Uitikon

Ex-Manager Peter Beeler: «Ich war der klassische Macher»

Peter Beeler aus Uitikon hat sein drittes Buch mit dem Titel «Niemand erwacht» auf den Markt gebracht.

Peter Beeler aus Uitikon hat sein drittes Buch mit dem Titel «Niemand erwacht» auf den Markt gebracht.

Der Ex-Manager Peter Beeler aus Uitikon geht in seinem neuen Buch «Niemand erwacht» mit seiner Gilde hart, aber herzlich ins Gericht. Zudem hat er einige Weisheiten parat.

Bitte erschrecken Sie nicht!» Diese Vorwarnung schickt Peter Beeler jedem voraus, der sein Buch lesen will. «Niemand erwacht» lautet der Titel und es ist schon das dritte Werk des Uitikers. Das Thema: überforderte Manager und der Unsinn blinder Autoritätsgläubigkeit. «Diese Gschichtli», wie Beeler mit einem Blick auf seine drei Bücher meint, «sollen vor allem mit viel Gelassenheit und Humor gelesen werden.» Denn mit einer Prise von beidem sind sie auch geschrieben worden. Zudem mit einer gehörigen Portion Lust.

Beelers neustes Buch beginnt mit einer kafkaesken Szene: Niemand, ein vorlauter Assistent, der nur durch Zufall an einem wichtigen Topmanagerseminar teilnehmen darf, eröffnet die Runde mit einer launischen Rede. Darin beschreibt er sich als Spinne, die der Reihe nach jeden Manager der Firma auffrisst, die ihrerseits allesamt blutgierige Insekten sind. Beim Verschlingen benennt die Spinne genüsslich deren individuellen Makel.

Zum Beispiel die des farblosen Personalleiters Emil Ziege, dessen Abteilung nichts bewirkt und nur installiert wurde, weil ein HR heutzutage zum guten Ton einer Firma gehört. Oder die der Alibi-Frau im Kader, Madeleine Hösli, die von den Männern gemobbt wird. Und schliesslich die des 85-jährigen Patrons und Patriarchen von Eber, der niemanden neben sich gelten lässt. Er ist für das Debakel verantwortlich, veranstaltete er doch den Betriebsausflug für seine Mitarbeitende als fliegende Insekten, um Kosten zu sparen.

Chef über 250 Läden

Mit viel Humor geht es in der Folge weiter, bis der anpassungswillige Niemand als freier Mann die Firma verlässt — glücklich, sein Schicksal selbst in die Hand genommen zu haben. «Mit Genugtuung, aber auch aus kritischer Distanz blicke ich heute auf meine eigene langjährige Tätigkeit als Manager zurück», sagt Beeler.

Wie Niemand verliess auch er seine Stelle als Verkaufsleiter beim Lebensmitteldetailhändler Pick Pay. Mit 10 Läden hatte er dort gestartet, 25 Jahre später war er Chef über 250 Läden und sass in der Geschäftsleitung. «Ich war der klassische Macher, doch etwas undiplomatisch», meint er rückblickend. Und so ging es bergab, als Pick Pay nach Deutschland verkauft wurde und Beeler — als bald 50-Jähriger — nicht mehr angehört wurde. «All meine Einwände sind als die eines Alten abgetan worden, der nicht offen für Neues ist.»

Heute ist Pick Pay als Mitglied des BAG Konzerns, der ehemaligen Nummer Drei hinter Coop und Migros, von der Bildfläche verschwunden. Beeler, 69-jährig, ist hingegen noch da — inzwischen pensioniert, aber alles andere als frustriert. In seinem idyllisch gelegenen Haus am Fusse des Üetlibergs geniesst er seine Tage beim Golfen oder in den Bergen. Rückblickend ist er froh, seine turbulente Geschäftszeit ohne körperliche Schäden überstanden zu haben. «Ich hatte immer ein gutes Umfeld, Familie und Freunde und habe mir immer genügend Zeit für mich selber genommen.» Er räumt ein, dass es für ihn einfacher gewesen sei, habe er zu Hause doch noch die klassische Rollenteilung gelebt.

Eine Liste voller Weisheiten

Heute — das sieht er bei seinen zwei Söhnen — sei die Doppelbelastung ein Thema. «Dafür sind zweifach verdienende Paare besser abgesichert.» Im Nachhinein sei aber nichts wirklich wichtig. «Die schrecklichen Erlebnisse im Geschäft sind nach gewissem Abstand nur halb so schlimm», weiss er aus Erfahrung, «und vielfach sogar das Salz in der Suppe.»

Beeler hat noch andere Weisheiten parat, er hat sie in zehn Punkten fein säuberlich aufgelistet. Wie beispielsweise seine Liebste: «Zufriedene und glückliche Mitarbeitende, die über sich selber und ihre Vorgesetzten lachen können, bringen letztlich mehr Profit fürs Unternehmen als verbissene, humorlose Erbsenzähler.» Gleichzeitig seien es oft die Guten, die unter Managern leiden, die gemeinhin Zahlen mehr lieben als Menschen. «Die, die alles an sich abprallen lassen, sind besser dran.» Etwas mehr Distanz empfiehlt Beeler aber allen, denn viele Firmen verhielten sich heute nicht mehr loyal. «Gerade junge, ambitiöse Leute laufen Gefahr, regelrecht aufgesogen zu werden.»

Kein gutes Wort übrig hat Beeler auch für den Typ Verwaltungsrat. Denn den meisten fehle es an einer klaren Strategie. «Sie sitzen einfach dort, weil sie zum Klüngel gehören.» Auch mehr Frauen müssten ins Topmanagement. «Aber nur, wenn sie ihre weiblichen Qualitäten einsetzen, wie Feinfühligkeit oder Intelligenz.» Und die letzte Weisheit auf Beelers Liste, der selber «in einem rebellischen Haushalt» mitten in der streng katholischen Innerschweiz aufgewachsen ist, lautet: «Sei dir immer bewusst, dass das Leben schnell vorbei geht — danach sind alle wieder gleich, nämlich Niemand.» Was aus Niemand, dem Hauptcharakter im Buch, wird, nachdem er die Firma verlassen hat, lässt Beeler offen. «Das wäre einen Nachzug wert», meint er schmunzelnd. Man darf also mit einem vierten Buch rechnen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1