Schon als Juso-Präsident sorgte Fabian Molina (SP) für Schlagzeilen. Seit bekannt wurde, dass der Zürcher Kantonsrat in den Nationalrat nachrückt, hört sein Telefon nicht mehr auf zu klingeln. Dem 27-Jährigen aus Illnau-Effretikon merkt man im Gespräch die Vorfreude auf das Amt an.

Gratulation zum Nachrücken in den Nationalrat. Seit wann wissen Sie, dass Tim Guldimann sein Mandat abgibt?

Fabian Molina: Seit ungefähr zwei Wochen. Aber die Umstellung kommt trotzdem abrupt. Die Vereidigung ist schon am 15. März. Viel Zeit bleibt nicht. Aber das ist vielleicht gut, dann werde ich ins kalte Wasser geworfen.

Sie sind der Nachrücker schlechthin. Zuerst in den Kantonsrat, nun in den Nationalrat. Ist es nicht frustrierend, Ämter so abzustauben?

Noch vor einem Jahr war ich der «Mister Nachrutschplatz», doch jetzt ging alles sehr schnell. Frustrierend ist das nicht, ich freue mich. Ich muss aber schon auch sagen: Der Nachrückplatz wird einem nicht geschenkt. Ich habe das nächstbeste Wahlresultat erzielt. Das ist ein gutes Resultat für jemanden, der erst 27 Jahre alt und noch nicht so lange im Politikkuchen unterwegs ist.

In einem kleineren Kanton würden Sie nicht nachrücken.

Das ist so. Es gehört auch Glück dazu.

Sprechen wir über Inhalte. Sie sind für den EU-Beitritt. Das ist doch politischer Selbstmord.

Ich gehe in die Politik, weil ich eine Überzeugung habe. Und zu der stehe ich. Wer den Leuten nur nach dem Mund redet, hat in der Politik nichts verloren. Inhaltlich plädiere ich für einen EU-Beitritt, weil uns heute internationale Konzerne die Politik diktieren. Wir brauchen eine Globalisierung der Demokratie und die EU ist ein Schritt in diese Richtung, auch wenn sie weit davon entfernt ist, perfekt zu sein.

Was ist Ihr Verständnis eines Nationalrates?

In einem Land, das seit 1848 tief bürgerlich ist, ist es illusorisch nur auf das Parlament zu setzen. Die Geschichte der AHV oder des Frauenstimmrechts zeigt, dass wir parlamentarische und ausserparlamentarische Politik verbinden müssen, um etwas zu erreichen.

Und was heisst das konkret?

Man darf nicht glauben, dass immer das beste Argument siegt. Man muss die Verbindung zu den Bewegungen halten und Druck machen. Ich werde sicher immer noch an Demonstrationen anzutreffen sein. Es würde der SP allgemein guttun, etwas aktivistischer zu denken und auch einmal etwas zu vertreten, dass keine Chance hat, aber trotzdem richtig ist.

Sie werden vom wilden Juso-Präsidenten zum Teil des Establishments. Wie sorgen Sie dafür, dass Sie als Nationalrat die Bodenhaftung nicht verlieren?

Ich habe allen meinen Kollegen gesagt, sie sollen mich schlagen, wenn ich Allüren zeige. Aber jetzt mal im Ernst: Ich kenne den Politzirkus schon aus meiner Zeit als Juso-Präsident. Ich werde mein Milieu nicht wechseln, nur weil ich Nationalrat werde. Ich möchte auf jeden Fall in meiner Wohngemeinschaft bleiben und weiterhin in den Ausgang gehen.