Kindsmisshandlung
Flüchtige Mutter freigesprochen: Obergericht bestätigt Urteil des Bezirksgerichts Dietikon

Eine Mutter wird beschuldigt, ihrer eigenen Tochter mehrere Knochen gebrochen zu haben. Da ihr das Bezirksgericht Dietikon die Tat nicht zweifelsfrei nachweisen konnte, wurde sie freigesprochen. Obwohl die Frau in der Zwischenzeit untertauchte, hat das Zürcher Obergericht nun das Urteil der Vorinstanz bestätigt.

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Das Zürcher Obergericht entschied im Zweifel für die Angeklagte und bestätigte damit das vorinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Dietikon.

Das Zürcher Obergericht entschied im Zweifel für die Angeklagte und bestätigte damit das vorinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts Dietikon.

KEYSTONE

Am 23. August 2014 brachte eine alleinerziehende Frau ihre damals 9 Monate alte Tochter in die Notaufnahme des Kinderspitals Zürich. Bei der Untersuchung wurde ein Bruch des rechten Unterschenkels festgestellt. Später entdeckten die Ärzte auch einen älteren Bruch des rechten Unterarms. Eine Magnetresonanz- und Computertomografie des Kopfes brachte schliesslich gar eine Fraktur der Schädeldecke zum Vorschein, wie die "NZZ" berichtet.

Das Kinderspital erstattete daraufhin Anzeige. Das Baby kam in ein Kinderheim. Die 38-jährige Mutter wurde der mehrfachen Kindsmisshandlung beschuldigt. Da ihr die Tat allerdings nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte, sprach das Bezirksgericht Dietikon die Portugiesin vom Vorwurf der versuchten schweren Körperverletzung sowie der mehrfachen einfachen Körperverletzung zum Nachteil einer wehrlosen Person frei.

Im Zweifel für die Angeklagte

Das Zürcher Obergericht hat nun das Urteil der Vorinstanz in Abwesenheit der Beschuldigten bestätigt. Eine erste Verhandlung im August musste abgesagt werden, weil die Behörden die 38-jährige Portugiesin seit Oktober 2016 nicht mehr ausfindig machen konnten. Das Verschwinden der Mutter mit ihrem mittlerweile 4-jährigen Kind sei zwar verdächtig, doch könne es dafür auch andere Beweggründe geben, wie der Gerichtsvorsitzende festhielt.

Das Obergericht ging davon aus, dass alle Misshandlungen durch dieselbe Person verübt worden sind. Der Hauptverdacht lag auf der alleinerziehenden Mutter, die nicht erklären konnte, woher die Verletzungen ihrer Tochter stammen. Die Schwangerschaft war nicht geplant gewesen. Gemäss Zeugenaussagen sei sie auch keine besonders einfühlsame Mutter. Allerdings reicht eine wahrscheinliche Täterschaft nicht aus für eine Verurteilung. Das Gericht betonte gemäss "NZZ", dass es sich um einen klaren Freispruch in dubio pro reo handle, im Zweifel für die Angeklagte, und folgte damit der Vorinstanz.

Das Zürcher Obergericht bestätigte auch die Schuldsprüche wegen mehrfachen Betrugs und mehrfacher Urkundenfälschung. Die Portugiesin erschwindelte sich mit einer gefälschten Aufenthaltsgenehmigung zwei Arbeitsverträge und gab sich bei mehreren medizinischen Untersuchungen als ihre Schwester aus, da sie keine eigene Krankenversicherung hatte. Der Frau wurde eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 40 Franken auferlegt. Zudem läuft ein Verfahren wegen Kindesentzug.