Fussball

FCD-Trainer João Paiva: «Mein Job hier in Dietikon ist noch nicht fertig»

João Paiva hat gut lachen: Der FC Dietikon führt die Tabelle in seiner Gruppe in der 2. Liga interregional an.

Dietikons Trainer João Paiva bleibt bezüglich Aufstieg zurückhaltend, wie er im Interview erklärt.

Haben Sie am vergangenen Samstag gefeiert? Ihrer Mannschaft ist der höchste Sieg in dieser Saison gelungen: 8:0 auswärts gegen Dulliken.

João Paiva: Nein, aber klar, das Resultat war gut und wir sind auch stolz darauf, dass wir eine gute Leistung gezeigt haben. Aber wichtig sind die drei Punkte. Ob wir 1:0 oder 8:0 gewinnen, spielt keine grosse Rolle.

Aber so ein Resultat gibt einem Team doch einen Push.

Ja, das schon. Aber wir schossen in den ersten sieben Minuten drei Tore. Dadurch entwickelte sich ein ganz anderes Spiel. Dulliken kam nicht mehr ins Spiel. Vielleicht war unser Gegner wegen der Osterpause auch nicht so gut vorbereitet. Aber wir haben uns seriös vorbereitet – wie immer.

Haben Sie in Ihrer Karriere als Profi jemals so hoch gewonnen?

Ich habe den Jungs am Montag bei der Spielbesprechung gesagt, dass ich mit dem FC Luzern schon im Cup so hoch gewonnen habe. Allerdings war unser Gegner nicht in derselben Liga. Gegen einen Gegner aus derselben Liga habe ich noch nie so hoch gewonnen. Aber wie gesagt: Das Score spielt keine grosse Rolle. Die Tordifferenz ist in unserer Liga ohnehin nicht so wichtig, entscheidend sind die Strafpunkte.

Dietikon hat mit diesem Kantersieg nun 57 Tore auf dem Konto – so viele wie keine andere Mannschaft in dieser Gruppe. Gleichzeitig hat Ihre Mannschaft mit 18 Gegentoren am wenigsten Treffer kassiert. Haben Sie die richtige Mischung zwischen Offensive und Defensive gefunden?

Die Balance zwischen Offensive und Defensive ist im Fussball extrem wichtig. Am Anfang der Saison hatten wir einen grossen Fokus auf die Defensive. Das hat auch damit zu tun, dass die Mannschaften im Breitenfussball wenig Zeit für die Taktik haben. Aber wir haben viel darüber gesprochen, was zum Beispiel Mittelfeldpressing ist und wie das Umschalten von Offensive auf Defensive funktioniert. Zudem hatte das Team in den Wintermonaten viel mehr Zeit für die Vorbereitung als im Sommer. Diese haben wir genutzt, um zu testen, welche Kombinationen wir in der Offensive spielen können, um mehr Tore zu machen. Momentan sind wir in einer guten Form. Aber wir müssen noch viel verbessern. Mit 18 Gegentoren haben wir ein Tor pro Spiel kassiert. Das ist nicht optimal.

Sie sind noch nicht zufrieden?

Das ist so im Fussball: Du kannst nicht immer zufrieden sein. Das Ziel ist, dich zu verbessern. Wenn du zufrieden bist, warum trainierst du dann? Die Jungs wissen: Wir haben es bisher sehr gut gemacht. Aber der Weg ist noch weit. Die Jungs haben noch viel zu lernen und zu erleben.

Sie haben in den letzten Spielen auf Spieler setzen müssen, die zu Beginn nicht so oft gespielt haben und mittlerweile zum Stamm gehören, zum Beispiel Adin Slivjar.

Adin ist ein gutes Beispiel für einen Spieler, der Geduld gezeigt hat und immer Vollgas gegeben hat, obwohl er nicht oft zum Zug kam. Jetzt hat er eine Chance bekommen und macht das gut. Aber es ist auch ein Vorteil, wenn eine Mannschaft schon gut spielt. Dann ist es einfacher für diejenigen, die neu ins Team kommen.

Ende April wurde bekannt, dass Sie Ihren Vertrag um zwei Jahre verlängert haben. Ist dieser Entscheid in Ihnen gereift? Oder haben Sie das spontan entschieden?

Nun, ich bin ein sehr einfacher Mensch. Das Team um mich mit Sportchef Christian Müller und Vizepräsident Peter Ardielli funktioniert sehr gut. Wir haben eine sehr offene Kommunikation. Zusätzlich gibt uns Präsident Renato Casanova sehr viel Unterstützung. Aber es ist auch sehr wichtig, dass unser Kader, also die Jungs, unbedingt arbeiten und sich verbessern wollen. Und das alles waren Argumente für diesen Entscheid. Mein Job hier in Dietikon ist noch nicht fertig. Der Verein hat noch Potenzial. Er soll zum Vorbild im Breitenfussball werden. Das ist unser Ziel.

Ihr Assistent Rico Maissen wird Ende Saison zurücktreten.

Ja, und das tut mir auch leid. Rico hat persönliche Gründe angeführt, für die wir alle Verständnis zeigten. Aber er wird bis 15. Juni Vollgas geben, und danach wird er sicher oft auf die Dornau kommen.

Gibt es schon einen Nachfolger?

Nein, wir fokussieren uns auf die Saison. Wir haben schon Gespräche geführt, aber noch nichts entschieden.

Ihre Mannschaft hat einen Klecks im Reinheft – die Niederlage in der Cupqualifikationsrunde gegen Olten. Wie enttäuscht war die Mannschaft über dieses Ergebnis?

Wir hatten zwei Spiele gegen Olten und keins davon gewonnen. Einmal spielten wir unentschieden, und das andere Mal haben wir eben verloren. Und das beide mal zu Hause. Olten ist ein gutes Team und nicht so fragil, wie die Tabelle glauben lässt. Aber wir müssen auch ehrlich sagen, dass wir nicht den besten Fussball gezeigt haben. Wir hatten zwar viele Torchancen, aber die Oltener waren cleverer. Wir müssen die Niederlage akzeptieren. Schade, dass wir die Qualifikation für den Pokal nicht geschafft haben. Jetzt müssen wir uns auf die Meisterschaft konzentrieren.

In der Meisterschaft haben Sie neun Punkte Vorsprung...

…aber ein Spiel mehr.

Trotzdem: Die Dietiker sind so stark wie schon lange nicht mehr. Was macht die Stärke Ihrer Mannschaft in dieser Saison aus?

Vom Charakter und der Persönlichkeit her habe ich den besten Kader der Schweiz. Die Jungs gehen zusammen essen, in die Ferien, sie helfen einander. So etwas habe ich noch nie erlebt. Wir haben einen tollen Teamgeist.

Kann Dietikon überhaupt noch verdrängt werden?

Es sind für uns noch sieben Spiele, für die Gegner acht. Die Freienbacher und die Eagles sind nur hinter uns, weil sie gegen uns verloren haben. Sonst hätten sie gleich viele Punkte wie wir. Das sind sehr gute Teams. Deshalb sage ich den Jungs: Jeder Match ist extrem wichtig, auch wenn der Gegner weit unten in der Tabelle steht. Das ist auch gegen Wohlen II so. Wohlen will nicht, dass die zweite Mannschaft in die 2. Liga absteigt. Ich erwarte daher einen starken Auftritt der Wohlener.

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