Triathlon
Et Lam hat sich mit seiner Vergangenheit versöhnt

Der 37-Jährige vom Tri Team Limmattal hat eine bewegte Vita: Seine Familie floh aus Laos bis in die Schweiz. Et nutzte den Sport als Ventil. Heute hat der Zürcher zur Gelassenheit gefunden – ausser im Sport. Am Züri Triathlon will er Vollgas geben.

Raphael Biermayr
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Triathlet Et Lam vom Tri Team Limmattal
5 Bilder
Zwischen Büro und Sport
In Laos suchte Lam seine Wurzeln
Die Reise liess ihn zu sich finden
Herrliche Bilder nahm Lam aus Laos mit

Triathlet Et Lam vom Tri Team Limmattal

Limmattaler Zeitung

Et Lam verdient heute sein Geld als Quereinsteiger in der Finanzbranche, und er war als junger Mensch ein herausragender Sportler. «Tischtennis, Kunstturnen, Eishockey, Leichtathletik – alles fiel mir leicht», sagt der durchtrainierte Athlet, dessen Oberkörper zahlreiche buddhistische Tätowierungen zieren.

Klingt nach einem Leben auf der Erfolgswelle. Doch das war es nicht. Lam nutzte den Sport früher als Ventil, um den aus seinem Alltag angestauten Dampf abzulassen. Er motivierte sich aus negativen Gefühlen heraus zu Höchstleistungen.

Den Kontrast dazu hat er heute: Im Triathlon fand er eine sportliche Herausforderung, die ihm Spass macht. Zum ersten Mal seit seiner Jugend betreibt er wieder Wettkampfsport, er ist Mitglied im Tri Team Limmattal und im Team Tempo Sport aus Thalwil. Am kommenden Samstag startet Lam über die olympische Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen) zum Züri Triathlon.

Knapp ein Jahr nach seinem ersten Start in Spiez peilt er bereits die Marke von 2:15 Stunden über die olympische Distanz an. Zum Vergleich: Sven Riederer gewann am vergangenen Wochenende seinen Schweizer Meistertitel in einer Zeit um 1:58 Stunden.

Flucht aus Laos und Kambodscha

Lams erste Jahre auf der Erde waren leidvoll. Die Eltern und die zwei älteren Brüder waren 1974 aus Laos geflüchtet. Das Land wurde im Schatten des Vietnamkriegs von den USA bombardiert, weil die dort drohende kommunistische Revolution abgewendet werden sollte.

Im Fluchtland Kambodscha kam wenig später das Schreckensregime der Roten Khmer an die Macht. Die Familie Lam zog weiter nach Thailand. In einem Flüchtlingslager nahe Bangkok wurde 1977 Et geboren.

Zwei Jahre später wurde die fünfköpfige Familie von der Schweiz als Flüchtlinge aufgenommen, weil der zweitälteste Sohn für einen komplizierten Eingriff am Fuss in die Schulthess Klinik überwiesen wurde.

Die Lams wurden in Niederhasli untergebracht. Eine laotische Familie, die in der Heimat Selbstversorger war, fand sich in der einsamen Idylle eines Schweizer Dorfs wieder. Es war ein Schock und barg eine Menge Schwierigkeiten für die Eltern, die den Kindern nicht verborgen blieben.

Rastlosigkeit dominierte lang sein Leben

Das Geld war immer knapp. Ihn selbst traf die Ausweglosigkeit im Zusammenhang mit dem Sport. Im Nachwuchs des EV Dielsdorf-Niederhasli hatte er auf sich aufmerksam gemacht. Ob es gereicht hätte für eine Karriere, hätte nur der Wechsel zu den Grossklubs Kloten oder ZSC offenbaren können. Doch das Geld und die elterliche Bereitschaft zur vorbehaltlosen Unterstützung fehlten dafür.

Nach einer Ausbildung zum Maschinenzeichner (heute Konstrukteur) arbeitete er im Detailhandel und absolvierte daneben die Handelsschule. Später liess er sich zum Sozialpädagogen ausbilden. Mit 31 Jahren brannte er aus und machte sich auf, in Südostasien die Spuren seiner Mutter zu suchen.

Zurück in der Schweiz, wollte er Geld verdienen, um so schnell wie möglich wieder fortzugehen. Über einen Freund kam Lam zu einem gut bezahlten befristeten Job in einer Bank. Es war der unverhoffte Einstieg in die Finanzbranche und die nächste Wendung in seiner Vita.

Eine Familie als Wunsch

Bald wird Lam fünfjähriges Jubiläum im selben Beruf am selben Ort feiern – Rekord, und ein Fanal für sein neues Leben. Sein sehnlichster Wunsch ist es, eine Familie zu gründen. Er witzelt: «Wenn ich Drillinge hätte, hätte ich meinen Triathlon zu Hause.» Anscheinend ist er zum ersten Mal in seinem Leben angekommen, er muss nicht mehr flüchten.

Mehr über Et Lams Leben finden Sie in der gedruckten Ausgabe vom 22. Juli.