzten Platz rangiert, was darauf hindeutet, dass seine Ambitionen nicht sehr gross sind, in die Politik einzusteigen. Bedeutend grösser sind die Ambitionen des besser platzierten Gregor Rutz, der einige Jahre lang der SVP Schweiz als Generalsekretär gedient hat. Tugrul Kircali hingegen, Direktor des Spitals Bülach, findet sich bei der FDP im Mittelfeld der Liste.
Unter den Kulturschaffenden sticht Samir Jamal-Aldin hervor, der als Filmemacher Samir zu einigem Ruhm gelangt ist. Er versucht die Bilanz der Alternativen Liste aufzubessern, welche gegenwärtig nur gerade über zwei Sitze verfügt.

Und ein ehemaliger Staatenloser

Ein Name, der früher für Schlagzeilen gesorgt hat, ist Alexander Peske. Es gab ein langes Hin und Her, ob er, der als Flüchtling aus Russland in die Schweiz gekommen war, nach Beendigung seiner Lehre ausgeschafft werden solle. Jetzt ist er Schweizer geworden und kandidiert in Zürich für die Grünliberalen.
Geht man die Berufe durch, fällt zunächst einmal auf, dass englische Bezeichnungen auf dem Vormarsch sind. Da gibt es den Event Manager, den Head of Sales und den Head of Asset Management, den Technical Consultant und den Application Engineer. Und der Sales Manager Chocolate lässt einen gleich ans Schlaraffenland denken.

Aber es finden sich auch noch der Bauer und die Bäuerin, allenfalls mit dem Zusatz Bio, der Hafnermeister, der Schreiner und der Spengler, der Zimmermann, Arzt und Ärztin, Polizist und Polizistin.
Ausserdem dabei sind auch ein Parfumeur und ein Aromatiker, und bei einem Hotelier steht der Zusatz Cinétier; ein Blick auf dessen Homepage zeigt, dass er wirklich ein Kino-Fan ist.
Eine Cellistin ist gleichzeitig Therapeutin für chinesische Medizin, eine Soziologin ist auch Pilzkontrolleurin, ein Stromsparberater arbeitet auch als Schriftsteller.
Die Berufsbezeichnung Mumienforscher weckt ebenfalls Neugierde: Der Mediziner Frank Rühli leitet das von ihm gegründete Zentrum für Evolutionäre Medizin an der Universität Zürich, ist aber auch Vizepräsident der FDP Zürich 1 und möchte ins Parlament einziehen.