Limmattal
Flüchtling und Mentor treffen sich online: Schlieremer Unternehmen lanciert Integrationsplattform

Das Schlieremer Unternehmen Fokusarbeit lanciert eine Plattform, um die Integration zu fördern. Mit der Webseite werden Flüchtlingen mit freiwilligen Mentoren vernetzt, um die Eingliederung von Migranten zu vereinfachen.

Daniel Diriwächter
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Die Köpfe hinter Fokusnetzwerk: Projektleiter Eliya Devay, Geschäftsführerin Angelika Künzle und die Mentoren Delia Grenacher und Pino Marsicovetere.

Die Köpfe hinter Fokusnetzwerk: Projektleiter Eliya Devay, Geschäftsführerin Angelika Künzle und die Mentoren Delia Grenacher und Pino Marsicovetere.

zvg

Wie leben Menschen, die aus den Kriegswirren verschiedener Länder in die Schweiz geflohen sind? Was sind ihre Ängste und welche Hilfe benötigen Sie? Und wie kann man zu deren Integration beitragen? Das sind Fragen, die sich auch Angelika Künzle, Geschäftsführerin des Schlieremer Unternehmens Fokusarbeit, stellt.

Dieses kümmert sich seit zehn Jahren um die Wiedereingliederung von Personen in die Berufswelt, die dafür erschwerte Voraussetzungen haben. Seien es Unfallopfer, Menschen mit psychischen Erkrankungen oder auch Migranten. Heute kommt ein weiteres Projekt hinzu, die Online-Plattform Fokusnetzwerk. Es hat die soziale Integration von Flüchtlingen zum Ziel. Der Startschuss fällt heute Abend im Kirchgemeindehaus der reformierten Kirche Dietikon.

Integration scheitert an kleinen Dingen

Die Webseite, die freiwillige Mentoren mit Flüchtlingen vernetzen will, wurde nach einer Idee von Künzle von Projektleiter Eliya Devay umgesetzt. «Fehlende Integration kann Depressionen, aber auch Wut auslösen. Es ist deshalb wichtig, dass man schneller als heute üblich handelt», so Devay. Er weiss, dass der Schritt in unsere Gesellschaft oft an kleinen, in unseren Augen banalen Dingen, scheitert. «Wie schreibt man einen Brief oder wie kauft man hierzulande im Laden ein, das sind Barrieren, die unser Projekt überwinden soll», sagt Devay.

Die Idee selbst ist nicht neu: Verschiedene Institutionen verfügen über Mentoren, die Flüchtlingen helfen. «Aus meiner Recherche ging aber hervor, dass oftmals viel Unverständnis auf beiden Seiten herrscht, zumal es sehr lange dauern kann, bis ein Flüchtling auf jemanden trifft, der ihm in einer konkreten Angelegenheit helfen kann» so Devay. Zudem hätten Staat und Gemeinden einen erheblichen Aufwand, auch finanziell. Dem wolle die Plattform entgegenwirken.

Wie eine Dating-Plattform

So können mögliche Mentoren und Flüchtlinge auf der Webseite ein Profil anlegen und die persönlichen Interessen, den beruflichen Hintergrund oder die Sprachkenntnisse angeben. Das Online-Formular verlangt bei Mentoren weiter einen Strafregisterauszug sowie die Aufforderung, ein Foto hochzuladen, damit das Profil einen persönlicheren Eindruck hinterlässt. Durch eine Filterfunktion treten dann die Personen unkompliziert in Kontakt. «Es ist beinahe wie bei einer Dating-Plattform», so Künzle.

Künftige Mentoren erhalten auch Unterstützung in Form von Kursen und Intervisionsgruppen. «Es ist wichtig, dass interessierte Personen die Situation der Flüchtlinge verstehen», sagt Devay und gleich auch ein Beispiel für ein mögliches Zusammentreffen. «Der Mentor kann beispielsweise ein pensionierter Arzt sein, der in seiner neugewonnen Freizeit etwas sinnvolles tun möchte. Aus diesem Grund nimmt er einen Flüchtling, der in seiner Heimat ebenfalls Arzt war, mit zu Wanderausflügen oder zu Treffen mit den Arztfreunden mit.»

Mentoren gesucht

Nun gilt es, die Webseite aufzubauen. «Wir haben durch die Kanäle von fokusarbeit, wie etwa den Gemeinden, viele Kontakte zu Flüchtlingen. Nun suchen wir Personen, die bereit sind, sich auf unserer Webseite als Mentoren zur Verfügung zu stellen», so Devay. Mindestens 50 Teilnehmer wünscht er sich für den Star. Rund 20 Freiwillige haben ihm schon im Vorfeld ihre Mithilfe zugesagt, darunter sind auch Delia Grenacher und Pino Marsicovetere. «Flüchtlinge sind Menschen, die sich hier in der Schweiz wohlfühlen müssen. Ich hoffe, dass ich das mit meiner Unterstützung erreichen kann», sagt Marsicovetere.

Er sei selber als Kind italienischer Migranten in die Schweiz gekommen und könne die Situation nachvollziehen. «Der Unterschied ist, dass wir Italiener damals willkommen waren.» Auch Grenacher will mit ihrem Einsatz für mehr Menschlichkeit sorgen. «Jeder Mensch hat es verdient, gut zu leben», sagt sie. Auf die Begegnungen freut sie sich, speziell auch auf junge Flüchtlinge, denen sie eine Stütze sein möchte.

Die Fokusnetzwerk-Plattform wird sich zunächst auf die Region Zürich fokussieren. Noch wird sie von Fokusarbeit vorfinanziert, bis sich beispielsweise Gemeinden an dem Projekt beteiligen. Devay und Künzle sind überzeugt, dass die Vernetzung viel dazu beitragen wird, dass die aus ihrem Land geflohenen Menschen in unserer Gesellschaft aufgenommen werden.

Präsentation von Fokusnetzwerk findet heute von 19.30 bis 21 Uhr im grossen Saal der reformierten Kirche Dietikon statt.