Frau Hefti, der Schweizer Tierschutz will eine Alterslimite von 16 Jahren für die Fischerei einführen. Finden Sie das sinnvoll?

Christine Hefti: Nein, eine gesetzliche Reglementierung fände ich hier übertrieben. Es liegt im Ermessen der Eltern, ob sie ihren Kindern ein solches Hobby erlauben wollen.

Die Tierschützer argumentieren, dass die Kinder und Jugendlichen durch das Töten der Fische gegen tierisches Leid abstumpfen könnten. Ist diese Befürchtung gerechtfertigt?

Ich glaube nicht, dass die Tatsache, dass ein Kind einen Fisch fängt und tötet, einen Abstumpfungseffekt hat. Und wenn, so ist dieser bei Videogames mit Gewalt bestimmt viel grösser. Zudem gibt es im Vergleich zur grossen Gamer-Gemeinschaft verhältnismässig wenig Kinder, die fischen. Für die Gesellschaft sind Gewaltspiele also das grössere Übel.

Welche positiven Effekte auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen liessen sich für das Fischen nennen?

Das Kind kann sich in Geduld üben und erlebt bewusst die Ruhe und die Natur. Das kann in unserer schnelllebigen, auf Konsum ausgerichteten Gesellschaft wohltuend für die kindliche Seele sein. Dieses Naturerlebnis ist sicher nachhaltiger im Vergleich zum Töten eines einzelnen Fisches, den man nach langer Zeit endlich einmal fängt.

Gibt es weitere Auswirkungen, die Sie befürworten?

Kinder, die Fische nur vom Kühlregal in der Migros kennen, haben wohl weniger Achtung vor einem solchen Tier, wie ein Jugendlicher, der selbst schon einen Fisch gefangen hat.

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit ein Kind beim Fischen einen respektvollen Umgang mit den Tieren lernen kann?

Gerade bei Kindern ist es sicher sehr wichtig, dass sie von Erwachsenen in die Fischerei eingeführt werden. Meist sind es ja Verwandte, die ein Kind zum Fischen mitnehmen. Dabei ist es zentral, dass sie den Kindern vermitteln, dass das gefangene Tier nicht leiden darf und dass man es nicht quält.